Lohnen sich Photovoltaik-Anlagen noch?

Strom kommt nun aus der Cloud: Sulinger Hartmut Wagner nennt Alternativen für auslaufende EEG-Förderung

Fotos vom Aufbau der ersten Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern im SUN-Park zeigt Hartmut Wagner, sein Sohn Guido Wagner präsentiert ein modernes Plug-In-Solarmodul.
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Fotos vom Aufbau der ersten Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern im SUN-Park zeigt Hartmut Wagner, sein Sohn Guido Wagner präsentiert ein modernes Plug-In-Solarmodul.

Sulingen – Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) trat am 1. April 2000 in Kraft – nun läuft für die ersten Anlagen die Förderung aus. Lohnt es sich noch, auf Sonnenenergie und Windkraft zu setzen? Hartmut Wagner, Inhaber des Sulinger Unternehmens „Solare Energie Technik“, ist davon überzeugt: „Die Kunden wollen immer mehr Grünstrom haben.“

Der Diplom-Ingenieur ist ein Experte für das Thema, gilt er doch als Pionier der Stromerzeugung aus regenerativen Quellen im Sulinger Land. Bereits während seiner elfjährigen Tätigkeit als Lehrer für Mathematik und Physik an der Realschule Sulingen habe er das Nutzen von erneuerbaren Energieträgern in den Unterricht eingebaut, und 1989 errichtete er auf dem Dillenberg bei Sulingen die erste Windkraftanlage – damals die größte ihrer Art in Niedersachsen. Er zählte zu den Mitbegründern der Sulinger „Solar-Offensive“, deren Wirken der Stadt Sulingen 1997 den von „Eurosolar“ verliehenen „Deutschen Solarpreis“ einbrachte.

Im Jahr 1998 habe er auf den Dächern im SUN-Park in Sulingen die erste Vier-Kilowatt-Photovoltaikanlage aufgebaut, denn „ich war immer der Ansicht, dass man nicht nur über Dinge reden, sondern sie auch zeigen sollte, und das habe ich mit den Anlagen hier getan.“

Bis 2011 habe es in der Photovoltaik in Deutschland enorme Steigerungen gegeben, bis die Politik eingebremst habe. Aber seit etwa zwei Jahren gehe es mit der Nachfrage wieder bergauf.

Gründe dafür gibt es laut Hartmut Wagner – trotz der stetig sinkenden Förderung – genug: „Es ist schon seit einiger Zeit so, dass der produzierte Strom nur noch selbst genutzt werden sollte.“ Die Zeit, in der die Anlagen durch das Einspeisen des Stroms in das öffentliche Netz finanziert wurden, sei längst vorbei – aktuell liege die Einspeisevergütung bei etwa acht Cent pro Kilowattstunde, aber für Strom vom Energieversorger liege der Preis bei rund 30 Cent. Moderne Anlagen würden daher so konzipiert, dass sie den Ganzjahresbedarf des Haushalts oder der Immobilie abdecken können. Vom produzierten Strom würden in der Regel 30 bis 35 Prozent selbst genutzt, und mit dem Überschuss werde ein Speicher aufgeladen, um auch genügend Energie zu haben, wenn die Sonne nicht scheint. Strahlender Sonnenschein ist allerdings keine Voraussetzung für die Stromproduktion: „Es hat enorme Entwicklungen in der Technik gegeben“, so der Experte. Etwa 50 Prozent des Stroms würden bei diffusem Licht erzeugt, also bei bedecktem Himmel, moderne Hochleistungsmodule könnten sogar bei Vollmond etwas Strom liefern.

Die aktuellen Speicher haben laut Wagner deutlich kleinere Ausmaße als frühere Generationen und enthalten in der Regel auch gleich die notwendige Elektronik sowie den Wechselrichter, der das Einspeisen des Stroms in das öffentliche Netz ermöglicht. Ist der Speicher voll, wird der Strom in eine sogenannte Cloud eingespeist. Die existiert nur virtuell: Der Strom wird erfasst und baut quasi ein Guthaben auf, dass am Jahresende an den Inhaber der Photovoltaik-Anlage zurückfließt. Die Anlagen hätten eine Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren, versichert Wagner, und auch bestehende Anlagen könnten auf die Speicherlösung umgerüstet werden.

Der Solarstrom sei nicht nur für diejenigen interessant, die über geeignete Dachflächen für herkömmliche Module verfügen. Seit zwei Jahren seien hier auch sogenannte Balkon- oder Plug-In-Module zur Deckung des Eigenbedarfs zulässig – „die eignen sich auch für den kleinen Geldbeutel“, sagt Hartmut Wagners Sohn Guido Wagner, der unter anderem solche Module vertreibt. Sie verfügen über einen eingebauten Wechselrichter – und einen Stecker für gewöhnliche Steckdosen, damit der erzeugte Strom in den heimischen Stromkreis fließen kann. „Die Energiewende, auf die wir so lange gewartet haben, läuft in vollen Zügen.“

Für die Zukunft hat Hartmut Wagner eine klare Forderung: „Die politischen Fesseln müssen weg: Lasst die Bürger investieren!“ Gerade private Betreiber und Energiegenossenschaften, etwa für Sonnenenergieparks, seien die Akteure der Energiewende, während manche Stromversorger bremsten, „obwohl ihnen das gar nicht zusteht.“

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