Erinnerung an den großen Brand vom 12. September 1719: Aktionen geplant

Als Sulingen in Schutt und Asche lag

Nachher: Der Plan, gezeichnet von Leutnant Eden.

Sulingen – Es ist 10 Uhr am Vormittag des 12. September 1719. Ein Spätsommertag, an dem der Wind ein wenig Kühlung verschafft. Ein starker Wind allerdings, der das Feuer anfacht, das am Ende 82 Wohnhäuser und 44 Nebengebäude erfasst. „Und damit Sulingen in Schutt und Asche legt“, wie es in der Stadtchronik über „den großen Brand“ heißt. Am kommenden Donnerstag, 12. September, jährt sich der Jahrestag zum 300. Mal.

Rund um die Kirche, eines der wenigen Gebäude, das erhalten blieb, informieren die Mitglieder des Sulingen Projektes über ihr Vorhaben, „Stück für Stück Licht in zehn Jahrhunderte Sulingen zu bringen“.

Es gibt Informationen zur Stadtgeschichte sowie Führungen – auch auf den Kirchturm. Und es gibt Bärentatzen.

„Sulingens ältester Brauch“

Führungen bietet Kerstin Melloh-Kordes an: um 14 und um 18 Uhr. Um 18 Uhr ergänzt um das Fachwissen von Jörn Bergmann: Der junge Sulinger lädt ein, mit ihm auf den Kirchturm zu kraxeln. Hier verrät er mehr über „Sulingens ältesten Brauch“.

Der große Brand 1719 war nicht das erste verheerende Feuer in Sulingen im 18. Jahrhundert: 1705 brannten die Superintendentur, das Kantorhaus, der Ratskeller und weitere Gebäude ab. Auch der obere, hölzerne Teil des Kirchturms brannte und dabei schmolz die Glocke. Eine neue Glocke wurde 1713 gekauft – und läutet seit dem Jahr 1719 täglich um 7, 12 und 19 Uhr. Dreimal drei Schläge: Die Länge passt genau, um ein Vaterunser zu sprechen. Verfügt hat dies einst der Superintendent, aus Dankbarkeit, für alle Helfer beim großen Brand.

Das waren viele, denn: 750 Menschen waren obdachlos, hatten nur wenige Habseligkeiten retten können, einen Teil des Viehs. „Man kann sich nicht vorstellen, was das im Jahr 1719 für die Menschen bedeutet hat“, sinniert Kerstin Melloh-Kordes. Als Stadtführerin und Mitglied des Sulingen Projekts kennt sie historische Dokumente zuhauf Jedoch: „Bedauerlich für die Sulinger Ortsgeschichte ist, dass fast alle Schriftstücke ein Opfer der Flammen wurden und wir uns daher kein lückenloses Bild vom Leben jener und der vorhergehenden Zeit mehr machen können“, heißt es seitens des „Sulingen Projektes“.

Die Obdachlosen seien in allen Ämtern der Grafschaft Hoya, in Harpstedt und Wildeshausen untergebracht worden und konnten erst mit dem fortschreitenden Wiederaufbau Sulingens zurückkehren, heißt es in der Stadtchronik.

Die Sulinger Brandkatastrophe hatte weitreichende Konsequenzen: König Georg verfügte am 21. September 1719, nur neun Tage nach dem Brand, dass alle Pfeifen künftig mit einem Deckel aus Metall zu versehen seien. Wer ohne diesen Deckel Pfeife rauchte, musste zwei Taler Strafe zahlen, je ein Taler erhielten der Denunziant und die örtliche Obrigkeit.

Für den Wiederaufbau wurden Richtlinien erlassen: breitere Straßen, größerer Abstand der Häuser zueinander, Schornsteine sollten eingebaut werden – Strohdächer wurden verboten.

Den Wiederaufbau leitete der Ingenieur-Leutnant Eden aus Nienburg. Er zeichnete Pläne von Sulingen vor und nach dem Brand, beide Skizzen sind heute noch erhalten. Ihm verdankt Sulingen seinen historischen Stadtkern – das Mittelzentrum ist seitdem von Großbränden verschont geblieben.

Ein Blick zurück in die Sulinger Geschichte, Infos über das „Sulingen Projekt“, „Sule-Wein“ und Bärentatzen probieren: Das ist am 12. September 2019 an der St.-Nicolaikirche möglich. Gästeführungen sind für 14 und 18 Uhr (um 18 Uhr mit Kirchturmbesteigung) geplant (Anmeldungen unter kontakt@sulingen-projekt.de, ab Montag auch telefonisch unter 01 72 /8 92 38 39).  sis

Infos

www.sulingen-projekt.de

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