Innovations- und Prototypenabteilung geplant

Lloyd Shoes in Sulingen: Nach Produktions-Aus soll Standort gesichert werden

Die Produktion läuft noch: Schuhfertigerinnen von Lloyd Shoes in Sulingen kontrollieren ein Modell.
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Die Produktion läuft noch: Schuhfertigerinnen von Lloyd Shoes in Sulingen kontrollieren ein Modell.

Sulingen – Stressige Wochen erlebt derzeit Gerd Beich, Vorsitzender des Betriebsrats von Lloyd Shoes in Sulingen. Seit der Schuhhersteller ankündigte, die Produktion in Deutschland komplett einzustellen, führt er viele Gespräche. „Wir tagen täglich“, sagt der 61-Jährige, doch dabei geht es nicht nur darum, die Folgen für die Beschäftigten zu mildern, sondern auch um die Zukunft: Aktuell laufen Planungen, den Standort zu sichern durch den Aufbau einer Innovations- und Prototypen-Abteilung.

Im Sommer hatte das Unternehmen angekündigt, die Schuhfertigung künftig ausschließlich in Rumänien und Indien anzusiedeln. Für den Standort Sulingen bedeute das den Abbau von 125 Vollzeitstellen. Nur 67 davon seien in der Produktion, aber alle anderen Bereiche seien auch betroffen. Von nur zehn Mitarbeitern wisse er, dass sie bereits das Unternehmen für eine neue Stelle verlassen haben oder eine neue in Aussicht hätten. Von vielen Firmen aus der Region gebe es aber bereits Anfragen nach Arbeitskräften: „Wir haben in der Kantine eine ganze Doppelwand voller Stellenangebote.“ Man werde nicht alle retten können, aber „wir haben eine gute Altersstruktur, und wir haben immer gut ausgebildet.“

Lloyd Shoes in Sulingen: Innovationsabteilung soll Entwicklung vorantreiben

Eine weitere Möglichkeit soll die Innovationsabteilung bieten. Ihre Aufgabe: Die Entwicklung vorantreiben in den unterschiedlichsten Bereichen – ob neue Produkte, neue Fertigungstechniken, neue Materialien und Materialersparnisse, Umweltschutz, Lieferketten oder neue Verkaufsstrategien. Diese Entwicklungen sollten vorrangig Lloyd zugutekommen, aber auch dem Mutterkonzern Ara.

„Wir wollen hoch qualifizierte Arbeitsplätze schaffen und damit Facharbeiter weiter ausbilden.“ Je innovativer die Abteilung sei, desto mehr Arbeitsplätze könnten damit gesichert werden. „Das sind einzelne Bausteine, aus denen wir eine stabile Wand aufbauen, die die nächste Sturmflut aufhält“, hofft der Sulinger.

Das Schaffen einer solchen Abteilung sei schon vor Corona in Vorbereitung gewesen, aber bereits die beiden vergangenen Jahre seien – trotz schwarzer Zahlen – wirtschaftlich schwierig gewesen, und für 2020 werde ein Umsatzrückgang von 132 Millionen Euro auf 87 Millionen Euro erwartet. „Januar und Februar liefen eigentlich noch gut, aber Corona hat alle Reserven weggeschmolzen.“ Auf Lager habe das Unternehmen immer noch Hunderttausende Paar Schuhe, für die Käufer gesucht würden, aber die Kunden bräuchten jetzt nicht mehr Schuhe als vorher, und zum Teil gebe es firmeneigene Shops auf Flughäfen, die immer noch geschlossen seien. „Jetzt versuchen wir, ein Licht am Ende des Tunnels zu bekommen.“

Lloyd Shoes in Sulingen: Innovationsabteilung soll bis 2022 in Betrieb gehen

Der Aufbau der Innovationsabteilung sei allerdings aufwendig und kostspielig: „Die Maschinen, die wir brauchen, müssen zum Teil erst noch entwickelt werden, und dafür sind große Investitionen nötig, weil einzelne Maschinen schon eine Million Euro und mehr kosten“, erläutert Beich. Daher strecke man „die Fühler nach allen Seiten aus“, und hoffe, die Abteilung bis 2022 vollständig in Betrieb zu haben.

Dazu zählt auch ein Besuch in Berlin am Donnerstag, bei dem neben Beich und seinen Betriebsratskolleginnen Katja Paschke und Silvia Klenke auch die Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller und Jörg Wetzel sowie Andreas Wortmann als Vorstandsvorsitzender der Ara-Gruppe im Bundeswirtschaftsministerium mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Elisabeth Winkelmeier-Becker und den Leitern der drei Fachreferate „Nationale und internationale Innovations-und Technologiepolitik“, „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ und „Konsumgüter Industrie“ sprachen; per Video zugeschaltet war zudem Kathrin Göhner aus dem Niedersächsischen Wirtschaftsministerium.

Lloyd Shoes in Sulingen: Nach Produktions-Aus schaltet sich Politik ein - Sozialplan wird verhandelt

Den Kontakt hergestellt hatte der heimische Bundestagsabgeordnete Axel Knoerig (CDU), der zusammen mit dem Landtagsabgeordneten Marcel Scharrelmann (CDU) am Gespräch teilnahm. „Es ist noch nichts in trockenen Tüchern“, fasst der Betriebsratsvorsitzende zusammen, aber es habe klare Anforderungen für schlüssige Konzepte gegeben, um eine Unterstützung von Bund und Land zu erhalten. „Wir haben einen der modernsten Logistikbereiche in der Schuhindustrie, und das hilft, dass man uns Innovation auch zutraut.“ Die Gespräche seien sehr konstruktiv gewesen, und Betriebsrat, Geschäftsleitung und Politik zögen an einem Strang, um den Standort zu sichern und zukunftsfähiger zu machen. Das Ziel sei „weniger Stellen abbauen müssen und irgendwann wieder wachsen“.

Parallel dazu liefen aber die Verhandlungen weiter über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan. In der kommenden Woche werde es zudem in Hannover Gespräche mit der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie Energie geben über die Einrichtung einer Transfergesellschaft, die aber „die Leute nicht parken, sondern in eine neue Stelle vermitteln“ solle. „Alle haben hier einen guten Job gemacht, und die persönliche Betroffenheit ist sehr groß“, betont Beich ausdrücklich.

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