1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Sulingen

Sulingen: Personalausweise für „Karlas“ Storchen-Küken

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Martina Kurth-Schumacher

Kommentare

Ans Werk! Dr. Volker Blüml übernahm die „Personalisierung“ des Storchen-Nachwuchses.
Ans Werk! Dr. Volker Blüml übernahm die „Personalisierung“ des Storchen-Nachwuchses. © Kurth-Schumacher

Jungstörche aus dem Wichtelgarten werden beringt, um ihnen eine Identität zu geben. Doch das führt manchmal auch zu traurigen Nachrichten. So wurde ein 2021 in Sulingen beringter Storch in Frankreich tot aufgefunden.

Sulingen – Am 16. März 2021, wenige Wochen nach der Schaffung des Nistangebots, hatte Storch „Kalle“ Einzug im Horst auf dem Tierhof des „Wichtelgartens“ gehalten, Störchin „Karla“ gesellte sich zehn Tage später dazu. Es folgten Familiengründung und Bruterfolg.

Neben Eseln, Alpakas und Ponys ist die Storchenfamilie seitdem selbstverständlicher Teil des vom Verein Wichtelgarten getragenen Tierhofs, auf dem Kinder und Erwachsene Natur (er)leben können. „Wir wollen die Menschen für die Natur begeistern“, erklären Karl-Heinz Jantzon und Claudia Ehlers. Finanziert werden die Projekte allein aus Spenden.

„Kalle“ und „Karla“ standen am Samstagmorgen im Mittelpunkt des Interesses. Sie hatten „ihren“ Horst auf dem Tierhof im Sulinger Westen im Frühjahr 2022 erneut besetzt und zwei Jungvögel ausgebrütet. Für die fünfeinhalb Wochen alten Nestlinge stand jetzt die Beringung durch Dr. Volker Blüml an. Er ist seit 1995 ist ehrenamtlicher Weißstorchbetreuer des Landes Niedersachsen und des NABU-Landesverbands. Zunächst war er zuständig für die Region Osnabrück und Dümmer, 2014 übernahm er auch den östlichen Landkreis Diepholz. „Damals war das platte Land hinter dem Dümmer nahezu storchenfrei, nur in Ströhen gab es zwei Brutpaare“, erinnert sich Blüml. In den letzten Jahren habe sich die Population äußerst positiv entwickelt: „2021 habe ich im östlichen Landkreis 20 Brutpaare betreut, Tendenz: steigend.“

Die Beringungsaktion der Küken in luftiger Höhe blieb von den Stocheneltern nicht unbeobachtet.
Die Beringungsaktion der Küken in luftiger Höhe blieb von den Stocheneltern nicht unbeobachtet. © kurth-Schumacher

Als Grund nennt er die Anpassung der Störche an die Verhältnisse in intensiv ackerbaulich genutzten Landschaften, aber auch die deutlich verkürzten Routen in ihre Überwinterungsgebiete: „Früher zogen die Störche bis auf den afrikanischen Kontinent, angesichts des Klimawandels bleiben mittlerweile viele von ihnen in Spanien; dadurch ist die Überlebensrate deutlich gestiegen.“

Dr. Volker Blüml erhält vom Institut für Vogelforschung (Vogelwarte Helgoland, Beringungszentrale) für seinen Bereich jährlich 50 bis 60 Ringe, damit kann er rund ein Viertel der Jungstörche kennzeichnen. Die Buchstaben-Zahlenkombination auf den Ringen ist gewissermaßen der Personalausweis der Vögel und gibt beim Wiederfund Aufschluss über die jeweilige Herkunft. In diesem Zuge erreichte den Wichtelgarten eine traurige Nachricht. Der Nestling aus Sulingen-West (TK 3318), den Blüml am 19. Juni 2021 beringt hatte, wurde 64 Tage später im 532 Kilometer entfernten Éclaron-Braucourt-Sainte-Livière in Frankreich tot aufgefunden: Er war in eine Stromleitung geraten.

Auch interessant

Kommentare