Nabu schützt Brachvogel-Gelege

Unterstützung für Sympathieträger im Sulinger Moor

Drei frisch geschlüpfte Brachvogel-Küken sitzen neben den Eierschalen im Nest auf dem Boden.
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Die frisch geschlüpften Küken des Geleges im Sulinger Moor.

Sulingen – Das Erscheinungsbild mit dem charakteristischen Schnabel ist unverkennbar, doch nur wenige Menschen können von sich behaupten, den Großen Brachvogel auch schon einmal zu Gesicht bekommen zu haben. Das liegt nicht nur an seiner versteckten Lebensweise, sondern auch daran, dass diese Vögel zu den vom Aussterben bedrohten Arten zählen. Um zum Schutz der Tiere beizutragen, haben Mitglieder des Nabu-Ortsvereins Sulingen in diesem Jahr erstmals ein Gelege der Vögel im Sulinger Moor gesichert.

„Das ist ein Vogel, der seit eh und je in baumfreien Mooren lebt“, weiß Bernhard Köstermenke vom Nabu Sulingen. Sie hätten sich inzwischen auch an das Leben auf landwirtschaftlichen Flächen angepasst, und weil die Vögel sehr alt würden und zu ihren gewohnten Standorten zurückkehrten, blieben sie auch, wenn die landwirtschaftliche Nutzung intensiver werde.

„Die Zahl der Brachvögel ist stark zurückgegangen“, sagt Köstermenke, denn der Brachvogel lege seine Nester in Bodenmulden an. „Die Landwirte können die Nester nicht sehen, wenn sie ihre Flächen bearbeiten, und die Jäger sagen uns, dass es mehr Raubsäuger wie Füchse und Marder als früher gibt – und die räubern die Eier.“

Ein brütender Brachvogel auf der geschützten Fläche.

Deswegen habe der Verein in diesem Jahr mit dem Nestschutz begonnen. „Wir haben die Vögel seit Jahren im Frühjahr gehört, aber wir wussten nicht, wie viele es sind.“ Daher habe man früh mit der intensiven Beobachtung begonnen und vier Brutpaare entdeckt. Von einem der Paare entdeckten die Helfer auch das Gelege, welches dann mit einem Spezialzaun für den Zeitraum der Brut umgeben wurde. Etwa vier Wochen dauere es, bis die Küken schlüpfen, weiß Köstermenke. Das stehe jetzt kurz bevor.

Um das Gelege schützen zu können, suchte Köstermenke vorab das Gespräch mit Eigentümer und Pächter der Fläche. „Das ist eine super Zusammenarbeit, sie waren äußerst entgegenkommend.“ Dabei mache es der Vogel den Naturschützern auch leicht: „Es ist die größte Schnepfenart, die es bei uns gibt, mit einem unverwechselbaren Ruf – viele Menschen verbinden damit positive Emotionen.“

Das Gelege des auf der geschützten Fläche brütenden Brachvogelpaares.

Dem stimmt Kerrin Obracay vom BUND Diepholzer Moorniederung zu: „Es ist ein toller Vogel, der in die Region gehört.“ Der BUND nehme als Gebietsbetreuer des Landes Niedersachsen den Brachvogelschutz im mittleren und östlichen Bereich der Diepholzer Moorniederung wahr, während dafür rund um den Dümmer und im Barnstorfer Moor die Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer und der Naturschutzring Dümmer zuständig seien.

Das Tier sei allerdings aktuell ein Sorgenkind, denn „es gab gravierende Bestandsverluste in den letzten 20, 25 Jahren“, sagt die Landschaftsökologin. Wegen der recht kurzen Zeit, in der die Nester lokalisiert werden könnten, sei es schwierig, die Population zu bestimmen: „In den von uns betreuten Bereichen kennen wir in den Hochmooren gut 40 Brutpaare.“

Rund 30 Brachvogel-Gelege werden aktuell geschützt

Daher habe der BUND 2011 mit dem Schutz der Gelege begonnen und das stetig ausgeweitet – aktuell würden um die 30 Gelege geschützt. Das sei trotz allem beachtlich, weil der Schutz sehr aufwendig sei: „Wir müssen die Gelege lokalisieren, den entsprechenden Landwirt ansprechen und um Erlaubnis bitten für die Einzäunung.“ Es sei eine Maßnahme, die sich auf den Großteil der Population auswirke, denn „Brachvögel sind brutorttreu und kehren an den angestammten Platz zurück, wenn auch nicht immer auf dieselbe Fläche.“ Daher spreche man auch immer wieder dieselben Landwirte an: „Das funktioniert sehr sehr gut und ist eine klasse Zusammenarbeit.“ Von einigen Eigentümern habe der BUND bereits die Erlaubnis erhalten, gleich aktiv zu werden, wenn ein Gelege lokalisiert ist, und viele Landwirte seien sehr interessiert und erkundigten sich nach der Zahl der Eier und der Entwicklung der Vögel. Denn auch das Management im Nachgang, mit der Beobachtung der Küken, gehöre zur Betreuung dazu.

Dabei sei auch das Engagement vor Ort eine große Hilfe, etwa durch den Nabu Sulingen oder die Stiftung Naturschutz und Landschaftspflege Freistatt, betont Kerrin Obracay. Der Schutz der Gelege zeige auch bereits Erfolge: „Wir stellen eine leichte Bestandserholung fest.“

Ein im Sulinger Moor brütendes Paar des Großen Brachvogels – vorne das Männchen, hinten das Weibchen.

Update vom 24. Mai:

Gute Nachrichten gibt es vom Gelege des Großen Brachvogels im Sulinger Moor: Die Küken seien geschlüpft und von den Altvögeln rasch ins Gelände geführt worden, berichtet Köstermenke. „Die Jungvögel sind leider oder glücklicherweise nicht zu sehen. Man kann aber am Verhalten der Alttiere erkennen, dass sie Junge führen.“

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