„THW darf auch Spaß machen“

Seit 20 Jahren führt Volker Schweers den Sulinger Ortsverband

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Führt seit 20 Jahren den Ortsverband Sulingen des Technischen Hilfswerks: Volker Schweers. 

Sulingen - Seit 1988 ist Volker Schweers Mitglied im Technischen Hilfswerk, seit 20 Jahren führt der 48-Jährige als Ortsbeauftragter den THW-Ortsverband Sulingen. Jetzt kündigt Landesbeauftragte Sabine Lackner die erneute Berufung des verheirateten Vaters eines Sohnes an, auf Vorschlag des Ortsverbandes und für weitere fünf Jahre. Volker Schweers ist Fachberater im Stab des Hauptverwaltungsbeamten des Landkreises und seit zehn Jahren Gastdozent an der Bundesschule des THW. Im Interview spricht er mit Carsten Schlotmann über Motivation, blickt zurück und nach vorne.

Herr Schweers, 1988 sind sie dem THW beigetreten, seit 20 Jahren sind sie Ortsbeauftragter. Wie ist es 1988 zu ihrem Engagement gekommen? Was motiviert sie auch heute noch, Verantwortung zu übernehmen?

Volker Schweers: Ich bin ursprünglich als Ersatzdienstleistender zum Technischen Hilfswerk gekommen. Ich war damals 18 Jahre alt und das Kreiswehrersatzamt hatte mich noch nicht gemustert. Ich hatte noch nicht mal einen Termin. Da es zu der Zeit schwer war, ohne den Wehrdienst hinter sich gebracht zu haben, eine Arbeitsstelle zu bekommen, habe ich mich nach einer Alternative umgesehen. Das Amt des Ortsbeauftragten ermöglicht es mir, die Arbeit des THW und damit auch des Katastrophenschutzes aktiv mitzugestalten. Die Möglichkeit, Vereinsleben mit etwas Nützlichem zu verbinden, hat für mich nach wie vor besonderen Charme.

Wie hat sich der Ortsverband in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?

Volker Schweers: 1988 gab es beim THW noch Bergungszüge und Instandsetzungszüge. Diese waren mit einer Stärke von 50 Mann und einer Rüstzeit von zehn Stunden nur für den Verteidigungsfall konzipiert. Die Ausrüstung war zusammengestellt aus den Erfahrungen von Bergungseinsätzen nach Luftangriffen im II. Weltkrieg. Auf unseren Fahrzeugen befanden sich Bergungsrucksäcke mit einem Fünf-Tonnen-Wagenheber, einem Kistenbeitel, einem Bergungsbeil, einem Bergungstuch und einer Leine. Damit wurden die Einsatzkräfte eines Bergungszuges, so wie er auch in Sulingen stationiert war, in den Einsatz geschickt. Heute hat jedes unserer Fahrzeuge eine eigene Spezialaufgabe. Die Ausstattung für die Einsatzkräfte ist so vielfältig geworden, dass man für fast jedes Gerät einen Spezialisten benötigt. Allerdings kann man dadurch auch viel effektiver helfen. Heutzutage ist Manpower da gefragt, wo Geräte wegen ihrer Größe per Hand zum Einsatzort transportiert werden müssen. Die Katastrophe finden nicht bei Sonnenschein auf der grünen Wiese statt. Seit 1995 wurde das THW-Neukonzept umgesetzt und damit ein Technischer Zug mit einer Fachgruppe Ortung mit Rettungshunden in Sulingen stationiert. Das machte es auch notwendig, dass der Ortsverband seit 2002 in die neue Liegenschaft in der Diepholzer Straße umgezogen ist. Das Technische Hilfswerk ist heute wesentliche flexibler aufgestellt, als noch bei meinen Dienstantritt.

Was unterscheidet die Arbeit des THW von der der Feuerwehren?

Volker Schweers: Die Kollegen der Feuerwehren sind die Einsatzkräfte der ersten Stunde und haben meinen größten Respekt. Sie sind diejenigen, die als erste gerufen werden. Ob schwerer Verkehrsunfall oder der Fehlalarm der Brandmeldeanlage. Ich sehe das THW in der örtlichen Gefahrenabwehr als die Unterstützung der Feuerwehr. Sei es mit Spezialgeräten, Fahrzeugen oder als Unterstützung mit Personal. Und wenn wir die beiden Hilfsorganisationen mal mit einem gewissen Abstand betrachten, ist der größte Unterschied die Farbe der Fahrzeuge. Das THW ist mit seinen Strukturen für den bundesweiten Einsatz aufgestellt; die Kameraden der Feuerwehr für den Einsatz vor Ort. Wer heutzutage noch Zeit und Energie darauf verschwendet, die beiden Organisationen gegeneinander auszuspielen, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Der Katastrophenschutz, so wie er in Deutschland aufgestellt ist, gilt in vielen Länder als Vorbild.

Rückblick auf zwei Jahrzehnte Tätigkeit als Ortsbeauftragter. Was waren für sie persönlich die wichtigsten Meilensteine?

Volker Schweers: Die Umstellung des Ortsverbandes auf das Neukonzept und die tagelangen Hochwasser- und Flüchtlingseinsätze.

Die demografische Entwicklung macht auch vor den Hilfsdiensten nicht halt. Ist die Zukunft des Ortsverbandes gesichert?

Volker Schweers: Das THW hat schon vor einigen Jahren erkannt, dass es ein Fehler ist, Berufserfahrung und jahrelang aufgebautes Fachwissen mit einem Höchstalter aus dem THW zu entfernen. Da Spezialisten wie etwa Atemschutzgeräteträger und Fahrer sowieso regelmäßig auf Tauglichkeit untersucht werden, hat das THW das Höchstalter abgeschafft. Wir sind auch in der glücklichen Lage, dass wir regelmäßig Mitglieder aus der THW-Jugend in den aktiven Dienst übernehmen können und unser Frauenanteil liegt weit über dem Bundesdurchschnitt. Ob die Zukunft gesichert ist, kann ich nicht sagen, aber die Voraussetzungen sind sehr gut.

Welche Auswirkungen hatte die Abschaffung der Wehrpflicht 2011 auf den Ortsverband?

Volker Schweers: Keine. Zum Zeitpunkt der Abschaffung hatten wir nur sechs Wehrpflichtige und von denen ist nur einer gegangen. Ich denke, hier hat es sich ausgezahlt, dass wir im Ortsverband auch ein Vereinsleben haben und wir schon immer der Meinung waren, dass THW auch Spaß machen darf.

Wo sehen sie für sich und den Ortsverband die größten Herausforderungen der Zukunft?

Volker Schweers: Ab 2018 wird das THW mit dem THW-Rahmenkonzept auf den „Schutz kritische Infrastruktur“ umgestellt. Damit ist Bergung immer noch ein großes Thema im THW, aber man setzt Schwerpunkte, um das Leben nach dem Einsatzfall weiter möglich zu machen.

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