Sulingen: Inklusive Handballgruppe wächst und wächst / „Neue Erfahrungen“

„Das ist mal was anderes“

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Martina Zimmermann (links) und Wiebke Wall (rechts) mit Sportlern der inklusiven Handball-Gruppe.

Sulingen - Von Carsten Schlotmann. Jutta ist 50 Jahre alt – und war vor fünf Wochen eine der Frauen der ersten Stunde. „Das ist mal was anderes“, sagt sie. Die Teilnahme an den Übungsstunden der Abteilung Handball des TuS Sulingen ist für sie inzwischen zur selbst gewählten Pflicht geworden. Am 30. September hatte die Abteilung Handball mit Unterstützung der Delme-Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Sulingen und der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz eine inklusive Trainingsgruppe ins Leben gerufen. Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen trainieren mittwochs ab 16 Uhr in der Sulinger Edenhalle gemeinsam.

Die Gruppe wächst – und wächst. Am 21. September zählten die ehrenamtlichen Übungsleiterinnen Wiebke Wall und Martina Zimmermann neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Am Mittwoch dieser Woche waren es 18, zwölf davon mit Beeinträchtigungen. Wall: „Unser Ziel war und ist, Menschen mit und ohne Behinderungen über den Sport zusammenzuführen. Um das Gleichgewicht in der Gruppe zu halten, sollten wir noch den einen oder anderen Teilnehmer ohne Beeinträchtigung für uns gewinnen.“ Martina Zimmermann: „Ehemalige Handballer, die – aus welchen Gründen auch immer – aufgehört haben, Seiteneinsteiger oder auch nur Leute, die Lust haben, sich in der Gruppe mit Hand und Ball zu bewegen und sich nicht so dem Leistungsdruck aussetzen wollen.“

Zimmermann und Wall kennen sich aus im Handballsport, verfügen beide über die Trainer-C-Lizenz. Sie trainierten bisher Jugend- und Damenmannschaften. Während Martina Zimmermann auch beruflich in der Betreuung von Menschen mit Behinderungen engagiert ist, betrat Wiebke Wall mit dem Einstieg in das Projekt Neuland: „Als Trainer sammelt man völlig neue Erfahrungen. Von der Disziplin, die in der Gruppe herrscht, kann sich manche Frauen- oder Männerschaft eine Scheibe abschneiden. Alle wollen lernen. Und der Spaß kommt dabei nicht zu kurz.“

Das Niveau der Trainingseinheiten stimmen die beiden Trainerinnen auf die Fähigkeiten der jeweiligen Teilnehmer ab. „Wir wollen keinen überfordern, aber auch niemanden unterfordern. Meistens reguliert sich das in der Gruppe selbst. Man muss bei den Aufgaben eben darauf achten, dass sie nur vom Team zu lösen sind.“

Die Trainingseinheiten sind immer ähnlich gestaltet: Warm-up mit Laufen, Dehnübungen, Koordinationsaufgaben und leichtes Krafttraining; am Ende wird der Ball in die Hand genommen.

Die Teilnehmer sind mit Begeisterung und vor allem aufmerksam bei der Sache. Leon, eigentlich Fan des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, der beim Eintreffen an der Halle am Mittwoch noch lautstark das 3:1 des FC Bayern München gegen den VfL Wolfsburg im DFB-Pokal gefeiert hatte, hat inzwischen auf Handball umgestellt, will keine Anweisung, keinen Hinweis der Trainerinnen verpassen. Dem Spaß schadet das nicht: Manfred (29) fordert Trainerin Martina Zimmermann schon vor Trainingsbeginn zum persönlichen Duell, Larissa (17) kann es kaum abwarten, marschiert beim Eintreffen an der Halle schnurstracks in Richtung der Umkleidekabinen; ohne nach links oder rechts zu gucken. Larissas Mutter, Andrea Borchert: „So kenne ich meine Tochter gar nicht.“ Borchert begrüßt das Angebot des TuS: „Sonst gibt es hier kaum welche in dieser Richtung.“ Und auch Mohamed ist zufrieden. Kaum ein Wochenende, an dem er nicht als Zuschauer oder Helfer zum Handball in die Edenhalle kommt. „Jetzt kann ich auch selbst trainieren.“

Pate für das Projekt des TuS stehen die Bemühungen des Deutschen Handballbundes (DHB), bundesweit in Vereinen und Abteilungen Menschen mit und ohne Handicap die gemeinsame Teilnahme am Handballsport zu ermöglichen; nicht nur als Zuschauer, sondern auch als Aktive oder Helfer.

„Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Wiebke Wall. Jutta nickt: „Das ist mal was anderes.“

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