Tanja Teschendorf erste Nicht-ärztliche Praxisassistentin in der Region

Entlastung für den Arzt

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Tanja Teschendorf, die erste Nicht-ärztliche Praxisassistentin in der Region.

Sulingen - Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen: Der Ärztemangel in der Region macht auch vor den Strukturen in den Arztpraxen nicht Halt. Tanja Teschendorf, Mitarbeiterin der Praxis Polzien in Sulingen, ließ sich jetzt zur so genannten Nicht-ärztlichen Praxisassistentin ausbilden. Die Nicht-ärztliche Praxisassistentin (NäPa) entlastet den Hausarzt. Sie absolviert nach Delegation des Arztes selbständig Hausbesuche, bei denen der direkte Arztkontakt nicht medizinisch erforderlich ist.

Tanja Teschendorf ist vom Fach. Sie arbeitet seit 26 Jahren als Arzthelferin; zunächst in der Klinik Sulingen, seit 23 Jahren jetzt in der Praxis Polzien. „Heute spricht man von Medizinischen Fachangestellten“, sagt die 43-Jährige. Sie lacht, holt Luft, wird ernst: In den 26 Jahren habe sie eine Menge gesehen; dabei auch, wie sich die Rahmenbedingungen für die niedergelassenen Ärzte und deren Mitarbeiter stetig geändert haben. „Nicht nur Folgen des Äztemangels“, sagt sie. „Sicher, die EDV macht heute vieles leichter; aber dafür gibt es immer mehr bürokratische Hürden, die den Arbeitsalltag bestimmen.“ Tanja Teschendorf spricht von Dokumentationen, immer umfangreicher werdenden Genehmigungsverfahren: „Es bleibt immer weniger Zeit für den Patienten. Die Ärzte sind zum Teil völlig überlastet.“

Während der selbstständigen Hausbesuche, für die sich die 43-Jährige während der Ausbildung qualifiziert hat, versorgt sie etwa Wunden, nimmt Blut ab oder misst den Puls. „Natürlich alles in enger Absprache mit dem Arzt”, sagt sie. Ja, selbst für das so genannte Notfallmanagement fühle sie sich gerüstet.

Nicht zuletzt die Kassenärztliche Vereinigung verspricht sich vom Einsatz der Praxisassistentinnen eine hochwertige ambulante Versorgung und honoriert deren Leistungen über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab gesondert. Voraussetzungen sind bestimmte Fallzahlen in der Praxis und eine wöchentliche Mindesbeschäftigungszeit der Mitarbeiter von 20 Stunden.

Der eigentlichen Ausbildung zur Nicht-ärztlichen Praxisassistentin ging für Tanja Teschendorf ein 271-stündiger Lehrgang voraus, ein 30 Arbeitsstunden umfassendes Praktikum sowie eine 16-seitige Hausarbeit. Den Lehrgang absolvierte sie in Schwerin, die Hausarbeit formulierte sie als Fallbeschreibung, während des Praktikums arbeitete sie in der Häuslichen Pflege der Sozialstation Sulinger Land. Lehrgang, Hausarbeit und Praktikum folgte eine Prüfung, nach der sich die 43-Jährige Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis nennen durfte. Bevor sie dann das NäPa-Zertifikat in den Händen hielt, musste sie noch einmal zwei Tage die Schulbank drücken. In Duderstadt ließ sich die Sulingerin in Themen mit Oberbegriffen wie Palliativmedizin, Demenz, Chronische Schmerzen oder auch Behandlung von chronischen Wunden unterrichten.

Nein, sie sei nicht die erste Nicht-ärztliche Praxisassistentin im Landkreis Diepholz, sagt Tanja Teschendorf. „Aber die erste in der Region Sulingen, die die Ausbildung abgeschlossen hat. Für eine Kollegin aus Kirchdorf stand kurz nach mir die Prüfung an.“ Weitere werden folgen. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen.

oti

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