Haustier-Boom in Corona-Zeit

Sulinger Tierexperten geben langfristige Verantwortung zu bedenken

Kümmern sich im Tierheim Lindern ehrenamtlich um die Hunde: Elke Bier (links) und Sonja Piephans.
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Kümmern sich im Tierheim Lindern ehrenamtlich um die Hunde: Elke Bier (links) und Sonja Piephans.

Sulingen – Züchter können die hohe Nachfrage nach Hunden nicht erfüllen, nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes boomt auch der illegale Welpenhandel in Corona-Zeiten. „Verständlich ist das schon, denn ein Tier kann der Einsamkeit entgegenwirken“, nennt die Sulinger Tierärztin Sabine Könnecke-Eck einen Grund, warum jetzt viele einen Hund halten wollen. „Es muss nur verantwortungsvoll gemacht werden.“

Das entspricht dem, was Frank Nestmann, der in einer Forschungsgruppe der Technischen Universität Dresden die Beziehungen zwischen Mensch und Tier untersucht, gegenüber der Deutschen Presseagentur äußerte: „Es ist ohne Zweifel so, dass Menschen, die Haustiere haben, weniger einsam sind.“ Haustiere würden Gesellschaft bieten, Freude machen. Und vor allem strukturierten sie den Alltag, da sie gefüttert und gepflegt werden müssen: „Dadurch erlebt der Mensch eine Wirksamkeit. Und das bedeutet wiederum eine Erhöhung des eigenen Selbstwertgefühls.“

Dass die Züchter auf den Haustierboom nur bedingt reagieren können, liegt auf der Hand: „Es handelt sich ja nicht um ‚Produktionsbetriebe‘, in denen man die ‚Fertigung‘ einfach steigern kann“, stellt Sabine Könnecke-Eck fest. „Eine Hündin beispielsweise ist nur zwei Mal im Jahr läufig.“ Im Moment seien Welpen verhältnismäßig „teuer“, was die Veterinärmedizinerin aber gar nicht schlimm findet – denn mit der Haltung eines Hundes oder einer Katze geht eine große Verantwortung einher. Man müsse viel Zeit investieren – und, für die Lebensdauer des Tieres, ungefähr 10 000 Euro für Futter, Pflege, Tierarztbesuche einplanen, nennt die Tierärztin eine „Hausnummer“.

Mit ihrer Australian-Shepherd-Hündin Arya: Mario Eck und Sabine Könnecke-Eck.

Die Anschaffung eines Hundes oder einer Katze will demnach wohl überlegt sein. Die wichtigste Frage, die man sich zuvor stellen sollte, ist laut Könnecke-Eck: „Passt das Tier auch noch in die Lebenssituation, wenn die Pandemie Geschichte ist?“ Denn die Entscheidung für ein Tier ist die Einwilligung in eine langfristige Verantwortung: Ein Hund lebt bis zu 15 Jahre, eine Katze kann sogar 20 Jahre alt werden. „Ich glaube, eine kritische Phase wird kommen, wenn die Leute wieder ins Büro gehen – obgleich die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten, auch nicht verschwinden wird“, meint die Tierärztin.

„Wir befürchten, dass ‚nach Corona‘ wieder einige der Tiere zu uns zurückkommen“ prognostiziert Marita Görges, Vorsitzende des Tierschutzvereins Sulingen und Umgebung und Leiterin des Tierheims Lindern. „Die Vermittlungsrate für Tiere aus dem Heim ist derzeit auf jeden Fall höher, und gerade werden nicht viele Tiere hier abgegeben.“ Bei der Vermittlung würden Görges und ihr Team darauf achten, dass der Wunsch nach einem Tier nichts mit der derzeitigen Situation zu tun hat. Vor- und Nachkontrolle der Tierhalter erfolge grundsätzlich, außerdem könne man bei den Gesprächen im Voraus schon Unsicherheiten feststellen.

Marita Görges verdeutlicht außerdem, dass die ganze Familie dahinterstehen sollte, wenn über die Anschaffung eines Tieres nachgedacht wird. „Ein Hund beispielsweise ist kein Ausstellungsstück, sondern sollte ein volles Familienmitglied sein,“ sagt sie. Außerdem seien die Fragen der Finanzierung und des Platzes im Voraus zu klären. Dass ein Hund gegen Einsamkeit wirken kann, sei kein Geheimnis – auch indirekt: „Beim Hundespaziergang lernt man sehr viele Leute kennen. Es entstehen gute Bekanntschaften, manchmal sogar Freundschaften. Und den Tieren tut der Kontakt zu ihren Artgenossen auch gut.“

Von Unserer Praktikantin Johanna Sanders

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