1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Sulingen

Sulinger Diskothek „Nachtwerk“ soll weichen

Erstellt:

Von: Harald Bartels

Kommentare

Die Diskothek Nachtwerk in Sulingen.
Der ehemalige Lokschuppen, Heimat der Diskothek „Nachtwerk“ in Sulingen, soll für den geplanten Combi-Markt abgerissen werden. © Bartels

Sulingen – „Was wird denn aus dem ,Nachtwerk‘?“ Diese Frage war in den vergangenen Tagen häufig in Sulingen zu hören. Nun steht fest: Wenn die Unternehmensgruppe Bünting ihre Pläne umsetzt, bedeutet dies das Ende der Diskothek.

Die Unternehmensgruppe hat die Fläche an der Straße „Am Stellwerk“ erworben, um hier einen Verbrauchermarkt zu errichten (wir berichteten). Wie Martina Monsees, Pressereferentin der Unternehmensgruppe, auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt, ist „(...) zugunsten eines neuen Combi-Markts mit Bäckerei samt Café ein Abriss der Diskothek auf dem Grundstück unvermeidbar“. Nähere Angaben könnten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden.

Für Riyad Al-Ghoul, Geschäftsführer des „Nachtwerks“, kam die Nachricht nicht überraschend: Er habe bereits seit Juni oder Juli davon gewusst, aber der bisherige Eigentümer habe ihn gebeten, darüber noch Stillschweigen zu bewahren. „Daran habe ich mich gehalten, weil er mich immer unterstützt hat, auch vor Corona schon.“ Seine Mitarbeiter hätten ihn oft gefragt, wie es weitergeht, aber er habe ihnen nur sagen können, dass sie durchhalten müssten. Bis es aber zur Schließung kommt, werde es nach seinen Informationen noch mindestens ein Jahr dauern. „Ich hoffe für mich, meine Mitarbeiter und die jungen Leute im Umkreis, dass die Diskothek bleiben kann.“ Für den Fall, dass der Tag X aber doch kommt, habe er darum gebeten, drei bis sechs Monate vorher informiert zu werden, um das Inventar noch veräußern zu können.

Ausschuss vertagt die Beratung

Wie es dann für ihn weitergehen wird, sei noch nicht klar. Seit 2010 führe er das „Nachtwerk“, und gerne würde er auch weiter eine Diskothek betreiben, aber: „Ich weiß noch nicht, wo die dann hinsoll.“ Eventuell gebe es noch im SUN-Park eine Lagerhalle, die er mieten und umbauen könnte, überlegt er, aber das müsse erst noch abgesprochen werden. Generell sei die Situation im Moment für die Gastronomie schwierig. Und: „Die jungen Leute können nicht mehr so rausgehen und feiern wie früher.“

Voraussetzung für das Ansiedlungsvorhaben der Unternehmensgruppe Bünting wäre eine Anpassung des Flächennutzungs- und des Bebauungsplanes im betroffenen Bereich. Damit sollte sich am Dienstag der Ausschuss für Bau und Planung des Sulinger Stadtrates befassen. Dazu kam es jedoch nicht: Elisabeth Wamhoff (Gruppe SPD / Grüne / Die Partei / Ibrahim) beantragte, diese beiden Punkte von der Tagesordnung zu nehmen, um auch der Initiative Sulingen Gelegenheit zu geben, sich dazu zu äußern; dies beschlossen die Ausschussmitglieder mit sechs Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Darüber hinaus regte Wamhoff an, in die Planungen auch den Bereich des Sulinger Unternehmensparks (SUN-Park) mit einzubeziehen, um für zukünftige Entwicklungen vorbereitet zu sein.

Kritik an Ansiedlungsplänen aus der Wirtschaft

Auch ohne Beratung blieb das Thema in der Sitzung präsent. Die Einwohnerfragestunde zu Beginn nutzte Hermann Döring, Inhaber der Bäckerei und Konditorei Voss-Döring, zum Verlesen eines längeren Statements. Die Nachricht von den Combi-Plänen habe er als „Dolchstoß“ für seinen Betrieb empfunden, dessen 100-jähriges Bestehen er eigentlich 2026 feiern wolle. Ebenso wie sein Kollege Klaas Teerling, Inhaber der Bäckerei und Konditorei Schumacher-Teerling, habe er keine Angst vor auswärtigen Betrieben, aber man wünsche sich mehr Unterstützung für die beiden noch bestehenden Handwerksbäckereien in der Stadt. Hermann Döring warnte vor einem „Ausbluten“ der Innenstadt und vor Verkehrsproblemen in dem Bereich, bevor er schließlich die Frage in den Raum stellte, ob irgendjemand bisher beim Einkaufen ohne den Combi-Markt etwas vermisst habe.

Auch interessant

Kommentare