Unternehmerfrauen im Handwerk feiern: 25 Jahre Arbeitskreis/Podiumsgespräch und Würdigung durch Ehrengäste

Blick zurück nach vorn

+
Auf die nächsten 25 Jahre: (v.l.) Handwerkspräsident Karl-Wilhelm Steinmann, Kreishandwerksmeister Matthias Wendland, Arbeitskreis-Gründerin Renate Lütjen und Vorsitzende Mechthild Cohrs stoßen mit dem stellvertretenden Landrat Werner Schneider an.

Sulingen - Von Anke Seidel. „Schön war die Zeit...“, stellt stimmgewaltig die Chorgemeinschaft Mellinghausen fest – ein Symbol nach Noten für ganz persönliche Erfahrungen der Unternehmerfrauen im Handwerk, wie das Podiumsgespräch im Sulinger Landhaus Nordloh beweist: Schön waren die vergangenen 25 Jahre im Arbeitskreis der Unternehmerfrauen – und wichtig. Daran lässt der Blick zurück nach vorn, so der Titel dieses Gespräches zwischen sechs Frauen, keinen Zweifel.

Festlich gedeckte Tische und Fotoalben auf dem Tisch: Das Flair einer Familienfeier hat der Festakt zum Jubiläum mit rund 60 Gästen. Festredner und Frauen im Handwerk betonen immer wieder, wie wichtig Vertrauen und Erfahrungsaustausch sind – und unabdingbar, stets auf der Höhe der Zeit zu sein. Mitten unter den Gästen: Renate Lütjen, die den Arbeitskreis vor einem Vierteljahrhundert gegründet hat – und ihre spätere Nachfolgerin als Vorsitzende, Renate Sielke. „Da geh‘ man ruhig hin...“, erinnert sie im Podiumsgespräch an den Ratschlag ihres Mannes – und berichtet auf Nachfrage der Moderatorin Benita von Steinaecker lächelnd aus längst vergangenen Zeiten: „Wenn wir uns Baustellen angeschaut haben, dann war das am Sonntag ein Ausflug.“ Heute führen ihre Söhne den Malerbetrieb – mit einer anderen Definition von Freizeit: „Und das ist auch in Ordnung so!“

Die anderen Unternehmerfrauen nicken. Sie wissen, was es heißt, Familie und Betrieb gleichermaßen gerecht werden zu müssen. Bei Meike Runge fiel die Gründung des familiären Sanitärbetriebes mit der Geburt ihres Sohnes zusammen. Mit dem Baby auf dem Arm hat sie ihre Aufgaben im Büro bewältigt.

„Bei uns ist um 18 Uhr Schicht im Schacht“, verrät Birgit Wiegmann, die mit ihrem Mann einen Betrieb für Gartentechnik führt, über Grenzen zum Schutz des Familienlebens.

Dass Familie eine unverzichtbare Stütze des Betriebs ist, daran lässt Denise Bruns keinen Zweifel. Sie hat den väterlichen Betrieb für Elektrotechnik übernommen, sich freiwillig für das Handwerk entschieden.

Vorsitzende Mechthild Cohrs kann sich noch gut an Zeiten erinnern, als Frauen ohne persönliche Absicherung im Betrieb mitgearbeitet haben. Genau das wollten die Unternehmerfrauen ändern. Sie haben schon im vergangenen Jahrhundert (1997) einen Ausbildungskurs für Bürokauffrauen im Handwerk geschaffen, um die Arbeit der Frauen auf eine solide Basis zu stellen. Im Publikum lächelt Gaby Grafe zufrieden: Sie hat von diesem Kurs persönlich profitiert.

Dass wiederum das Handwerk davon profitiert, starke Frauen in den Betrieben zu haben, daran haben schon zu Beginn der Feierstunde drei Gastredner keinen Zweifel gelassen. „Die Frau ist das Herz und die Seele eines jeden Handwerksbetriebs“, sagt der stellvertretende Landrat Werner Schneider – und verrät, dass auch seine Mutter in der väterlichen Schmiede ihren Mann gestanden hat. „Frauen haben im Leistungsvergleich die Nase vorn“ betont Schneider. Er stellt fest, dass es im Handwerk mehr weibliche Führungskräfte gibt als in der Wirtschaft.

„Willst Du eine Rede hören, gehe zu einem Mann – willst Du Taten sehen, zu einer Frau“, zitiert Karl-Wilhelm Steinmann als Präsident der Handwerkskammer Hannover die ehemalige britische Premier-Ministerin Margret Thatcher. Er zollt dem großen Einsatz und Engagement der Frauen im Handwerk seine Anerkennung. Dass sie sich als Betriebs-Chefinnen in einer Männerwelt oft durchbeißen müssen, kennt Steinmann von seiner Mutter. Sie hatte nach dem frühen Tod seines Vaters plötzlich den Betrieb übernehmen müssen. Unabhängig davon berichtet Steinmann von enorm finanztüchtigen Frauen im Handwerk, deren viel beschäftigte Männer selbst mit einem „Taschengeld“ zufrieden sind.

„Frauen sind in Führungspositionen so stark wie nie zu vor“, bestätigt Matthias Wendland als Kreishandwerksmeister. Das immer wieder öffentlich zu machen, sei enorm wichtig – vor allem, um jungen Frauen Mut zu machen. Enorme Bedeutung hat für ihn das Seminar- und Bildungsangebot, mit dem sich die Unternehmerfrauen schulen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Reitturnier in Wechold bei Familie Bösche

Reitturnier in Wechold bei Familie Bösche

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Wie werde ich Verkehrsingenieur/in?

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Tageslicht und Ausblick – Welches Dachfenster sich eignet

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Chris Froome gewinnt zum vierten Mal die Tour de France

Meistgelesene Artikel

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Norwegischer Urlauber will Benzin holen und "tankt" beim Schützenfest in Stuhr

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Unwetter erreicht den Bremer Süden mit Hagel, Starkregen und Sturmböen

Fahrt in den Straßengraben endet glimpflich

Fahrt in den Straßengraben endet glimpflich

Kommentare