Prototyp des Bürgerpolizisten

Nach über 40 Jahren Polizeidienst: Reiner Bergmann wechselt in den Ruhestand

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Wechselt in den Ruhestand: Reiner Bergmann.

Sulingen - Uwe Ruppe spricht von einem „Verlust für die Dienststelle“, Andrik Hackmann nickt. „Reiner hinterlässt eine Lücke, die wir so schnell nicht schließen werden.“ Erster Polizeihauptkommissar Ruppe, Leiter des Polizeikommissariates in Sulingen, und Polizeihauptkommissar Hackmann, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes des Kommissariates, verabschiedeten gestern Morgen Polizeihauptkommissar Reiner Bergmann in den Ruhestand; nach 43 Jahren im Polizeidienst. 40 Jahre war Bergmann am Standort Sulingen eingesetzt.

Für den 62-Jährigen sei der letzte Arbeitstag einer, wie jeder andere, sagt er. Morgens noch hatte er mit Kollegin Sonja Fehrs in Schweghaus einem Mitbürger geholfen, Schafe einzufangen. Am späten Vormittag registrierte Bergmann dann doch, dass der Ruhestand naht.

„Bergi“, wie ihn die Kollegen kameradschaftlich rufen, schüttelt zunächst in den Räumen der Polizeidienststelle, später im Restaurant Dahlskamp in Nordsulingen unzählige Hände; von aktuellen Kollegen und von ehemaligen Wegbegleitern. Sie lassen es sich nicht nehmen, dem scheidenden Polizeibeamten ihre Wertschätzung zu bezeugen.

Einstieg in einen Polizeikäfer aus einem Baujahr Mitte der 50-Er: Uwe Ruppe (2.v.r.) und Andrik Hackmann (r.) kutschierten Reiner Bergmann (am Auto links) mit Blaulicht und Martinshorn in den Ruhestand. 

Uwe Ruppe über Reiner Bergmann: „Er hat sich auch dann noch wohlwollend mit schwierigem Klientel beschäftigt, wenn anderen schon der Kamm schwillt.“ Bergmann sei ein „Prototyp des Bürgerpolizisten“, „immer gut drauf und mit einer überaus positiven Einstellung zum Leben; aber genauso zum Beruf“. Andrik Hackmann: „Mit Reiner geht ein Stück Seele der Dienststelle, das Urgestein der Polizei in Sulingen.“ Polizeioberkommissarin Sonja Fehrs, Partnerin von Reiner Bergmann im Bereich der Präventionsarbeit: „Reiner ist der weltbeste Kollege.“

Der zukünftige Ruheständler kam 1975 auf Umwegen zur Polizei. Seine Kindheit habe er im Altkreis Bersenbrück erlebt, die Schulzeit in Bramsche und dann die Ausbildung zum Starkstromelektriker bei der Fahrleitungsmeisterei der Bundesbahn in Osnabrück. „Dann sollte ich Lok-Führer werden, habe mich dann aber für eine Bewerbung bei der Polizei entschieden.“ Eine Entscheidung, die er nie bereut habe, sagt der Wahl-Sulinger heute, der auch im Ruhestand dem Mittelzentrum die Treue halten will.

Die Polizeiausbildung absolvierte Bergmann in Bad Iburg, wechselte dann zur Bereitschaftspolizei in Oldenburg, am 1. April 1978 schließlich an die Dienststelle in Sulingen. Zwei Monate später verlegte er mit Ehefrau Ingrid seinen Wohnsitz von damals noch Bramsche nach Sulingen.

Die Erfahrungen, die er in vier Jahrzehnten Polizeidienst am Standort Sulingen sammelte, wolle er nicht missen, sagt er. Mit Blick auf die Kolleginnen und Kollegen: „Man ist immer wieder mit anderen Menschen zusammengekommen. Ich wollte hier nie weg. Das war eine tolle Zeit.“

Spaß habe ihm die Arbeit „mit den jungen Leuten“ gemacht. Dem Berufsnachwuchs empfiehlt Reiner Bergmann, „nicht den Spaß“ zu verlieren: „Man muss lernen, auch mal unliebsame Entscheidungen zu akzeptieren. Es geht immer weiter; irgendwie.“

Kaum ein Schüler in der Region Sulingen, der den „Mitarbeiter für den Bereich Prävention“ des Polizeikommissariates Sulingen nicht kennt. Kontakte zu Schulen, selbst Fahrradüberwachungen seien ihm immer wichtig gewesen, sagt Bergmann, „auch wenn sich die Aufgaben im Laufe der Zeit verlagert haben.“ Ermittlungen im Nachgang zu Radarüberwachungen oder nach Unfallfluchten hätten gerade in jüngster Zeit immer mehr Aufmerksamkeit gefordert. „Das wird halt immer mehr.“

Ginge es nach Reiner Bergmann, würde er sich auch im Ruhestand der Präventionsarbeit widmen. Erste Gespräche seien geführt, „aber fix ist da noch nichts.“

Derweil habe sich Ehefrau Ingrid schon weiterführende Gedanken über die zukünftige Freizeitgestaltung des 62-Jährigen gemacht. „Bei uns zuhause liegen schon Anmeldungen für Koch- und Bügelkurse.“ Reiner Bergmann runzelt die Stirn: „Ich weiß ja nicht...“ 

- oti

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