Verlegung der Abteilungen nach Bassum im Gespräch / „Noch keine Strategie“

Große Sorge um Sulinger Klinik: Kurz vor Schließung?

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Welche Zukunft hat die Klinik Sulingen? Das Strukturgutachten des Landkreises über die Alexianer-Kliniken soll Antworten geben.

Sulingen - Von Anke Seidel. Noch liegt das Landkreis-Gutachten über die Alexianer-Kliniken im Landkreis Diepholz nicht vor. Trotzdem herrscht große Angst unter den Krankenhaus-Mitarbeitern: Sie befürchten, dass die Sulinger Klinik geschlossen wird – und ihre Abteilungen nach Bassum verlegt werden. Dafür soll der Neubau der Psychiatrie umgewidmet werden.

Der politisch viel diskutierte Leerstand des Twistringer St. Annen-Stiftes wäre damit vom Tisch, denn die Psychiatrie würde dort bleiben. Eine Information, die sich unter der Hand bis in den politischen Bereich verbreitete. Derweil dementieren die Alexianer-Kliniken: „Wir wissen, dass alle möglichen Gerüchte kursieren“, so die kaufmännische Direktorin Brigitte Bösch auf Anfrage. „Sie sind in der Grundlage haltlos“, fügte sie hinzu – und betonte: „Wir warten auf das Gutachten, das der Gesellschafter Landkreis Diepholz in Auftrag gegeben hat.“

Hintergrund sind – wie bei zwei Drittel der Krankenhäuser in Niedersachsen – bedrohlich rote Zahlen: Knapp vier Millionen Euro betrug das Minus der Kliniken im Landkreis 2014. Mit einer Million Euro jährlich beteiligt sich der Gesellschafter Landkreis Diepholz (48 Prozent der Anteile) am Defizit-Ausgleich. Weil dieses Geld nicht ausreicht, dürfen die Kliniken Investitionzuschüsse des Landkreises (allein drei Millionen Euro für 2014) zur Überbrückung von Zahlungsengpässen nutzen. Kreistagspolitiker befürchten, dass am Ende des laufenden Jahres ein Defizit von fünf Millionen Euro stehen könnte – wenn sich nicht genügend Patienten für eine Behandlung in den Alexianer-Kliniken entscheiden.

Der Neubau der Psychiatrie in Bassum.

Als deren Mitgesellschafter gab der Landkreis das Strukturgutachten in Auftrag, das fachlich fundierte Optionen für die Zukunft aufzeigen soll. Auf dieses Papier wartet nicht nur die Geschäftsführung der Alexianer, sondern auch der Betriebsrat. Was sagt dessen Vorsitzender Harald Schardelmann zur möglichen Schließung des Sulinger Krankenhauses und die Verlegung der Abteilungen in den Neubau der Bassumer Psychiatrie? „Das kann ich weder bestätigen noch dementieren“, lautete seine Antwort. Der Betriebsrat sei in die Planungen für das Krankenhaus nicht eingeweiht. „Aber wir arbeiten daran, dass wir das werden!“, erklärte Schardelmann – und betonte: „Genauso wie die Geschäftsführung sind wir beunruhigt darüber, dass der Landkreis dieses Gutachten in Auftrag gegeben hat.“

Rund 300 Mitarbeiter arbeiten in der Sulinger Klinik. Sie behandelt Patienten in der Unfallchirurgie, der Orthopädie, der Neurochirurgie und der Inneren Medizin. Dass Mitarbeiter-Verträge nur noch befristet abgeschlossen werden, werten Patienten als Indiz für die Schließung. Dem widerspricht der Betriebsratsvorsitzende allerdings: „Das ist nichts Neues und generell so – ein Fluch des Teilzeit- und Befristungsgesetzes.“ Unabhängig davon: „Bedauern und Schockstarre“ hatte Ende des Jahres in Sulingen die Kündigung des Chefarztes Dr. Rainer Denstorf-Mohr und seines Oberarztes Ortwin Schneider ausgelöst.

Gezielte Suche nach Ärzten

Ihre Stellen wollen die Alexianer wieder besetzen: „Wir sind intensiv auf der Suche“, erklärte die kaufmännische Direktorin Brigitte Bösch. Beide Ärzte hatten weit über die Region hinaus einen guten Ruf – und Patienten in den Landkreis gezogen. Eine Verlegung der Abteilungen von Sulingen nach Bassum halten Fachleute durchaus für machbar – zumal die somatische Klinik Bassum erst vor wenigen Jahren renoviert wurde und Operationsräume zur Verfügung stehen. Doch der Umzug in die Psychiatie dürfte ohne Zustimmung aus Hannover kaum möglich sein: 17,5 Millionen Euro hatte das Land allein für den Psychiatrie-Neubau gezahlt.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Volker Meyer ist Mitglied im Aufsichtsrat der Alexianer-Kliniken und Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion. Wie bewertet er die aktuelle Situation? Für den Aufsichtsrat verwies er auf seine Schweigepflicht: „Darüber darf ich nicht reden.“ Als Unions-Fraktionschef betonte Meyer: „Für uns gibt es noch keine Strategie! Bevor wir das Gutachten nicht vorliegen haben, werden wir nicht über Strategien sprechen.“ Landrat Cord Bockhop, ebenfalls Mitglied im Alexianer-Aufsichtsrat, formulierte seinen Standpunkt in nur fünf Worten: „Es gibt noch keine Strategie!“

Auch er verwies auf das Gutachten, das am 10. April im Kreisausschuss erstmals thematisiert werden soll – um Antworten auf etwaige noch ungeklärte Sachfragen zu finden. „Öffentlich vorgestellt wird das Gutachten am 11. Mai im Kreistag“, sagte Bockhop. Im Neubruchhauser Gasthaus „Zur Post“ haben Krankenhaus-Mitarbeiter und Bürger dann die Möglichkeit, sich direkt zu informieren. Heinz Riedemann, Kreistagspolitiker und Vorsitzender des Sulinger Krankenhaus-Fördervereins, hofft derweil von Herzen, „dass wir eine positive Lösung für Sulingen finden“.

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