Stadttheater Sulingen

„Dinner für Spinner“: Tom Gerhardt brilliert in der Hauptrolle

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Tom Gerhardt (3.v.l.) brilliert in der Hauptrolle in „Dinner für Spinner“.

Sulingen - „Wenn Theater- und Filmfiguren keine Schwächen haben, sind Komödien langweilig und leer“, findet Drehbuchautor Francis Veber. Den Protagonisten seines Stücks „Dinner für Spinner“, das ein hochkarätiges Ensemble vom „Theater am Dom Köln“ am Samstag auf Einladung des Kulturvereins im Sulinger Theater zeigte, fehlte es nicht an Defiziten.

Veber, der in den 1970er Jahren bekannt wurde durch Filme wie „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“, hat eine Story gestrickt, die an Absurdität ihresgleichen sucht.

Eine Clique von Männern im „besten Alter“ lädt zu ihren wöchentlichen Treffen jeweils einen Gast ein, über den sie sich lustig machen. Eiserne Regel: „Keiner der Idioten darf merken, dass er das Objekt der Verspottungslust ist.“ Christine, Ehefrau von Verleger Peter Küsenberg, nennt dieses Abendvergnügen „ekelhaft“. Ihr Mann findet es ganz normal: „Letztendlich lacht man immer auf Kosten anderer.“

Küsenberg hat ein Opfer für das nächste Treffen aufgetan: Matthias Bommes, Kassenwart in einem Verein für Streichholzmodelle. Dieser besucht ihn kurz vor dem eigentlichen Männertreffen und dreht das Küsenbergsche Leben auf links. Bommes‘ ehrliche Gutmensch-Mentalität führt dazu, dass sowohl Frau als auch Geliebte sich von ihm, Küsenberg, trennen und ihn die Finanzbehörde als Steuerhinterzieher entlarvt. „Sie haben sich für alle Idioten gerächt, die je eingeladen waren“, heißt der Stoßseufzer von Peter Küsenberg am Ende des Stücks.

Die Story wirkte streckenweise überkonstruiert, punkte aber durch die großartigen Schauspieler. Eine Traumbesetzung war Tom Gerhardt in der Rolle von Matthias Bommes, in der er sein komödiantisches Talent voll ausleben konnte. Als konfuser Gutmensch hatte er alle Sympathien auf seiner Seite. Seine Schauspielerkollegen standen ihm in puncto Authentizität in nichts nach: Moritz Lindbergh als Verleger Peter Küsenberg, Steffen Laube als Schriftsteller Steffen Weisflog, Stefan Preiss als Finanzkontrolleur Ludwig Busch und Tina Seydel in der Doppelrolle als Christine Küsenberg und als Küsenbergs Geliebte Marlene.

Der Charme des Stücks (Regie: René Heinersdorff) lag in der Verbindung zwischen leichter Samstagabend-Unterhaltung und tiefgründiger Gesellschaftsstudie. Veber richtet den Fokus auf verkorkste Paarbeziehungen, aber auch auf die weit verbreitete Mobbing-Kultur. Er bringt die Zuschauer dazu, im Angesicht von Matthias Bommes allen Abbitte zu leisten, die je Opfer ihrer kleinen Intrigen waren.

„Ich habe noch nie so einen gemeinen Menschen kennen gelernt wie Peter Küsenberg. Aber auch noch nie so einen unglücklichen“, heißt das Fazit von Bommes, das als Moral der Geschichte nachhallt. Das Publikum belohnte die Vorstellung mit lang anhaltendem Applaus.

 mks

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