Pest grassiert in Nechtelsen

Team des Sulingen Projektes dreht Szenen zum Schwarzen Tod

Die handzahmen Ratten avancierten auch zu beliebten Fotomotiven.
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Die handzahmen Ratten avancierten auch zu beliebten Fotomotiven.

Sulingen – Kerstin Melloh-Kordes und Werner Focke, neben Frank Wenker, Christine Nordenholz und Filmemacher Martin Hermann Gesellschafter der Sulingen-Projekt GbR, zeigen sich am Samstag bestens gelaunt: „Wir drehen wieder. Und es läuft gut.“ Das Team des Sulingen Projekts hat sich auf die Fahnen geschrieben, die rund 1 000-jährige Geschichte der Sulestadt in Form von Spielszenen, Zeitzeugen-Interviews, historischen Fotos und Filmen, Luftaufnahmen und 3D-Animationen filmisch zu dokumentieren. Thema des Drehtags am Samstag: der „Schwarze Tod“, dem zwischen 1346 und 1353 ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer gefallen ist.

„In Sulingen haben nur 27 Familien überlebt“, weiß Kerstin Melloh-Kordes. Dass es sich bei der Pest um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, die vor allem durch Rattenflohbisse übertragen wurde, hätten Wissenschaftler erst 1894 enträtselt.

„Elend, Blutspucken und Rattengelaufe“, skizziert Focke das Geschehen am Backhaus des ehemaligen Anwesens von Marlene Borchert. Die Location in Nechtelsen habe man schon seit vielen Jahren im Blick – glücklicherweise habe der neue Besitzer, Ralf Hilbers, der den Hof vor zwei Wochen bezogen hat, sofort zugestimmt.

„Man kann sich da richtig reinsteigern“, hat Ulrike Melloh festgestellt, die hier überzeugend leidet.

Die zwölfköpfige Crew hat Kostüme zurechtgelegt und das Backhaus entsprechend hergerichtet. „Wir haben mittlerweile einen großen Fundus an Requisiten, wir können aus dem Vollem schöpfen“, sagt Kerstin Melloh-Kordes. Der Drehtag sei überhaupt „entspannt“, die Crew eingespielt und motiviert. Jeder habe seinen persönlichen Aufgabenbereich gefunden, dem er sich mit Hingabe widme. Auch Kommissar Zufall spielt mit: Der Leichenkarren fand sich in einem Vorgarten in Herelse – mit Blumen bepflanzt, als Dekoration.

Susanne König hat die sieben Komparsen – Kranke, Leichenträger, Pastor – geschminkt: Die bedauernswerten Gestalten sind an der Pest erkrankt, der Blick auf die weißen Gesichter, schwarzen Augenhöhlen und entzündeten Schwellungen lässt Zaungästen den Atem stocken. Auch Ratten dürfen in dem Szenario nicht fehlen. Die Züchterin Alicia Warnken ist mit Wanja, Marax, Meyra, Ileya und Fabius aus Bremen angereist. Ihre handzahmen Nager waren auch schon für den „Tatort“ angefragt, sagt sie, eine Außenszene habe sie ihnen aber nicht zumuten wollen. Als Statisten des Filmdrehs am Samstag fühlt sich ihre „Rattenbande“ offenbar pudelwohl. Und avanciert zum beliebten Fotomotiv.

Aufnahmebereit: Frank Wenker, Martin Hermann und Fred Arndt (von links) vom Sulingen Projekt.

Ursprünglich sollte das Sulingen Projekt 2020 abgeschlossen sein, Verzögerungen ergaben sich durch den Aufwand und den hohen Anspruch der Filmemacher. „Außerdem hat uns in den letzten anderthalb Jahren die ‚moderne Pest‘ ausgebremst“, erklärt Werner Focke. In den nächsten Monaten stehen weitere vier große Drehtage auf dem Programm. Am 2. Oktober rückt die „Franzosenzeit“ in den Fokus. Focke: „Reenactmentgruppen aus dem ganzen Bundesgebiet werden zur Unterstützung dabei sein, nach wie vor suchen wir aber Komparsen und Statisten.“

Der Leichenkarren – alltags Blumenbeet.

Unzählige Ehrenamtliche aus Sulingen und Umgebung haben bereits mitgewirkt. Ihnen wird ein unvergesslicher Tag am Set geboten. Und ein gutes Catering. Dieses ist am Samstag, ebenso wie die gesamte Organisation, abgestimmt auf die Corona-Infektionsschutzverordnung. „Wir wollen nichts riskieren“, heißt es aus dem Team.

Während der Corona-Pause wurde im Hintergrund gearbeitet. Kerstin Melloh-Kordes: „Wir sind gut vorangekommen. Wenn alles so läuft, wie geplant, sind wir nächstes Jahr auf der Zielgeraden.“ Das Team konnte Gerhard Snitjer, Journalist und freiberuflicher Mitarbeiter des NDR, als Sprecher, Moderator und Lektor für das Gesamtprojekt gewinnen. Sein Part ist abgeschlossen, auch die Moderation der Pest-Szene ist bereits abgedreht.

Die Crew liefert am Sonnabend die passenden bewegten Bilder. So authentisch, dass sich die Darsteller am Ende „ziemlich krank“ fühlten. Ulrike Melloh: „Man kann sich da richtig reinsteigern!“

„Halbtot“ im Backhaus, das eine sehr gute mittelalterliche Kulisse bot.

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