1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Sulingen

THW bildet in Sulingen Rettungshunde aus

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Marten Vorwerk

Kommentare

Labrador Duke bekommt als Belohnung der erfolgreichen Suche direkt aus dem Versteck eine Belohnung – ein Spielzeug.
Labrador Duke bekommt als Belohnung der erfolgreichen Suche direkt aus dem Versteck eine Belohnung – ein Spielzeug. © Marten vorwerk

Elf Trainer bilden beim THW in Sulingen ihre Vierbeiner zu Rettungshunden aus. Zwei- bis dreimal pro Woche müssen sie trainieren.

Landkreis Diepholz – Dakota, ein Hund der Rasse Australian Shepherd, geht auf die Suche. Auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks (THW) in Sulingen hat sich in selbst angelegten Trümmern bei einer Trainingseinheit ein Hundehalter versteckt. Allein durch den Geruch der Person soll der Rettungshund den Menschen finden. Als Dakota ahnt, ihn unter den Trümmern zu riechen, bellt er kurz auf. Es vergehen einige Sekunden, dann bellt er noch mal. „Ganz sicher ist er sich noch nicht“, sagt Rainer Meyer, Gruppenführer der biologischen Ortung beim THW. „Erst, wenn er mehrmals hintereinander bellt, weiß er genau, dass sich dort ein Mensch befindet“, ergänzt er.

Im Einsatz muss der Hund genau dort stehen bleiben, wo er jemanden gefunden hat

Nur einige Sekunden später zweifelt Dakota nicht mehr und bellt wiederholt. Als Belohnung für die erfolgreiche Suche bekommt er sofort ein Spielzeug. „Das ist ganz wichtig, dass sie hier beim Training eine Belohnung bekommen. Hunde suchen nicht einfach so. Sie machen es für ein Leckerli oder ein Spielzeug“, erklärt Meyer, der darauf hinweist, dass Dakota noch etwas die Erfahrung fehlt.

Kurz danach hat der such-erfahrene Labrador Duke die gleiche Aufgabe. Und er ist schnell, rennt auf die Trümmer zu und ist sich sofort sicher. Er bellt Steinreste an, zwischen denen einer der Rettungshundeführer versteckt ist – sofort gibt’s die Belohnung.

Meyer sagt: „Wichtig ist, dass die Hunde an dem Ort stehen bleiben, wo sie jemanden gefunden haben. Es bringt uns in einem Einsatz nichts, wenn sie kurz bellen und dann wieder vom Ort verschwinden. Bis wir bei ihnen sind, sollen sie bellen und stehen bleiben.“

Das Trümmerfeld für die Rettungshundeausbildung auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks in Sulingen.
Das Trümmerfeld für die Rettungshundeausbildung auf dem Gelände des Technischen Hilfswerks in Sulingen. © Vorwerk, Marten

Zwei- bis dreimal pro Woche trainieren die elf Rettungshundeführer des THW mit ihren 15 Hunden auf verschiedenem Gelände die Suche nach Menschen. Drei unterschiedliche Arten werden ausgebildet: Trümmerhunde, Flächenhunde und Personensuchhunde. „Die Trümmerhunde suchen in Trümmern und erkennen den Ort, wo der stärkste Geruch entsteht“, erklärt Meyer. „Flächenhunde sind zum Beispiel im Wald unterwegs und riechen dort den stärksten Menschengeruch.“

Die erste Rettungshundeprüfung muss ein Tier mit spätestens sechs Jahren absolviert haben

Personensuchhunde beschränken sich auf den Individualgeruch. „Wenn beispielsweise eine Person weggelaufen ist, riechen Hunde an alter Kleidung der Person und gehen auf die Suche“, erzählt Gruppenführer Meyer.

Möglichst im frühen Alter müsse mit der Ausbildung zum Rettungshund begonnen werden. Bis zum sechsten Lebensjahr muss ein Hund die erste Prüfung zum Rettungshund bestanden haben. „Theoretisch eignen sich alle Rassen für eine Ausbildung. Die Tiere dürfen natürlich nicht zu klein oder zu groß sein. Übergewicht ist auch nicht gut. Das wichtigste ist, dass sie Spaß daran haben“, erklärt Meyer.

Bei der Ausbildung werden die Hunde zuerst spielerisch herangeführt, um zu erkennen, ob sie als Rettungshund geeignet sind. „Da untersuchen wir, ob der Hund gerne draußen unterwegs ist und ob er Lust auf Action hat. Er sollte keine Angst haben“, sagt Meyer. Danach wird das Tier immer mehr an die Suche gewöhnt, bis es mit seinem Frauchen oder Herrchen die Prüfung bestehen muss.

Dakota findet Ivonne Arndt im Hochversteck.
Dakota findet Ivonne Arndt im Hochversteck. © Vorwerk, Marten

Diese sieht für die drei unterschiedlichen Arten der Ausbildung jeweils anders aus. Trümmerhunde müssen unter anderem innerhalb von 20 Minuten drei Personen in drei Verstecken finden. Flächensuchhunde sind im Wald auf einer Fläche von 30 000 Quadratmetern unterwegs und haben 20 Minuten Zeit, zwei Personen zu finden. Personensuchhunde sollen zum Beispiel auf einer bestimmten Fläche eine Person nach deren Geruchspartikel aufspüren.

Grundausbildung beim THW vor der Rettungshundeausbildung notwendig

Bevor ein Hundebesitzer seinen Hund zum Rettungshund ausbilden will, muss er eine Grundausbildung beim THW absolvieren. Dabei werden zum Beispiel Grundlagen der Arbeitssicherheit getestet. Dazu gehören Arbeiten mit Leinen, Spanngurten und Drahtseilen. Ausgebildet wird auch der Umgang mit Leitern oder das Ausleuchten von Einsatzstellen. Auch Erste Hilfe spielt eine Rolle.

Viel Zeit beansprucht die Arbeit also für die Hunde und ihre Hundeführer. „Das wissen einige Menschen nicht. Sie denken, das ist in wenigen Stunden im Monat getan. Wir hatten auch schon Leute hier, die sich gewundert haben, dass wir bei Regen ins Training gehen“, sagt Meyer schmunzelnd. Im Einsatz könne sich das Wetter auch nicht ausgesucht werden, ergänzt er.

Zu ungefähr 10 bis 20 Einsätzen wird das THW mit seinen Hunden pro Jahr gerufen. Die Einsätze leitet die Polizei. „Immer mal wieder laufen Menschen aus Altersheimen weg. Da helfen wir. Die Trümmersuche kommt selten vor. Bei den Überflutungen im Ahrtal waren wir zum Beispiel mit dabei“, berichtet Meyer.

GPS-Halsband zeigt Suchgruppen schnell an, wo sie nicht suchen müssen

Große Such-Erfolge wurden allein durch Hundenasen bisher selten gefeiert. Die Rettungshunde sind vor allem dafür wichtig, Gebiete abzusuchen, die die Menschen danach nicht mehr durchforsten müssen. „Hunde haben bei den Einsätzen ein GPS-Band um. Da können wir sehen, welche Bereiche schon durchsucht wurden“, erklärt Meyer. Einmal hat einer der Suchhunde einen toten Menschen gefunden, dieser hatte Suizid begangen.

Einen ganz besonderen Wunsch beschreibt Rettungshundeführerin und Ausbilderin Tanja Kunkel. Sie sagt: „Wenn einer unserer Hunde einen lebenden Menschen in Trümmern findet, den wir retten können – das wäre mal ein Highlight. Auch wenn ich mir natürlich nicht wünsche, dass Personen in Trümmern eingesperrt sind.“

Trainer gesucht

Das THW freut sich über weitere Mitglieder, die ihren Hund zum Rettungshund ausbilden wollen. Weitere Informationen auf der Internetseite www.thw-sulingen.de.

Auch interessant

Kommentare