Große Mehrheit für Vorhaben

Sulingen: Stadtrat stimmt für Bahn-Reaktivierung und Beitritt zum AEBB

Der Sulinger Bahnhof von oben betrachtet.
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Die Reaktivierung des Bahnbetriebs zu unterstützen beschloss der Stadtrat nun mehrheitlich. (Archivbild)

Rückenwind für die Bemühungen zur Reaktivierung der Bahnstrecken des Sulinger Kreuzes gibt es nun vom Stadtrat Sulingen.

  • Sulinger Stadtrat unterstützt Wiederaufnahme des Bahnverkehrs.
  • Strecken sind wichtig für den Güterverkehr.
  • Querung der Bahntrasse soll möglich werden.

Sulingen – Halten in Sulingen künftig wieder Personenzüge? In naher Zukunft sicher nicht, aber ein kleiner Schritt ist getan: Am Mittwochabend stimmte der Stadtrat dafür, die Bemühungen zu unterstützen, mit denen eine Reaktivierung der Bahnstrecken des Sulinger Kreuzes ermöglicht werden soll.

Nachdem sich bereits seit Jahren das Aktionsbündnis Eisenbahnstrecke Bassum-Bünde (AEBB) dafür einsetzt, den Bahnverkehr zumindest auf dieser Strecke wieder aufzunehmen, erhielten die Anstrengungen in diesem Jahr neuen Anschub: Zum einen stellten Bund und Land weitere Fördermittel zur Reaktivierung stillgelegter Bahnverbindungen bereit, und zum anderen empfahl im Sommer der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) die Reaktivierung, vor allem aufgrund ihrer Bedeutung für den Güterverkehr.

VDV empfiehlt die Reaktivierung

Bereits im April habe die Gruppe Bündnis 90 / Die Grünen / Die Partei dazu einen Antrag gestellt, sagte Bürgermeister Dirk Rauschkolb, und vieles habe sich zu diesem Thema in den vergangenen Jahren ergeben. Es sei weiter aktuell, deswegen sei es wichtig, dass sich der Rat positioniere. Nach Beratung im Verwaltungsausschuss sei die Beschlussvorlage auch dahingehend überarbeitet worden, dass eine Querung der Trasse ermöglicht werden soll, um eine Anbindung an die Nördliche Entlastungsstraße herstellen zu können.

Für den Antrag warb Thomas Baier (Gruppe Die Grünen / Die Partei) und berief sich dabei unter anderem auf Otto Fürst von Bismarck, von dem die Aussage stamme, dass Eisenbahnen nicht der Gewinnerzielung, sondern dem Gemeinwohl dienen sollten. Eine Bahnanbindung sei ein Standortfaktor, und es sei für Sulingen ein Glücksfall, dass zwei Trassen noch vorhanden seien. Zudem zeigten die Beispiele des VDV, dass eine Reaktivierung eine Erfolgsgeschichte werde.

Sorge vor Schwächung der Innenstadt

Er sei nicht grundsätzlich gegen die Bahn, entgegnete Henry Siemering (Gruppe CDU / Bürger erreichen), aber mit Bassum, Diepholz, Nienburg und Twistringen habe man rundum vier schnell erreichbare Bahnhöfe. Vor zehn Jahren hätten zudem bereits Bahnexperten dem Rat erklärt, dass die Strecke zwischen Diepholz und Bremen so stark frequentiert werde, dass ein Zug aus Sulingen „gar nicht mehr dazwischen“ käme, weswegen eine Zugfahrt ohnehin nur von Sulingen bis Bassum möglich sein würde. Und dafür könne man besser die neuen Landesbuslinien unterstützen. Darüber hinaus sehe er die Gefahr einer Schwächung Sulingens, wenn sich mehrfach am Tag die Bahnschranken am Kreisverkehr schließen und es deswegen zu Staus in den angrenzenden Straßen kommt.

„Wir müssen uns jetzt endlich zur Reaktivierung bekennen“, forderte hingegen Elisabeth Wamhoff (SPD). Sulingen sei ein Knotenpunkt in der Mitte des Landkreises und müsse sich auf die Zukunft ausrichten, auch mit alternativen Verkehrsmodellen.

Bis zu 40 Güterzüge pro Tag denkbar

Mit gemischten Gefühlen sehe er die Reaktivierung, sagte Uwe Overhoff (Freie Wähler). Der Klimaschutz sei ein Argument, aber er verwies auf den nötigen Verkehr, um die Menschen zum Bahnhof zu bringen. Außerdem spreche der VDV von bis zu 40 maximal 750 Meter langen Güterzügen täglich, und es brauche weitere 30 Züge pro Tag und Richtung als Ersatz für die Landesbuslinien – bei solch einer Auslastung glaube er nicht, dass eine Querung möglich sei.

Er sehe die Entscheidung als Grundsatzbeschluss, so Matthias Wendland (CDU / Bürger erreichen), denn „die Bürger möchten gerne eine Bahnanbindung haben.“ Wenn eine Bahn komme, unterstütze man das, aber man wolle keine Millionen in eine Trasse stecken. Skeptisch äußerte sich Wendland jedoch zum möglichen Beitritt der Stadt zum AEBB, aufgrund der Erfahrungen aus den Vorjahren.

Beitritt zum AEBB wird kontrovers diskutiert

Dörte Knake (FDP) warb jedoch für den Beitritt: Das Bündnis habe mittlerweile einen neuen Vorstand, und der ehrenamtliche Einsatz, wie beispielsweise die Pflege des Stellwerks, spreche für das AEBB.

Mit 15 Ja-Stimmen bei elf Gegenstimmen entschied sich der Rat mehrheitlich für den Beitritt der Stadt zum AEBB. Deutlicher fielen die Voten bei den übrigen Unterpunkten aus: Die Strecke Bassum-Bünde soll erhalten werden, ebenso die Strecke Sulingen-Nienburg, sofern eine Querung der Bahntrasse möglich ist (drei Enthaltungen, zwei Nein-Stimmen), die Reaktivierungsbemühungen werden unterstützt, wobei eine Ertüchtigung für klimaschützende Antriebe und eine Anbindung an die Oberzentren wünschenswert sei (zwei Enthaltungen, drei Nein-Stimmen), die Zubringerfunktion des ÖPNV aus dem Sulinger Land soll berücksichtigt werden und die Interessen der Stadt werden dem Land Niedersachsen vorgetragen (jeweils drei Nein-Stimmen und keine Enthaltung).

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