Lkw-Flotte fährt CO2-neutral

Sulinger Unternehmensgruppe Gerdes + Landwehr: Aktiv werden gegen Erderwärmung

Zwei Männer stehen neben einem Lkw-Führerhaus.
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Aufschriften an den Führerhäusern verweisen auf das Projekt, das nicht nur von Geschäftsführer John Henrik Landwehr (rechts), sondern auch von den Mitarbeitern wie Berufskraftfahrer Manuel Mattes unterstützt wird.

Sulingen – Große Sattelzüge für den Schwerlastverkehr gelten immer noch als wenig umweltfreundlich. Umso erstaunlicher ist es, wenn John Henrik Landwehr, Geschäftsführer der in Sulingen ansässigen Unternehmensgruppe Gerdes + Landwehr sagt: „Wir sind jetzt CO2-neutral unterwegs.“

Das Thema beschäftige ihn bereits seit zehn Jahren intensiv: „Wir versuchen, unseren ökologischen Fußabdruck sehr deutlich zu reduzieren.“ In dieser Zeit sei es gelungen, für die zur Gruppe gehörenden Speditions- und Bauunternehmen den CO2-Ausstoß je transportierte Tonne um 22 Prozent zu senken durch verschiedene Maßnahmen. So hätten gut 70 Prozent der Lkw keine großen Außenspiegel mehr, was den Luftwiderstand – und damit den Kraftstoffverbrauch – senke, und die Fahrzeuge seien dank moderner Materialien und günstigerer Bauformen um sieben Prozent leichter als früher.

Ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Prozesses ist eine umweltschonende Fahrweise, beispielsweise indem die schweren Gefährte vor dem Abbiegen nicht kurz vor der Einmündung abbremsen, sondern mit ihrer Masse ausrollen bis zur entsprechenden Geschwindigkeit. Für die Berufskraftfahrer, die das besonders gut umsetzten, gebe es Boni, erläutert der Geschäftsführer. Außerdem reduziere diese Fahrweise den Stress am Steuer und führe so auch zu mehr Verkehrssicherheit.

Physikalische Grenze der Einsparmöglichkeiten erreicht

„Wir sind damit jetzt aber an eine physikalische Grenze gestoßen“, sagt Landwehr, mehr CO2 lasse sich auf diese Weise aktuell nicht einsparen. Auch der Umstieg auf alternative Antriebe, weg vom Diesel, sei noch keine Lösung: „Bei der Größe und dem Gewicht unserer Fahrzeuge würde es beim Antrieb vermutlich in Richtung Brennstoffzelle gehen, aber es dauert noch zwei bis drei Jahre, bis der erste dieser Lkw bei uns auf dem Hof steht, und bis wir alle 230 Fahrzeuge ausgetauscht haben, vergehen eher sieben bis acht Jahre.“

Diese Zeit habe die Erde aber nicht mehr, deswegen habe er bereits vor einem Jahr begonnen, nach anderen Lösungen zu suchen, und sei fündig geworden: Der CO2-Ausstoß wird kompensiert.

Lösung: Ausgleich für den CO2-Ausstoß

Bei Flugreisen haben Passagiere teilweise bereits die Möglichkeit, als Ausgleich für ihren Anteil an den Kohlendioxidemissionen des Fluges eine Abgabe zu zahlen, die Klimaschutzmaßnahmen finanzieren helfen soll. Einen ähnlichen Weg geht die Sulinger Unternehmensgruppe nun: Durch interessante Kontakte sei er auf die Aufforstungsprojekte der in Amsterdam und Nairobi beheimateten Organisation „Justdiggit“ gestoßen.

Das Konzept dieser Gruppe sieht vor, durch Aufforstungen in Afrikas Trockengebieten die Erderwärmung zu verlangsamen oder gar zu stoppen. Die Idee dahinter: Der ausgetrocknete Boden vor Ort ist zu hart, um das Wasser aufzunehmen, wenn es regnet. Wenn Bäume gepflanzt werden, ist das Erdreich aufgelockert und damit auch aufnahmebereit. Zugleich gibt das Laub der Bäume Schatten und gibt per Verdunstung wieder Wasser an die Umgebung ab, es wird also feuchter und kühler.

2 000 Hektar – mehr als die Fläche der Kernstadt Sulingens – werden jährlich als Ausgleich für den CO2-Ausstoß begrünt, wie dieser Screenshot zeigt.

„Mit ,Justdiggit‘ können wir eigene Projekte in Tansania realisieren“, sagt Landwehr. Zuvor sei dafür der jährliche CO2-Ausstoß des gesamten Unternehmens, also aller Mitarbeiter, Fahrzeuge und Gebäude, ermittelt worden. „Jeder Deutsche stößt beispielsweise im Schnitt pro Jahr fast zwölf Tonnen Kohlendioxid aus, und insgesamt kommen wir so für uns auf 30 600 Tonnen jährlich.“ Darin eingerechnet sei aber noch ein Puffer für neue Mitarbeiter oder Unternehmenserweiterungen.

Besagte 30 600 Tonnen sind also die Menge, die durch Anpflanzen aus der Atmosphäre gebunden werden soll – pro Jahr werden dafür auf einer Fläche von 2 000 Hektar rund 81 000 Bäume gepflanzt – mit dem Ziel, für die sechs Kommunen vor Ort mit etwa 10 800 Menschen die Oberflächentemperatur lokal um 10 °C zu senken und etwa 413 Millionen Liter Wasser im Boden zu speichern. Die Entwicklung dieses Projektes soll mit Vorher-Nachher-Fotos auf einer eigenen Internetseite nachverfolgt werden können.

Mitarbeiter unterstützen das Projekt

„Es ist relativ einfach, viel zu bewirken, deswegen gibt es da eine hohe Motivation“, erklärt Landwehr. „In den letzten ein, zwei Jahren ist viel in Gang gekommen, aber es ist nicht mehr fünf vor zwölf, sondern es zählt jede Sekunde.“ Wichtig sei auch gewesen, die Mitarbeiter dabei mitzunehmen: „Die fanden das alle super.“

In der Branche sei die Unternehmensgruppe mit dieser Ausrichtung ohnehin in der Minderheit, mit dem neuen Projekt werde man aber alleiniger Vorreiter, ist sich der Geschäftsführer sicher, denn „es gibt sonst keine größere Flotte, die CO2-neutral ist.“

Von den Kunden werde dieses Vorhaben aber sehr gut aufgenommen, denn während die Flugunternehmen sich die Kompensation von den Passagieren bezahlen lasse, habe man dies seit dem 1. April in alle bestehenden Verträge inkludiert, ohne die Kosten an die Kunden weiterzugeben. „Für mich ist das der neue Standard, und unsere Erde sollte uns das wert sein“, legt sich Landwehr fest.

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