Keine weiteren Stellplätze schaffen

Wohin in Sulingen mit den Lkw bei Nacht?

Dicht an dicht stehen die Lkw abends auf dem Hof der Raststätte Westpoint in Sulingen.
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Jeden Abend sammeln sich die Lkw am Westpoint in Sulingen.

Sulingen – Wer sich gerne Sattelzüge ansieht, hat dazu reichlich Gelegenheit im Sulinger Westen, denn rund um den „Westpoint“ finden sich allabendlich die Gespanne ein – und nicht nur dort. Gibt es in Sulingen überhaupt genügend Stellplätze für den Schwerlastverkehr oder muss hier nachgebessert werden?

„Wir haben am Westpoint sechs ausgewiesene Lkw-Parkplätze“, sagt Lars Jantzon, einer der Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Jantzon, zu der die Einrichtung gehört. Das reiche allerdings nicht aus. Die Fahrzeuge parkten auch in den Nebenstraßen und der Zufahrt. „Das ist diskussionswürdig, weil es vielleicht auch Kunden davon abschreckt, bei uns zu tanken.“ Teilweise stünden die Lkw sogar im angrenzenden Wohngebiet, was für die Anwohner ein Problem sei, denn „unter Umständen verrichten die Fahrer ihre Notdurft da, wo sie gerade stehen.“

Ist es angesichts der Situation nicht sinnvoll, über weitere Stellplätze in Sulingen nachzudenken? „Ganz klar: Nein“, sagt Jantzon. „Das ist die Aufgabe des Staates, weil er die Parameter festlegt für die Lenk- und Ruhezeiten, das kann er nicht auf die Kommunen oder die Unternehmen abwälzen.“

Zusätzliche Stellplätze sind unternehmerisch uninteressant

Aus unternehmerischer Sicht seien zusätzliche Flächen uninteressant, denn „die Fahrer kaufen nur selten in der Tankstelle ein, viele – gerade aus Osteuropa – bringen sich alles mit.“ Auch getankt werde kaum, weil die großen Tanks der modernen Fahrzeuge dafür ausreichten, zu den niedrigeren Spritpreisen in den Nachbarländern zu tanken und ohne Tankstopp durch Deutschland zu fahren.

Auch Parkgebühren hält Jantzon für keine Lösung: Auf Rasthöfen gebe es oft ein Schrankensystem, um die Gebühren zu erheben, aber das koste auch Geld. Auf dem Autohof der Unternehmensgruppe in Diepholz sei versucht worden, Parkgebühren persönlich von Hand zu kassieren, aber „das geht gar nicht, was unsere Mitarbeiterinnen da zu hören bekamen. Gerade ausländische Fahrer erwarten oft, dass sie kostenlos parken und zur Toilette gehen können und sogar noch einen Kaffee oben drauf bekommen, das ist ein Riesendrama.“

Sanitäranlagen müssen bewirtschaftet werden

Dass die Stadt Sulingen an Randstreifen in den Gewerbegebieten bereits zusätzliche Mülleimer aufgestellt habe für die Lkw, die dort ihre Pausen machen, sei schön, „aber es fehlt an allem anderen.“ Wenn, dann müssten dort auch sanitäre Anlagen eingerichtet werden, weil mobile Baustellentoiletten nicht angenommen würden, aber diese Anlagen müssten auch täglich gereinigt und bewirtschaftet werden.

Aus der Warte eines Fuhrunternehmens betrachtet John Henrik Landwehr, einer der Geschäftsführer der in Sulingen ansässigen Unternehmensgruppe Gerdes und Landwehr, die Angelegenheit. „Das Verkehrsgewerbe macht es sich ein bisschen einfach und nimmt den Staat in die Pflicht“, kritisiert er die Branche, „ich sehe das eindeutig nicht so.“

Verkehrsgewerbe macht es sich zu einfach

Grundsätzlich müsse unterschieden werden zwischen Lkw, die nur Pause machen, und der Rast. Die Pause könne überall geschehen, und dafür sei die öffentliche Hand verantwortlich. Nur an den Autobahnen gebe es dagegen Raststätten und privat bewirtschaftete Autohöfe, wo für das Parken bezahlt werden müsse. „Wir erstatten unseren Fahrern die Parkgebühren“, berichtet er, das sei jedoch nicht die Regel. „Der Fahrer ist aber das schwächste Glied.“ Sehr viele würden in die Industriegebiete ausweichen, um Kosten zu sparen, wo aber keine sanitären Anlagen vorhanden seien, und auch an Tankstellen hätten die Fahrer oft nicht die Möglichkeit, die Toilette aufzusuchen. Für sein Unternehmen gelte zumindest, dass deutschlandweit kein Lkw im öffentlichen Raum stehe, sondern nur auf eigenen Flächen.

Verständnis für die Nöte der Fahrer hat Henri Wortmann, einer der Geschäftsführer der Sulinger Schröder-Wortmann Transportorganisation. „Wer bis 18 Uhr keinen Parkplatz hat, findet auch keinen mehr“, weiß der Fuhrunternehmer. „Das ist ein Kampf, deswegen stehen die auch fast schon hochkant auf den Plätzen.“ Auch auf den Parkflächen vor dem Sitz seines Unternehmens im Gewerbegebiet Süd-West stünden häufig auswärtige Fahrzeuge. „Ich habe dafür gekämpft, dass die Parkstreifen breiter werden.“ Das sei eigentlich dafür gedacht gewesen, dass Sulinger, die für auswärtige Speditionen fahren, ihre Gefährte dort abstellen könnten, aber „auch andere haben schnell raus, dass sie hier stehen können.“

Der Fuhrunternehmer sieht die Politik in der Pflicht, denn die habe die Ruhezeit verlängert, ohne auch für entsprechend mehr Stellflächen zu sorgen. Der Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) habe daher mit Unterstützung durch die Kravag Versicherung die Initiative „#Logistikhilft“ ins Leben gerufen, bei der es unter anderem darum gehe, dass Speditionen eine Förderung dafür erhalten, dass sie auf ihren Betriebshöfen nicht genutzte Stellplätze für Fahrzeuge anderer Unternehmen zur Verfügung stellen in Verbindung mit einem Sanitärcontainer für die Fahrer.

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