30.000 Menschen kommen 1982 zum Open-Air-Festival

Das „Sulinger Woodstock“

Die Luftaufnahme von Helmut Schmauder zeigt das Gelände des Festivals von 1982, dem „Woodstock von Sulingen“.

Sulingen - „Du hast ‘ne Lederjacke, also bist du Ordner“, wurde Axel Diekmann beschieden. Bernd Meyer zählt im Jahr 1982 gerade 19 Lenze, wird von der Festival-AG kurzerhand zu deren Leiter bestimmt und muss ständig Entscheidungen treffen.

Alle helfen mit, die Bühne bauen die Sulinger Musikfreunde selbst. Was aber vom 29. bis 31. Mai 1982 auf den Feldern am Barrier Kirchweg passiert, übersteigt alles, was die Musikfreunde auf dem Schirm hatten. Ihnen beim Erinnern zuzuhören, lässt die Kinnlade herunterklappen, auch nach 35 Jahren. Auf 20 Minuten hat das Team des „Sulingen Projektes“ den neuen Beitrag zusammengekürzt.

Vorgeschichte auf dem „Park der Generationen“

Gezeigt wird der Beitrag über das Sulinger Open-Air-Festival von 1982, zu dem über 30.000 Besucher zusammenkamen, am Mittwoch, 24. Mai, im Vorfeld des teilweise in Sulingen produzierten Filmes „Wanja“ im „Filmpalast Sulingen“ auf der großen Leinwand (19.30 Uhr). Dieser Film kann auch auf der Homepage des „Sulingen-Projektes“ angesehen werden.

Das Festival 1982 hat eine Vorgeschichte. „Da gab es diese Schulabschlussfete auf dem alten Schulsportplatz“, erklärt Frank Wenker vom Team des Sulingen-Projektes. Da, wo sich heute der „Park der Generationen“ befindet und wo früher das Schützenfest gefeiert wurde, feierte die Jugend das Schuljahresende. Etwas zu laut für den Geschmack einiger Anwohner, die Feier musste abgebrochen werden.

Das Plakat des Festivals 1982.

Die Organisatoren aber formierten sich zur „Festival-AG“, die für 1980 das erste Sulinger Festival in der Horster Heide plante. Das sollte „ein Tick größer“ ausfallen, als diese Schulabschlussfete. Es wurde „ein durchschlagender Erfolg“, erinnert sich Wenker. Und Filmemacher Martin Hermann bedauert noch heute, dass er nicht teilnehmen durfte – er war zu jung.

Erfolg der jugendlichen Organisatoren

Das Pfingstfestival in der Horster Heide lockt 15.000 Besucher an, es spielen die „Stripes“ aus Hagen mit ihrer Sängerin Nena – da ist noch kein einziger Luftballon in Sicht. Guru Guru, Alex Oriental Experience stehen ebenfalls auf der Setlist. Zur Erinnerung: Es sind Jugendliche, die das Ganze organisieren. Der Erfolg macht mutig – es soll 1982 wieder ein Festival geben. Es ist die Zeit, in der Telefonnummern auf LP-Hüllen gedruckt sind.

Auch die des Managements von Ton Steine Scherben. Also ruft der Sulinger Gunter Koop, selbst Musiker in der Band „Moby Dick“, kurzerhand an und verabredet mit Scherben-Managerin Claudia Roth einen Auftritt in Sulingen. „Spliff“ sagen zu – und ziehen den Zorn des Publikums auf sich, als sie nach anderthalb Stunden Soundcheck tatsächlich nur 45 Minuten spielen.

„Gruppo Sportivo“ spielen ebenfalls. Man hatte ihnen vergessen abzusagen, sie kamen also nach Sulingen. Und wo sie doch schon mal da waren, können sie ja spielen.

Damalige Organisation: „Man möchte die Hand an die Stirn klatschen“

Die Festival-AG, die das Ereignis plant, umfasst 20 bis 30 junge Leute. Enthusiastisch, aber höllisch unerfahren in Sachen „Festival-Logistik“. Man möchte sich mit der flachen Hand an die Stirn klatschen, als im Film gezeigt wird, wie sie die Einnahmen „sichern“. Unfassbar. Sie denken nicht an Zäune, um die Bereiche abzutrennen. Undenkbar. Und letztlich haben sie im Vorfeld auch nicht daran gedacht, was passiert, wenn über 30.000 Besucher zusammenkommen. Und duschen wollen. Essen. Auf Toilette. Schlafen.

Zum Glück ist das Wetter bestens und das Freibad ein beliebtes Ziel: Die Klamotten sind schneller ausgezogen, als der Bademeister auf Schwimmbekleidung hinweisen kann. Egal.

Das Sulingen Projekt sucht weitere Mitstreiter

Es gibt Verbindungen zur Medienwerkstatt Hannover, die Kreativen nutzen das damals neue Medium Video, um das Festival-Geschehen festzuhalten. Daher gibt es viele bewegte Bilder, die nie veröffentlicht wurden.

Bis jetzt.

Wer sich seit 1982 gefragt wo, wo zum Teufel dieses Festival in der Pampa war, bei dem man war, der erhält nun eine Antwort.

Und wer Lust hat, beim Sulingen Projekt mitzumachen, wende sich an das Team. Hilfe bei der Recherche zu vielen anderen Themen für die multimediale Zeitreise durch „zehn Jahrhunderte Sulinger Geschichte“ wird weiterhin dringend gesucht.

sis

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