Seit Juli vollständig im Dienst

Sulingens Stadtarchivar Rolf Fischer: Herauskitzeln aus „stummen Zeitzeugen“

Stadtarchivar Rolf Fischer an seinem Schreibtisch im Sulinger Stadtarchiv.
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Sichtlich Spaß an seiner Arbeit hat Stadtarchivar Rolf Fischer.

Sulingen – „Jeder Tag im Stadtarchiv bringt neue Herausforderungen“, sagt Rolf Fischer. Das ist aber keinesfalls als Beschwerde gemeint, denn: „Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß.“

Der 65-Jährige ist ehrenamtlicher Sulinger Stadtarchivar und damit Nachfolger von Hajo Wieting, der dieses Amt bis Ende 2019 bekleidete. Im Herbst des Jahres sei er von Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, diese Aufgabe zu übernehmen. Nach Rücksprache mit Ehefrau Annette habe er nur eine Nacht überlegen müssen, bevor er zusagte. Nach einigen „Stippvisiten“ bei Wieting habe er ab Anfang 2020 sporadisch im Archiv gearbeitet, weil er zu diesem Zeitpunkt noch in der Sulinger Verwaltung tätig war. Erst im Juli, nach Antritt seines Ruhestandes, sei er im Archiv „voll eingestiegen“.

Die Kernaufgabe sei, wie vom Gesetzgeber verlangt, das Archivieren der nicht mehr von der Verwaltung benötigten Unterlagen. Dazu zählen „prägnante Dokumente“ wie Haushaltspläne, Bauleitplanungen oder auch die Protokolle der länger als zwei Legislaturperioden zurückliegenden Sitzungen von Rat und Verwaltungsausschuss, inklusive der nicht öffentlichen Tagesordnungspunkte. Ebenso aufbewahrt werden müssen Unterlagen aus dem Standesamt – das Sterberegister nach 30 Jahren, das Eheschließungsregister nach 80 Jahren und das Geburtsregister nach 110 Jahren. Dazu gebe es die Anweisung an alle Bediensteten der Verwaltung, alle Dokumente durch den Archivar sichten zu lassen, bevor sie aussortiert oder vernichtet werden.

Kernaufgabe ist das Archivieren der Verwaltungsunterlagen

Alles, was darüber hinausgehe, sei Beiwerk, etwa Unterlagen zu bedeutenden Sulinger Persönlichkeiten oder Familien. „Ein Paukenschlag“ sei gewesen, dass Rudolf Simon im Februar des vergangenen Jahres dem Stadtarchiv vier Aktenordner voller Material übergeben habe, dass er gemeinsam mit seiner inzwischen verstorbenen Schwester Barbara Berger für die Dokumentation „Gegen das Vergessen von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen in Sulingen“ zusammengetragen habe.

Ein eigener Arbeitsplatz für Besucher ist inzwischen eingerichtet worden.

Die Arbeit in Stadtarchiv sei „im wahrsten Sinne des Wortes Verwaltungsarbeit – das Verwalten von stummen Zeitzeugen, aus denen man etwas herauskitzeln kann“, sagt Rolf Fischer. Dabei wachse er mit den Anforderungen, denn auf jede Anfrage müsse er reagieren, und das bringe neue Schätze hervor, die auch ihn in seinen Kenntnissen weiterbringen. Gerade bei handschriftlichen Aufzeichnungen müsse die Schrift oft geradezu gedeutet werden, aber da werde der detektivische Ehrgeiz gepackt: „Die detektivische Arbeit ist das i-Tüpfelchen, der Reiz im Archiv.“ Voraussetzung dafür sei aber ein gut geführtes Findbuch, das den Auffindeort der verschiedenen Dokumente im Archiv enthält.

Arbeitsplatz für Besucher eingerichtet

Hilfreich sei bei der Arbeit unter anderem sein nach wie vor enger Kontakt zur Stadtverwaltung. Auch Hajo Wieting habe ihm Unterstützung bei Bedarf angeboten, und Wilfried Aufderheide kümmere sich weiterhin um das Digitalisieren von Beständen wie der Sammlung alter Ausgaben der Sulinger Kreiszeitung. „Es ist ein gutes Gefühl, darauf zurückgreifen zu können“, stellt Fischer fest.

Eine erste größere Neuerung in seiner Amtszeit ist ein Besucherarbeitsplatz, den er mit Unterstützung von Uwe Schwerdtfeger aus dem Rathaus umgesetzt hat. Sobald die Corona-Verordnungen es zulassen, können Interessierte hier eigenständig in digitalisierten Dokumenten recherchieren. Eigene Forschungsprojekte hat der Archivar noch nicht in Angriff genommen: „Wenn man sich in die Unterlagen vertieft, gibt es überall Anhaltspunkte, aber dafür muss ich erst tiefer in der Materie drin sein.“ Lücken weist noch die technische Ausstattung auf: Aktuell fehlen ein Videorekorder und ein Diaprojektor zum Sichten der Bestände.

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