Therapie und Training ändern Verhalten

Sulingen: Hund Dino ist wieder verspielt dank einer Blutuntersuchung

Dino bei einem Spaziergang auf der Straße.
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Wenig empfänglich für neue Reize war Dino bei seinen ersten Spaziergängen an der Leine.

Sulinger Land – „Dino ist ein ganz anderer Hund geworden“, sagt Mike Huchel aus Affinghausen. Dino ist ein eineinhalb Jahre alter Australian Shepherd-Cocker-Mix aus dem Tierheim Lindern, mit dem sich der Hundecoach in den vergangenen Monaten intensiv beschäftigte. Überwunden werden konnten Dinos Schwierigkeiten aber erst, als auch Tierärztin Dr. Christine Lund von der Praxis Tierarztpartner Sulinger Land aus Schwaförden mit ins Spiel kam.

Vor etwa sechs Monaten kam der Hund ins Tierheim des Tierschutzvereins Sulingen und Umgebung. „Dino hatte einen schweren Gang hinter sich“, erinnert sich die Vereinsvorsitzende Marita Görges. Er habe ins Tierheim geholt werden dürfen, da seine damaligen Besitzer nicht mit ihm zurechtgekommen seien. Gerade Cocker seien speziell: „Sie brauchen den Familienanschluss, aber sie wollen auch arbeiten und abends müde mit ihren Menschen auf dem Sofa liegen, das muss beachtet werden.“ Deswegen seien viele Cocker mit ihren Haltern auch im Hundesport aktiv.

Weil Dino auch im Tierheim weiter Verhaltensauffälligkeiten zeigte, zogen die Helfer Mike Huchel hinzu, der seit dem vergangenen Jahr mit der Einrichtung zusammenarbeitet. Dem Tier habe die Sozialisation gefehlt, vermutet der Coach, denn er habe vor vielen Dingen Angst gehabt und sich zurückgezogen.

Vom Tierheim als Pflegehund zum Coach nach Hause

Erst nach und nach sei es gelungen, eine Bindung und etwas Vertrauen aufzubauen. „Ich habe mich zu ihm gesetzt, mit ihm geredet, ihm Futter oder das Spielen angeboten.“ Nach vielen Stunden erst habe Dino erstmals eine Berührung zugelassen.

Nachdem aufseiten des Hundes das Vertrauen mehr und mehr gewachsen sei, habe er ihm erstmals ein Halsband angelegt für einen Spaziergang außerhalb des Tierheims: „Dino war ganz überwältigt von den vielen neuen Eindrücken“, so der Coach, deswegen habe dieser Ausflug nur kurz gedauert. Am nächsten Tag habe ihn der Hund jedoch überraschend in die Hand gebissen beim Spiel. „Er hatte noch nicht genug Vertrauen aufgebaut, aber weil die Zeit, in der ich mit ihm im Tierheim arbeiten konnte, begrenzt war, habe ich nach Rücksprache mit meiner Frau Sophia Dino bei mir zuhause als Pflegehund aufgenommen.“

Um mehr Zeit mit ihm verbringen zu können, nahm Hundecoach Mike Huchel Dino als Pflegehund bei sich auf.

Dort sei der Hund immer souveräner geworden, obwohl auffällig gewesen sei, dass ihn vieles immer noch verunsichert habe – beispielsweise der Fernseher, den er immer wieder angebellt habe. „Zu Sophia hat er rasch eine Bindung aufgebaut: Wenn sie nicht in der Nähe war, wirkte er depressiv mit leerem Blick, aber in ihrer Nähe zeigte er ein Schutzverhalten.“ Dabei sei es auch mehrfach wieder zu Beißvorfällen gekommen, aber „wir haben ihn nie aufgegeben.“

Schließlich habe er sich daran erinnert, in einem Buch über Verhaltensauffälligkeiten etwas über körperliche Ursachen gelesen zu haben, und darauf habe er die Tierärztin angesprochen, die ohnehin eng mit dem Tierheim zusammenarbeite.

Blutuntersuchung verriet Ursache für Aggressivität

„Wir haben ihn als relativ aggressiven Hund kennengelernt, der aber körperlich unauffällig war“, blickt Christine Lund zurück. Daraufhin sei eine spezielle Blutuntersuchung eingeleitet worden, die bei dieser Form der Verhaltensauffälligkeit Sinn mache, und dabei sei ein Mangel an Serotonin festgestellt worden. „Bei Verhaltensauffälligkeit sprechen wir eigentlich von zwei Typen: Es gibt die überängstlichen, geräuschempfindlichen Hunde, die ein starkes Meideverhalten zeigen, und es gibt die Hunde, die aggressiv nach vorne gehen.“ Bei der zweiten Gruppe könne ein Serotoninmangel vorliegen, denn das sei ein Hormon, welches dafür sorge, dass bestimmte Verhaltensabläufe „rund“ liefen – „die Hunde sind dann cooler.“ Der Mangel könne sowohl angeboren als auch erworben sein: „In vielen Fällen sind die Tiere sonst organisch unauffällig und zeigen äußerlich keine weiteren Symptome.“ Der Serotoninwert sei ein Parameter, der seit einigen Jahren einen neuen Aspekt in der Verhaltenstherapie eröffne – „das ist ein Geschenk für die Hunde und ihre Halter“, freut sich die Medizinerin.

Für Dino habe nach der Untersuchung eine Behandlung mit passenden Medikamenten für seinen niedrigen Serotoninspiegel begonnen, fährt Mike Huchel fort. Es habe zunächst immer noch gute und schlechte Tage gegeben, aber von Woche zu Woche sei es positiver geworden. Der Hund sei nicht mehr so stark auf Sophia Huchel fokussiert gewesen, er habe sich trainieren lassen und auch selbst das Spiel angeboten. „Wir konnten ihn jetzt nach acht Wochen guten Gewissens an seine neuen Halter abgeben, und die – ein älteres Ehepaar – hat sich Dino selbst ausgesucht“, ist der Coach zufrieden.

Ein neues Zuhause hat Dino inzwischen bei diesem Paar gefunden.

Angsthunde seien eigentlich nicht zu trainieren, weil sie nichts annehmen, daher müsse die Ursache für die Angst ergründet werden. Das könne, wie in diesem Fall, eine medizinische sein, aber auch das Futter spiele eine große Rolle. Ganz wegtrainieren lasse sich die Angst nie, aber solch einen Fall wie Dino habe er noch nicht erlebt, fasst Mike Huchel zusammen. „Als Team aus Tierheim, Tierärztin und Coach haben wir das gemeistert, und jeder hat sein Wissen in die Waagschale gelegt.“

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