Sulinger Gymnasiumsleiterin Ute Lüßmann sieht Schulgesetz-Novelle kritisch

Aus für Turbo-Abi reicht nicht

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Ute Lüßmann betrachtet die Novelle des Schulgesetzes in Niedersachsen mit gemischten Gefühlen.

Sulingen - „Auf der einen Seite freuen wir uns über die Rückkehr zum Abitur nach neun Gymnasialjahren“, sagt Ute Lüßmann über die jetzt vom Landtag beschlossene Novelle des Schulgesetzes in Niedersachsen (wir berichteten). „Aber auf der anderen Seite gibt es mehrere Dinge, die den Kollegen und mir Bauchschmerzen bereiten“, stellt die Leiterin des Gymnasiums Sulingen fest. Dazu zählt, dass es keine personelle Entlastung geben wird. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein.

„Nicht umsonst gibt es den Boykott von Klassenfahrten – und dessen Ursache wirkt sich auch auf das aus, was vor uns liegt.“ Die eingeführte Erhöhung um eine auf 24,5 Stunden pro Woche und Vollzeitstelle bedeute, zumindest aus Sicht des Landes, bei 86 Kräften im Kollegium des Sulinger Gymnasiums rechnerisch eine Überversorgung – „dadurch werden bei uns drei Stellen eingespart.“ Laut Ute Lüßmann werden im neuen Schuljahr im Land Niedersachsen lediglich 70 Stellen an Gymnasien besetzt, „für Gesamtschulen sind es 380.“ Im alten Regierungsbezirk Hannover sind es 15 Gymnasial-, 130 Gesamtschullehrerstellen. Das Gymnasium Sulingen bekommt keine neue Lehrkraft. Ein Kollege geht zum Schuljahresende, ein weiterer im ersten Halbjahr danach in Rente. „Es kann uns natürlich nicht zufrieden machen, wenn wir das Kollegium nicht weiterentwickeln können. Wir haben uns lange darum bemüht, Referendare auszubilden. Die können wir aber nicht halten, weil es keine Stellen für sie gibt.“

Ein weiteres Problem gibt es mit dem Wahlpflichtbereich. Den hat das Sulinger ebenso wie andere Gymnasien für eine besondere Profilierung in der Mittelstufe genutzt, um den Schülern Unterricht zu bieten, der stärker auf ihre Neigungen, Fähigkeiten und Berufswünsche ausgerichtet ist. „Zum Beispiel mit einem Informatik-Angebot, einem musisch-künstlerischem Profil, mit bilingualem Unterricht“, zählt Ute Lüßmann auf. „Aber die neuen Auflagen für die Stundentafel sind so komplex und einengend, dass wir zu der Auffassung gekommen sind, dass wir den Wahlpflichtbereich so nicht aufrecht erhalten können. Wir setzen ihn für das kommende Schuljahr aus, hoffen, dass es im Kultusministerium zu einem Umdenken kommt.“

Sehr sorgfältig müsse sich das Kollegium auch überlegen, wie das Ganztagsangebot künftig gestaltet wird. „Wir möchten die offene Ganztagsschule aufrecht erhalten, aber die Bedingungen sind nicht besser geworden. So ist die Stundenzuweisung künftig nicht mehr an die Klassen-, sondern an die Teilnehmerzahl gebunden.“

Durch Einführung des Turbo-Abi hatte die Belastung der Schüler extrem zugenommen, „insbesondere durch die vielen Nachmittage, die wir für den Regelunterricht in Anspruch nehmen mussten. Die Zeit fehlt für Übungsphasen, das Arbeitsgruppen-Angebot wird nicht mehr so stark nachgefragt, die Teilnahme an Wettbewerben ist deutlich zurückgegangen, es gibt kaum noch die Möglichkeit eines längeren Auslandsaufenthalts für die Schüler“, schildert Lüßmann die momentane Situation.

Die aktuellen Siebtklässler werden die ersten Gymnasiasten sein, die ihr Abitur wieder nach 13 Schuljahren ablegen.

ab

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