„Richtige ,Szene‘ gibt es nicht“

Drogenkonsum in Sulingen: Gissing nennt polizeiliche Erkenntnisse

Spritzen und andere Utensilien des Drogenkonsums fanden die Helfer auf dem ehemaligen Schrebergartengelände in Sulingen.
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Spritzen und andere Utensilien des Drogenkonsums fanden die Helfer auf dem ehemaligen Schrebergartengelände in Sulingen.

Sulingen – Der Artikel über die Aufräumaktion auf einem ehemaligen Schrebergartengelände an der Straße „Im Fladder“ in Sulingen (Ausgabe 25. Mai) stieß bei Lesern auf großes Interesse, da auch diverse Spritzen, mutmaßlich von Drogensüchtigen hinterlassen, gefunden wurden: In Facebook-Kommentaren berichteten sie, dass auch andernorts im Mittelzentrum immer wieder Spritzen zu finden seien. Welche Erkenntnisse hat dazu die Polizei? Nachgefragt bei Thomas Gissing, Pressesprecher der der Polizeiinspektion Diepholz.

„Es gibt in Sulingen natürlich Plätze, die immer wieder zu ,Hotspots‘ werden“, stellt Gissing fest, allerdings unterliege das einem stetigen Wechsel. Rund um das Berufsbildungszentrum sei „immer etwas los“. Wenn die Polizei an einer Stelle kontrolliere, wichen die Konsumenten auf eine andere aus: „Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel.“ Ständig im Fokus stünden auch Spielplätze, nicht nur in Sulingen, denn abends, wenn die Kinder weg sind, hielten sich da gerne Jugendliche auf. Daher würden die Plätze immer in die Streifenfahrten mit aufgenommen. An manchen Stellen seien die Betreffenden auch schwer zu fassen: „Wenn unsere Kollegen im Dienst sind, tragen sie Uniform, und das ,verschreckt‘ die Leute.“ Ermittlungen in Zivil gebe es zwar auch, aber das nur „nadelstichartig“.

„Eine richtige Szene gibt es nicht“, schränkt Gissing ein, „das ist etwa eine Handvoll Leute, die sich auf Sulingen verteilt.“ Diese Personen würden sich dann immer wieder an anderen Orten in der Stadt treffen. Für eine Drogenszene, wie etwa rund um den Bremer Hauptbahnhof, fehle es den Konsumenten an wichtigen Voraussetzungen: „Sie bekommen auf dem ,platten Land‘ oft nicht das, was sie brauchen.“ Das gebe es meist nur in den Großstädten, und weil die drogenabhängigen Menschen oft keinen Führerschein mehr hätten und deswegen nicht mobil seien, sei es für sie einfacher, gleich in entsprechende Städte zu ziehen.

Vermehrt Verkehrsteilnehmer unter Betäubungsmitteleinfluss

Trotzdem sei der Drogenkonsum immer ein Thema für die Polizeiarbeit, betont Gissing. Im Straßenverkehr etwa nähmen Fahrten unter Alkoholeinfluss gefühlt etwas ab – aber dafür seien vermehrt Menschen unter Einfluss von Betäubungsmitteln auffällig. „Das geschieht oft aus Unkenntnis darüber, wie lange das nachwirkt: Sie haben am Wochenende etwas genommen, und wenn sie dann am Mittwoch kontrolliert werden, sind sie überrascht, dass wir das noch nachweisen können.“

Auch mit Beschaffungskriminalität habe man es zu tun, aber nicht speziell in Sulingen: „Das hängt davon ab, wo Konsumenten gerade sind und wie nötig sie es haben.“ Wer von den härteren Drogen wie Heroin abhängig sei, könne das in der Regel auch nur über „krumme Geschäfte“ finanzieren.

Welche Drogen vor Ort die Hauptrolle spielen, lasse sich schwer sagen, räumt der Experte ein, das gehe von Ecstasy-Pillen über Cannabisprodukte bis hin zu Heroin. „Je jünger die Konsumenten sind, desto mehr greifen sie zum Joint, nach unseren Beobachtungen; die Spritze nutzt eher die Klientel, die schon stärker in der Sucht ist.“

Falls an öffentlichen Plätzen jemand Spritzen findet, rät Thomas Gissing dazu, sie liegen zu lassen und lieber gleich die Polizei zu verständigen. Die Kollegen würden dann entscheiden, wie die Funde entsorgt werden, damit sich keine Kinder daran verletzen können. Ganz verhindern lasse sich der Konsum nicht.

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