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Ehrenamtliche Paten helfen Mohamed Keita auf dem Weg zur Gesellenprüfung

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Von: Harald Bartels

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Drei Menschen freuen sich über ein Abschlusszeugnis.
Der „frischgebackene“ Geselle Mohamed Keita freut sich mit seinen Paten, Hannelore und Ulrich Hemken, über die bestandene Abschlussprüfung seiner Bäckerausbildung. © Bartels

Sulingen – Wer seine Gesellenprüfung – gleich, in welchem Handwerk – erfolgreich absolviert, hat in jedem Fall Grund zur Freude. Für Mohamed Keita gilt das ganz besonders, denn für ihn war der Weg durch die Ausbildung mit zusätzlichen Hürden verbunden. Vor vier Jahren kam der heute 23-Jährige, zusammen mit 31 weiteren Geflüchteten, von der Elfenbeinküste aus Bramsche nach Sulingen.

In der „Kleiderkammer“ der Sulinger Flüchtlingsinitiative lernte er Hannelore Hemken kennen – sie und ihr Mann Ulrich Hemken begleiten ihn seither als ehrenamtliche Paten.

Zunächst verbrachte Mohamed Keita ein halbes Jahr an der Berufsschule, um nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch Lesen und Schreiben zu lernen. Die Wahl des Ausbildungsberufs sei spontan erfolgt. Sie habe gemeinsam mit Mohamed und einem Freund von ihm gekocht, berichtet Hannelore Hemken. „Als ich gesehen habe, wie geschickt er mit dem Messer umgeht, habe ich ihm gesagt: Du musst doch Koch werden. Und er hat geantwortet: Nein, ich will Bäcker werden.“

Mehrere Praktika vor dem Ausbildungsbeginn

Auf jeden Fall habe es ein handwerklicher Beruf sein sollen, stellt Mohamed Keita fest: „Ich mag es, etwas mit den Händen zu machen.“ Zwar habe er auch ein Praktikum in einer Zimmerei und als Kraftfahrer in einer Spedition absolviert, aber ein sechsmonatiges Praktikum in der Sulinger Bäckerei Voss-Döring, wo er auch seine Ausbildung begann, festigte seine Berufsentscheidung.

In der Berufspraxis sei er immer gut gewesen, sagt Hannelore Hemken: „Schon bald nach Beginn der Ausbildung hat er alle meine Kuchenteige geknetet, das war toll.“ Und das, obwohl sich Mohamed Keita nach eigener Aussage am liebsten mit Brot und Brötchen beschäftigt.

Paten gaben Nachhilfeunterricht

Eine Herausforderung blieb aber der theoretische Unterricht, weswegen das Ehepaar seinem Schützling drei bis vier Mal pro Woche Nachhilfe gab: Sie habe sich um Deutsch gekümmert und ihr Mann um Mathematik. Das sei das schwerste Fach gewesen, nicht nur wegen der Anforderungen durch den Stoff, sondern auch, weil es viele Textaufgaben gab mit der Sprache als zusätzlicher Hürde. Aber: „Wir haben das gerne gemacht, weil wir den Erfolg bei Mohamed gesehen haben.“ Zu Beginn einer Nachhilfestunde habe man immer erst eine Tasse Tee zusammen getrunken – und zum Teetrinken wolle er auch weiterhin gerne kommen, verrät Mohamed Keita.

Während der ganzen Zeit sei der junge Mann sehr diszipliniert gewesen, lobt Hannelore Hemken, und nebenbei habe er noch seinen Autoführerschein gemacht. Mit der im Januar bestandenen Abschlussprüfung sei er zudem der erste Geflüchtete in Sulingen, der eine dreijährige Berufsausbildung mit Erfolg absolviert habe (die zweijährige Ausbildung hätten schon viele geschafft) – „es gehört ein langer Atem dazu“, betont seine Patin.

Nächstes Ziel schon im Blick

Inzwischen ist Mohamed Keita in einer Bäckerei in Bassum beschäftigt und hat sich neue Ziele gesetzt: Er strebt an, das Sprachniveau B1 zu erreichen. Zwei Jahre nach Vollendung dieses Schritts könnte er sich einbürgern lassen. Hier ist er mit seiner Lebensgefährtin und den beiden kleinen Söhnen heimisch geworden: „Ich bin gerne in Sulingen und will auch nicht nach Bassum ziehen“, bekräftigt er. Am liebsten halte er sich an der Langen Straße auf.

Die Jahre seien nicht nur für ihren Schützling lehrreich gewesen, sagt Hannelore Hemken: „Wir haben auch sehr viel gelernt in der Zeit.“ Das Paar sei von Anfang an in der Flüchtlingsinitiative aktiv und habe von den Geflüchteten viel über „Land und Leute“ erfahren. Manche hätten auch von den bedrückenden Erlebnissen ihrer Flucht erzählt: „Sie haben alle ihre ganz eigenen Schicksale.“

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