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Sulinger Baptisten begehen mit Festwochenende Gemeindejubiläum

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Von: Gerhard Kropf

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Mit mehren Liedern setzte Familie Koop aus Lemgo den musikalischen Rahmen der Feierlichkeiten am Sonntag.
Mit mehren Liedern setzte Familie Koop aus Lemgo den musikalischen Rahmen der Feierlichkeiten am Sonntag. © Kropf

Sulingen – Seit 75 Jahren bestand die Freie evangelische Baptistengemeinde Sulingen 2022 – am Wochenende wurde dieses Jubiläum im Gemeindezentrum in der Königsberger Straße mit mehreren Veranstaltungen gefeiert.

Die Mitglieder, die sich in der Gemeinde Geschwister nennen, versammelten sich am Freitagabend zu einer Andacht mit dem Thema „Man lebt – fragt sich nur wozu?“, anschließenden diskutierte man in einem Stehcafé das Gehörte. Der Samstag bot ein Kinderfrühstück mit Spielmöglichkeiten und eine weitere Versammlung der Erwachsenen: „Ich möchte so gerne glauben können“. Zum Festgottesdienst am Sonntag war Gregor Helms aus Jever angereist. Der Pastor im Ruhestand predigte zum Thema „Kirche, nicht aus Stein gebaut“. Die Nachmittagsveranstaltung leiteten Kinder ein, die mit ihrer Betreuerin Karin Lichtenberg ein Lied eingeübt hatten, das sie mit viel Temperament vortrugen.

Anschließend trat Gregor Helms ein zweites Mal an das Rednerpult und blickte auf die Zeit der Gemeindegründung 1947 zurück, als mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges viele Flüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien kamen, die oft nicht willkommen waren und über die viele Vorurteile existierten. Helms erinnerte an den Prediger Sommer, der den Spezialauftrag bekam, die auf viele Gemeinden verstreuten Flüchtlingsgeschwister zusammenzubringen, und der nach seinem Tod in Nordwohlde in einem Ehrengrab bestattet wurde. Viele Flüchtlinge wanderten in den 50-er Jahren nach Kanada aus, sodass die Gemeinde schrumpfte.

Heute habe man andere Probleme: Wer den Gottesdiensten nur im Fernsehen oder Internet beiwohne, sagte Helms, höre zwar hervorragende Prediger, erlebe aber keine Gemeinschaft. „Gott arbeitet immer im Team“, rief er den Geschwistern zu und forderte sie auf, sich gegenseitig zu tragen und zu fördern. Die Kirche bestehe eben nicht aus Steinen, sondern aus Menschen, die eng zusammenstehen und sich gegenseitig stützen. Auch Offenheit und Transparenz sei wichtig bei der Verkündigung von Gottes Wort – und im Sulinger Gemeindehaus sollten die Milchglasscheiben bei der nächsten Gelegenheit besser durch klares Fensterglas ersetzt werden, damit Passanten in den Saal hineinschauen könnten. Man habe schließlich nichts zu verbergen, so Helms.

Auf die Zeit der Gemeindegründung 1947 blickte Gregor Helms zurück.
Auf die Zeit der Gemeindegründung 1947 blickte Gregor Helms zurück. © Kropf

Mit einer Bilderschau blickte man zurück auf das Gemeindeleben und die verschiedenen Örtlichkeiten, in denen die Mitglieder der kleinen Baptistengemeinde Gottes Wort seit 1947 hören konnten – zuerst im Saal des Gemeindehauses der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde an der Lindenstraße, später fand man neue Räume in einer ehemaligen Tischlerei an der Südstraße, dann im Untergeschoss der Grundschule. Ende der 90-er Jahre konnte die Gemeinde ein leer stehendes Gebäude an der Königsberger Straße erwerben. Es waren damals 45 Geschwister, erinnerte man sich, die es mit viel Engagement und Eigenleistung renovierten und umbauten. 500 000 DM habe das gekostet, und heute ist die Baptistengemeinde schuldenfrei.

Angelika Lederich überbrachte Grüße der Baptistengemeinde Nienburg, ebenfalls 1947 gegründet. Sie lud zur Feier des 77-jährigen Bestehens im kommenden Jahr ein. Namens mehrerer Bremer Baptistengemeinden gratulierte Florian Schneider den Jubilaren. Gregor Helms richtete Grüße des 97-jährigen ehemaligen Sulinger Bruders Wolfgang Müller aus.

In fast allen Redebeiträgen wurde die Arbeit von Werner Kling gelobt, der der Baptistengemeinde viele Jahre vorstand und älteren Sulingern noch als Bürgermeister in Erinnerung ist.

Die Familie Koop aus Lemgo lockerte das Programm mit mehreren Liedern auf. Bevor Volker Klüche, der gemeinsam mit Albert Lichtenberg und Wilhelm Jerke die Veranstaltung moderierte, diese mit einem gemeinsamen Gebet schloss, bedankte sich Maria Arent herzlich für die gute Aufnahme, die sie 1990 als Aussiedlerin in der Sulinger Baptistengemeinde erfahren habe.

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