Schließung der Geschäftsstelle Sulingen Mitte Juli

DAK tritt Rückzug an

Wiebke Wall macht das Licht aus: Die DAK-Gesundheit verlässt Mitte Juli den Standort Sulingen. Die Versicherten werden vom Servicezentrum Syke aus betreut. - Foto: Schlotmann

Sulingen - Von Carsten Schlotmann. 2013 feierte die DAK 50-jährige Präsenz am Wirtschaftsstandort Sulingen; wenn seit 2009 auch nur noch in der Form einer Ein-Personen-Servicestelle. Die Dependance des „Unternehmens Leben“ im Mittelzentrum ereilt jetzt dasselbe Schicksal wie vor Jahren schon die Geschäftsstellen Bassum, Twistringen – und im Oktober 2015 Diepholz: Wenn Kundenberaterin Wiebke Wall am Donnerstag, 14. Juli, nach Ende der Donnerstags-Sprechzeiten die Eingangstür verriegelt, wird sie sie nicht wieder öffnen. Die DAK schließt die Servicestelle zum Stichtag 15. Juli – für immer.

Wall beschönigt nichts, bestätigt die Planungen des Krankenversicherungsträgers mit Sitz in Hamburg, der heute unter DAK-Gesundheit firmiert und Anfang 2016 als drittgrößte deutsche Krankenkasse knapp fünf Millionen Versicherte zählte. Vom Standort Sulingen aus seien zuletzt 3 500 Versicherte betreut worden, die die Kundenberaterin jetzt in die Obhut des Servicezentrums in Syke übergibt. Auch sie selbst wird nach Syke wechseln und dort ihren Schreibtisch einräumen. Der 48-Jährigen fällt es schwer, über die anstehende Schließung zu sprechen – und ihre Tränen zurückzuhalten. „Sicherlich kennt man nicht jeden Versicherten, aber doch schon viele, die man über die Jahre begleitet und deren Familiengeschichten man miterlebt hat.“

Seit 1984 ist Wiebke Wall für die DAK tätig, seit September 1995 in Sulingen. „Damit, dass ich jetzt jeden Tag nach Syke pendeln muss, kann ich gut leben“, sagt die Wahl-Sulingerin mit Wurzeln in Hamburg. „Mir tut es leid um die vielen persönlichen Kontakte, ja um die Beziehungen, die sich im Lauf der Jahre entwickelt haben.“ Sie sei zwar nicht aus der Welt, „aber am Telefon miteinander zu sprechen ist doch etwas anderes, als ob man sich persönlich gegenübersitzt“.

Sönke Krohn, Pressesprecher Nord der DAK in Hamburg: „Die DAK-Gesundheit macht es sich nicht einfach, Standorte der Kundenberatung zu schließen. Allerdings haben wir festgestellt, dass die Inanspruchnahme der Kundenberatung vor Ort grundsätzlich rückläufig ist. Dies gilt ganz besonders für die sehr kleinen Standorte, die nur mit sehr wenigen Mitarbeitern besetzt sind. Deshalb werden die Standorte regelmäßig auf ihre Wirtschaftlichkeit hin überprüft.“

Wie an anderen Standorten und in anderen Unternehmen mit Kundenverkehr sei der direkte Kontakt zu den Beratern deutlich zurückgegangen. „Immer mehr unserer Versicherten greifen lieber zum Telefonhörer, schreiben eine Mail oder nutzen unseren Online-Chat.“ Grundsätzlich sei auch die DAK-Gesundheit an Standorten wie Sulingen abhängig von der Nachfrage der Kunden. „Seit längerer Zeit kommen immer weniger Kunden zu den Sprechzeiten, sodass ein Weiterbetrieb nicht wirtschaftlich wäre. Größere Einheiten wie in Syke können auch umfassender beraten als kleinere.“ Mit der Überführung des Standortes Sulingen von einer Bezirksgeschäftsstelle mit bis 2009 noch fünf Mitarbeitern in eine Ein-Personen-Servicestelle hatte die Ersatzkasse die Öffnungszeiten erheblich reduziert.

Aktuell ist das Büro an der Langen Straße freitags und auch mittwochs, trotz der Frequenz des Wochenmarktes, geschlossen. Eröffnet worden war die DAK-Geschäftsstelle Sulingen am 4. Juni 1963. Erster Geschäftsstellenleiter war der Sulinger Manfred Wegwerth, der zunächst 508 Stammversicherte betreute.

Die Geschäftsstelle entwickelte sich. 2013 zählte Wiebke Wall noch 4.000 Versicherte, überwiegend aus den Kommunen des Sulinger Landes. Heinrich Klinker, vor drei Jahren verantwortlich für alle Servicestellen der DAK im Landkreis Diepholz, anlässlich der 50-jährigen Präsenz am Standort Sulingen: „Für den Standort der Stadt Sulingen ist auffällig, dass überdurchschnittlich viele Versicherte den direkten Kontakt zu den Mitarbeitern suchen.“

Eine Botschaft, die bis heute in der Unternehmenszentrale in Hamburg nicht angekommen zu sein scheint. 

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Carsten Schlotmann.

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