Auswirkungen der Corona-Pandemie

Tierschutz im Krisenmodus: Tierheim Lindern hofft auf Unterstützung

Auch mit Latexhandschuhen sind Streicheleinheiten von Azubi Nico Saalfeld willkommen, an den Anblick der Schutzmasken haben sich die Tiere gewöhnt. Foto: Tierheim Lindern
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Auch mit Latexhandschuhen sind Streicheleinheiten von Azubi Nico Saalfeld willkommen, an den Anblick der Schutzmasken haben sich die Tiere gewöhnt.

Sulingen – Menschen, die sich mit Handschuhen und Mundschutz um ihre Schützlinge kümmern – in der Corona-Krise ist das ein allgegenwärtiges Bild aus den Nachrichten. Zu finden ist es jedoch nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch im Tierheim Lindern, das vom Tierschutzverein Sulingen und Umgebung betrieben wird.

Gleich eine ganze Reihe von Maßnahmen wurde getroffen, um die Gefahr einer Ansteckung zu verringern, sagt Marita Görges, die Vorsitzende des Tierschutzvereins. Man habe zwei Teams gebildet: Derzeit erledigt sie zusammen mit den drei Tierpfleger-Auszubildenden der Einrichtung alle anfallenden Arbeiten. Sollte es in diesem Kreis eine Corona-Infektion geben, stehen fünf Ehrenamtliche bereit, die den Betrieb im Tierheim komplett übernehmen würden. Für den Notfall habe man auch Reisebetten und genügend Lebensmittel eingelagert, damit zwei Personen im Tierheim die Quarantäne halten können.

Gearbeitet werde ausschließlich mit Handschuhen und Schutz vor Mund und Nase: „Sonja Piephans, ein Mitglied des Tierschutzvereins, hat uns die Masken genäht.“ Die Besonderheit dabei sei ein spezieller Einsatz gegen Gerüche. Eine Umstellung nicht nur für die Helfer: „Die ersten Tage gab es ein bisschen Unruhe, und Tiere, die sonst auf einen zugelaufen kommen, sind lieber erst einmal weggelaufen“, berichtet Marita Görges. Es hätten sich aber schnell alle daran gewöhnt.

Im Alltag achte man darauf, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Im Aufenthaltsraum dürften sich daher nur zwei Personen gleichzeitig aufhalten, und im Hunde- und im Katzenhaus werde nur alleine gearbeitet, ebenso wie nur eine Person mit Tieren zum Tierarzt fahre. Unter den Mitgliedern habe man eine ausgebildete Krankenschwester, die einige Tipps zur Hygiene gegeben habe, und auch vom Deutschen Tierschutzbund gebe es regelmäßig Hinweise, so Görges. „Die Stimmung ist noch gut, aber es ist ein bisschen beklemmend.“

Tierheim freut sich über Spenden von Handtüchern oder Decken

Reduziert ist auch der Kontakt zur Außenwelt: Besuch empfange man nur nach Voranmeldung und in dringenden Angelegenheiten, etwa zur Vermittlung von Tieren. Ausgesetzt seien auch die Spaziergänge Ehrenamtlicher mit den Tieren – bis auf eine einzige Ausnahme, aber auch da achte man auf die Sicherheit.

Die Besorgungen schränke man auf das Nötige ein. Einen größeren Bestand an Desinfektionsmitteln habe man glücklicherweise noch auf Lager gehabt, ein Mitglied habe Handschuhe und Überschuhe gespendet und auch Tierfutter habe man. „Die Futterbox im E-Center war gut gefüllt, darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagt die Tierheimleiterin. Was aber dringend benötigt werde, sei Wäsche wie Handtücher oder Decken zur Versorgung der Tiere. Wer etwas spenden wolle, könne die Sachen gerne einfach vor das Tor stellen.

Normal weiter gehe es mit den Tieraufnahmen. So habe man gerade erst wieder einen Fundhund von der Polizei erhalten und einen anderen Hund aufgenommen, weil dessen Halter verstorben ist. Aktuell leben rund 25 Hunde und 40 Katzen im Tierheim. „Wir haben noch Luft, auch, weil manche Mitglieder Tiere privat bei sich aufnehmen.“

Wege Corona: Verein muss finanzielle Reserven angreifen

Allerdings gebe es derzeit kaum Vermittlungen. Das schränkt nicht nur den Platz in der Einrichtung ein: „Wir haben keine Einnahmen, aber die Kosten für Futter, Strom oder den Tierarzt laufen weiter.“ Auf mehrere tausend Euro belaufe sich der monatliche Bedarf – „wir müssen jetzt an unsere Reserven, allzu lange darf es nicht mehr dauern.“ Auch der traditionelle „Tag der offenen Tür“ an Pfingsten falle in diesem Jahr aus – zum ersten Mal nach 32 Jahren. „Das trifft uns hart und ist ein herber Verlust.“ Zum einen habe man mit den Einnahmen der Veranstaltung einen großen Teil des Budgets gedeckt, erläutert Marita Görges, zum anderen sei der Tag auch wichtig gewesen für die Vermittlung von Tieren. Ob der Sponsorenlauf im August stattfinden kann, sei noch nicht geklärt, man hoffe auf die Präsentation beim Kirchdorfer Herbstmarkt im November. „Wir müssen das Beste daraus machen und sehen, dass wir gut über diese Zeit kommen. Aber ich bin ganz zuversichtlich.“

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