Drohnentrupp Mitte in Sulingen

Unterstützung aus der Luft für die Kreisfeuerwehr

Feuerwehrleute in Polizisten bei einem Einsatz in Brinkum.
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Zwei der Drohnentrupps leisteten Unterstützung für die Polizeikräfte bei einer Personensuche in Brinkum.

Sulingen – Manchmal verrät die Feuerwehr ihr Erscheinen nicht mit Blaulicht und Martinshorn, sondern nur durch ein leises Sirren – mehr ist nicht zu vernehmen von den Drohnen der Kreisfeuerwehr. Jüngstes Mitglied der Drohnengruppe ist der Drohnentrupp Mitte, der in Sulingen im Feuerwehrhaus stationiert ist.

Die Drohnengruppe ist noch eine recht neue Einheit der Kreisfeuerwehr: Erst im vergangenen Jahr, am 20. Februar, wurde sie offiziell im Rahmen einer Feierstunde in Schwaförden gegründet, mit Thomas Bredemeier aus Stuhr als Gruppenführer. In der Drohnentechnik habe es eine stetige Entwicklung gegeben, so Bredemeier, die Geräte seien immer kleiner und einfacher in der Handhabung geworden. Im Rahmen des Zeltlagers der Kreisjugendfeuerwehr 2019 in Barver habe Kreisbrandmeister Michael Wessels dann Gelegenheit gehabt, sich Drohnen im Flug anzusehen: „Das hat bei ihm bleibenden Eindruck hinterlassen, und er war von den Einsatzmöglichkeiten für die Feuerwehr begeistert.“ In kleiner Gruppe seien dann verschiedene Modelle gesichtet worden, und schließlich habe man sich für den Typ „Mavic 2“ des Herstellers DJI entschieden – „das ist der Marktführer.“

Mehrere Kilometer Reichweite

Drei davon samt Zubehör wurden für die Gruppe beschafft. Sie wiegen jeweils weniger als ein Kilogramm, können mit einer Akkuladung etwa eine halbe Stunde in der Luft bleiben und lassen sich sowohl mit hochauflösenden Kameras als auch mit Infrarotkameras bestücken. Ihre Reichweite beträgt horizontal und vertikal mehrere Kilometer, seit dem 1. Januar dürfen sie – außerhalb des Einzugsbereichs von Flughäfen – jedoch nur maximal 120 Meter hoch fliegen.

Drei Teams wurden für den Einsatz gebildet: Den Auftakt machte der in Diepholz an der Klinik stationierte Trupp Süd, der aus Mitgliedern der der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Diepholz und des DRK-Kreisverbandes besteht und von Axel Vetter geleitet wird. Der Trupp nutzt ein ehemaliges Notarztfahrzeug des DRK, das eigens umgerüstet wurde. Im April folgte der von Thomas Bredemeier geführte Trupp Nord, der an der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Syke-Barrien angesiedelt ist und einen Mannschaftstransportwagen der FTZ nutzt. Seit Juli ist der Trupp Mitte unter der Leitung von Marcus Martz in Sulingen bereit, der auf den Einsatzleitwagen der Ortsfeuerwehr Sulingen zurückgreifen kann. Insgesamt gehören den drei Trupps 23 Kräfte an, davon vier Kameradinnen.

Ausbildungskonzept ist in Arbeit

Das Konzept sehe vor, dass pro Einsatz drei Kräfte beteiligt sind – der Flugleiter oder Truppführer, der für die Kommunikation mit den anderen Einheiten im Einsatz zuständig ist, der Pilot, der die Drohne steuert und der Luftraumbeobachter, der den Piloten über Hindernisse in der Luft und eventuelle andere Drohnen von Schaulustigen informiert. Die drei Trupps seien so bemessen, dass alle Funktionen doppelt besetzt sind, erklärt der Gruppenführer.

Viele der Beteiligten hätten bereits privat eine Drohne und entsprechend Erfahrung, und für die Ausbildung sei Wilfried Siemers aus Schwaförden, „ein passionierter Modellflieger und Drohnenpilot“, zum Fachberater für Drohnenausbildung der Kreis- und Regieeinheiten des Katastrophenschutzes im Landkreis Diepholz ernannt worden. „Ein umfangreiches Ausbildungskonzept für die Zeit nach Corona ist in Arbeit“, und die Truppmitglieder hätten bereits ihren Kenntnisnachweis abgelegt. Dieser sei zum 1. Januar dieses Jahres mit EU-Recht harmonisiert worden, sodass die Mitglieder beim Luftfahrtbundesamt ihren Kenntnisnachweis für Fernpiloten erwerben müssten – „wir sind gerade in der Umsetzung“, sagt Bredemeier.

Infrarotkamera „sieht durch den Rauch“

Obwohl die Gruppe noch recht neu ist, haben die Trupps im vergangenen Jahr schon 25 Einsätze absolviert. „Wir sind alle sehr stolz, dass wir in kürzester Zeit mit drei Einheiten an den Start gehen und so viele Einsätze meistern konnten“, freut sich Bredemeier. Damit hätten auch viele, die anfangs skeptisch gewesen seien, überzeugt werden können. „Der Bedarf ist da, und er wurde erkannt.“

Die Einsätze seien ganz unterschiedlich gewesen. Beim großen Brand bei der Gesellschaft für Abfall und Recycling (GAR) in Bassum „gab es durch die brennenden Kunststoffballen ein immenses Aufkommen an Brandrauch.“ Und nur den habe man von der Drehleiter aus sehen können. Mit der Drohne habe man aus größerer Höhe mit der Infrarotkamera die Wärmeentwicklung beobachten können, so hätten die Kameraden gezielt die noch nicht brennenden Ballen herausnehmen und das Feuer so kontrollieren können. Generell ließen sich so Brandherde orten, beispielsweise auch beim Moorbrand im Sommer bei Barnstorf. Im Zuge der Amtshilfe für die Polizei hätten die Trupps aber auch schon bei der Personensuche unterstützt oder größere Unfallstellen zur Dokumentation aus der Luft fotografiert.

Für die Polizei fotografierte das Drohnenteam eine Unfallstelle bei Bruchhausen-Vilsen.

„Da, wo wir fliegen, dürfen Privatleute nicht fliegen.“ Darüber hinaus habe sich die Gruppe für diese Einsätze selbst eine Standardeinsatzregel gegeben. Zu dieser Regel gehöre unter anderem auch, dass keine Einsatzbilder von den Drohnen an die Presse weitergegeben werden.

In Planung seien eigene Fahrzeuge für die drei Trupps, deren Ausrüstung jeweils in einem Schrank am Standort lagert. „Die Mitglieder müssen bei einem Einsatz immer erst die Sachen in das Auto laden.“ Die Hoffnung sei, dass diese Pläne noch in diesem Jahr umgesetzt werden können. Die Trupps stünden nicht nur Feuerwehrleuten, sondern auch DRK- und THW-Kräften offen. Wer Interesse hat, sich das einmal anzusehen, könne sich bei der Kreisfeuerwehrführung melden, sobald der Dienstbetrieb wieder aufgenommen werde.

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