„Geld ist nur Mittel zum Zweck“

Sulingen: Spielautomaten verschlingen 1,4 Millionen Euro

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Klären über Glücksspielsucht auf: Jens Rusch, Leiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Diepholz-Sulingen, und Sozialarbeiterin und Fachberaterin Glücksspielsucht Leonie Rathmann.

Sulingen – „Geld ist für die Betroffenen nicht Geld“, sagt Jens Rusch, Leiter der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention Diepholz-Sulingen, „sondern vielmehr Mittel zum Zweck.“ Im Jahr 2018 haben die Geldspielautomaten im Gebiet der Stadt Sulingen laut Rusch 1,4 Millionen Euro verschlungen. „Die Zahl der öffentlich zugänglichen Geräte sinkt, aber die Spieleraufwendungen steigen“, erklärt Sozialarbeiterin und Fachberaterin Glücksspielsucht Leonie Rathmann. Für Mittwoch, 25. September, plant sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Lisa-Marie Kathmann Aktionen anlässlich des bundesweiten Aktionstages Glücksspielsucht.

Insgesamt 52 Geldspielautomaten sind nach Angaben der Mitarbeiter der Fachstelle am Standort Sulingen registriert; 36 von ihnen stehen in sogenannten Spielhallen. 16 weitere sind in örtlichen Gaststätten frei zugänglich. Auf ein Spielgerät kommen im Mittelzentrum aktuell 354 Einwohner; im Landesdurchschnitt sind es 411. Niedersachsenweit nimmt Sulingen im Ranking von 200 Städten und Gemeinden Platz 55 ein.

Rusch und Rathmann begrüßen das Engagement des Gesetzgebers und der Kommunen, das kommerzielle Glücksspiel zu reglementieren. Leonie Rathmann: „Wobei dadurch das Problem nicht kleiner wird.“

Ist, etwa, die Zahl der Spielgeräte pro Spielhalle in den Jahren 2012 bis 2018 im Landesdurchschnitt von 16,65 auf 12,93 gesunken, steigen die Einnahmen der Branche weiter. „Kontinuierlich“, so Rathmann. Vom Jahr 2012 bis zum Jahr 2018 seien die Bruttoeinnahmen der Aufsteller landesweit von 369 Millionen auf 452 Millionen Euro gewachsen.

Für Jens Rusch und Leonie Rathmann alarmierende Zahlen, die sich auch in zunehmenden Bedarfen an Beratungen und Behandlungen widerspiegeln. Der Fachstellenleiter spricht von 49 Beratungen und Behandlungen im Jahr 2018 allein am Standort Sulingen. „Das sind Menschen wie du und ich, die nicht mehr wissen, was sie tun. Über die Tragödien, die sich hinter den einzelnen Fällen verbergen, wird so gut wie nie etwas öffentlich bekannt.“

Rusch weiß, wovon er spricht. Seit 30 Jahren ist die Fachstelle in Sulingen ansässig; residiert aktuell im Gebäude Lange Straße 48. Hier sind auch für kommenden Mittwoch die Aktionen anlässlich des landesweiten Aktionstages geplant.

Konkret betreuen Leonie Rathmann und Lisa-Marie Kathmann an der Langen Straße in der Zeit zwischen 9 und 14 Uhr einen Informationsstand mit einem Glücksrad. „An dem es auch Kleinstpreise zu gewinnen gibt“, erklärt Sozialarbeiterin Rathmann. Die Form der Darstellung habe man mit Bedacht gewählt: „So kann man den Leuten schnell klar machen, wie man sich fühlt, wenn man etwas gewinnt. Das löst bei den Menschen viel aus. So kommt man schnell ins Gespräch.“ Ergänzt wird das Angebot durch die Möglichkeit einer speziellen Telefon-Beratung am Nachmittag (14 bis 16 Uhr, Tel. 0 42 71 / 14 00).

Überschrieben ist der landesweite Aktionstag mit dem Titel „Schreddern wäre eine Alternative“. Leonie Rathmann wirkte in der Vorbereitungsgruppe der teilnehmenden Suchtberatungsstellen mit.

Nach Angaben der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen können in Niedersachsen etwa 51 000 Menschen als glücksspielsüchtig beziehungsweise suchtgefährdet bezeichnet werden. Von den Betroffenen sind 90 Prozent Männer; meist im Alter zwischen 20 und 45 Jahren.

Geldspielgeräte in Spielhallen und gastronomischen Betrieben gelten demnach als besonders risikoreich.

Im vergangenen Jahr haben sich in Niedersachsen mehr als 1 400 Glücksspielsüchtige und ihre Angehörigen in Suchtberatungsstellen beraten lassen.  oti

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