Zuschauer und Schauspieler auf der Bühne

Szenische Lesung in Sulingen: Ungewohnt nahe Perspektive für Besucher

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Die szenische Lesung bot ein intensives Erlebnis.

Sulingen – „Bitte auf die Bühne durchgehen“, forderte Ariane Hanselmann die rund 50 Zuschauer auf, die gekommen waren, um die szenische Lesung „Johanna von Orléans“ am Sonntag in Sulingen zu erleben. Sie fand im Rahmen des 14. Literaturfestes statt, in dessen Rahmen die VGH-Stiftung gut zwei Wochen lang an verschiedene Orten in Niedersachsen zu Veranstaltungen einlädt.

Stellvertretender Bürgermeister Gunter Koop begrüßte die Gäste, die in vier Reihen im hinteren Teil der Bühne Platz gefunden hatten, im Namen der Stadt, Regionaldirektor Frank Roemer im Namen der VGH-Versicherungen. „Mut“ ist das Thema des diesjährigen Literaturfestes, und für die Intendantin Susanne Mamzed, die die Lesung in Sulingen besuchte, ist Johanna von Orléans die mutige Frau schlechthin. Johanna fühle sich durch einen göttlichen Auftrag dazu berufen, ihr französisches Vaterland von den englischen Invasoren zu befreien.

Die Stadt Orléans steht vor dem Fall, König Karl der VII. ist nicht in der Lage, sein Heer zu führen und den Sold zu bezahlen. Johanna, ein Bauernmädchen, stellt sich an Spitze des französischen Heeres, und nach vielen verlorenen Schlachten siegen die Franzosen entscheidend. Sie eilen unter Johannas Führung von Sieg zu Sieg und befreien Orléans. Ist Johanna eine gottgesandte Heilige, wie König Karl glaubt, oder aber eine vom Teufel geschickte Zauberin, wie ihr eigener Vater verkündet? Johanna wird verbannt, gefangen genommen und sprengt die Ketten in ihrem Gefängnis, um das französische Heer ein letztes Mal zum Sieg zu führen.

Sie wird tödlich verwundet: Die „romantische Tragödie“, in der sich Johanna bei Schiller in den feindlichen englischen Ritter Lionel verliebt – und an dem Zwiespalt zwischen irdischer Liebe und der Liebe zu Gott zerbricht, nimmt damit ein anderes Ende als die Johanna in der Geschichtsschreibung, die ja bekanntlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird.

Dramaturgin Barbara Kantel hat das Drama in einer auf 90 Minuten gekürzten Fassung auf die Sulinger Bühne gebracht, exklusiv für Sulingen, denn diese Fassung wurde nur hier gespielt. Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler lasen Szenen mit verteilten Rollen aus dem Werk, das Prolog und fünf Aufzüge umfasst. Schauspielerin Michelle Barthel las die Titelheldin Johanna, in den weiteren Rollen waren Andrea Casabianchi, Henning Nöhren, Rainer Frank, Jonas Steglich und Silvester von Hößlin zu hören: Lesung und Schauspiel waren sehr eindringlich – Johannas überirdischer Mut und menschlicher Zweifel wurde spürbar. Das Publikum, dass die Lesung aus einer ganz ungewohnten Perspektive und viel näher erlebte, spendete langen Schlussbeifall und rief die Schauspieler mehrfach zurück auf die Bühne.  gk

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