Sulinger Ehepaar holt Flüchtling zu sich

Auf Odyssee folgt die Erleichterung

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Heiner Gutschmidt, Mohamed Abdullah und Christien Tempel.

Sulingen - Von Tobias Kortas. „Heiner, Christien. Ich liebe euch.“ Dies schrieb der 16-jährige Flüchtling Mohamed Abdullah in einer WhatsApp-Nachricht, als er am Freitag erfahren hatte, dass er von Bremen zu seinem Cousin Ahmed Mousa Attib nach Sulingen ziehen darf.

Auch die beiden pensionierten Lehrer Heiner Gutschmidt und Christien Tempel waren beinahe sprachlos vor Freude. Denn sie haben die Vormundschaft für den Sudanesen zugesprochen bekommen, der von nun an eine Sprachförderklasse in Sulingen besucht. Den Cousin des Jugendlichen hat das Ehepaar zuvor schon als Flüchtlingspaten betreut.

Dass die Emotionen bei ihnen allen im positiven Sinne hochkochten, hatte einen guten Grund. So glichen die Bemühungen von Gutschmidt und Tempel, die Vormundschaft für Mohamed Abdullah zu übernehmen, zuvor einer Odyssee (wir berichteten). Sie hatten zahlreiche Behörden kontaktiert, wie zum Beispiel das Amt für soziale Dienste in Bremen oder die Ausländerbehörden in Bremen und Diepholz. Doch die Ämter hätten die Zuständigkeit „hin und her geschoben“, so Gutschmidt.

Auf einen Artikel dieser Zeitung hin („Allein in der Fremde“, 17. Oktober) haben sie ein Rechtsanwaltsbüro in Sulingen kontaktiert, so Gutschmidt. „Die haben mir dann gesagt, dass sie bereits ähnliche Fälle bearbeitet haben und das klappen müsse.“ Dabei herausgekommen ist ein Eilantrag, der am darauf folgenden Montag, 19. Oktober, an das Bremer Landesgericht ging. Eile war auch geboten, denn Mohamed Abdullah hatte den Schulplatz in der besagten Sprachförderklasse zugesprochen bekommen, für den bis Ende Oktober eine Rückmeldung nötig war.

Die Entwarnung folgte dann am Donnerstag, 29. Oktober. „Da hat uns das Bremer Amtsgericht per Post darüber informiert, dass wir die Vormundschaft für den Jungen haben.“ Daraufhin fuhren beide zur Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Hotel Deutsche Eiche in Bremen und holten den glücklichen Jugendlichen ab. Dieser bekommt nun ein Bett im Zimmer des Cousins, das ihm die Sulinger Verwaltung zugesprochen hat. Am Montag ging es für Mohamed Abdullah bereits mit dem Unterricht in der Sprachförderklasse am Berufsbildungszentrum los. Ein Jahr lang wird der Sudanese diese Klasse besuchen.

„Mal sehen, ob er danach ein Berufsvorbildungsjahr macht oder direkt in eine Ausbildung startet“, blickt Gutschmidt in die Zukunft. In Verbindung mit Unternehmen ist der ehemalige Lehrer bereits getreten, zunächst müsse man aber gemeinsam mit einem Dolmetscher in Erfahrung bringen, welche Berufe für Mohamed Abdullah interessant sind.

Doch klare Ziele hat der Jugendliche bereits: Er möchte Deutsch lernen, zur Schule gehen und eventuell studieren. Vor allem aber wünscht er sich ein Leben ohne Krieg und einen Beruf, in dem er Ruhe findet.

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