„Derzeit die einzige Chance“

Sulingen: Stadtrat will Pläne für Landesbuslinie geprüft wissen

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Blick auf den leeren Sulinger Busbahnhof: Die Werbung für die Nutzung möglicher Landesbuslinien sehen die Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt Sulingen als Gemeinschaftsaufgabe.

Sulingen - Am Montag auf den Tag genau vor zwei Wochen hatte Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies das neue Förderprogramm für Landesbuslinien vorgestellt – und damit die Absicht, schnelle ÖPNV-Verbindungen für die Mittelzentren im Land zu schaffen, wo es an Schienenstrecken fehlt.

Nach Bürgermeister Dirk Rauschkolb sehen auch die Fraktionen und Gruppen im Rat der Stadt Sulingen Handlungsbedarf für das Mittelzentrum; auch für eine Optimierung der Busverbindung zwischen Bassum und Sulingen, primär aber in punkto Anschlüsse an die Bahnhöfe in Nienburg und Diepholz. Laut Wirtschaftsförderer Martin Koenen stehen am Donnerstag erste Gespräche mit den Landkreis an.

Thema dabei ist im Schwerpunkt der Anschluss an den Bahnhof in Nienburg. Koenen: „Bisher haben wir unter Beteiligung des Zweckverbandes Verkehrsverbund Bremen / Niedersachsen über insgesamt zehn zusätzliche Touren in der Woche gesprochen; in den Abendstunden und an Wochenenden. Jetzt müssen wir sehen, ob wir gegebenenfalls auf die Landesbuslinien aufspringen.“

Der Wirtschaftsförderer weiß um die hohen Anforderungen, die das Wirtschaftsministerium an die Linien stellt, die von den Kommunen mitzufinanzieren sind: Die Busse müssen an allen Wochentagen zwischen 6 und 23 Uhr im Stundentakt verkehren und jeweils über Klimaanlage, WLAN-Anschluss sowie über eine komfortable und sichere Überlandbestuhlung verfügen. Ein barrierefreier Einstieg gilt heute als Standard. Koenen: „Das Förderprogramm ist über die Dauer von 60 Monaten ausgelegt. Man muss einen langen Atem haben, bis solche Angebote angenommen werden.“

Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb: „Der Landkreis hat Sulingen auf dem Schirm. Das haben uns die Gespräche der letzten Tage gezeigt. Jetzt geht es darum, die Kosten mit dem Nutzen abzuwägen. Dann stehen Gespräche mit den Nachbarn in Nienburg an.“

Uwe Overhoff von den Freien Wählern hält insbesondere eine gut getaktete ÖPNV-Anbindung an die Nachbarschaft Nienburg für wichtig. „Allerdings auch nicht zu jedem Preis. Wir müssen grundsätzlich auch den Haushalt im Blick haben.“ Der Fraktionsvorsitzende sieht in dem Ausbau des ÖPNV ein Instrument, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Beispiel Klinik Sulingen: „Gerade für junge Assistenzärzte spielt der ÖPNV doch eine große Rolle. Man hört immer wieder von jungen Ärzten aus dem Großraum Hannover, dass sie sich zwar grundsätzlich ein Engagement in Sulingen vorstellen können, dann aber vor den Autofahrten zurückschrecken.“

Walter Legler von der Gruppe „FDP / Bürger erreichen“: „Die Landeslinien sind für Sulingen eine echte Chance. Es ist zwar kein Ersatz für die ökologisch sinnvollere Schiene; aber ohne eigenes Auto bist du hier doch am Arsch.“ Die Busverbindung in Richtung Bassum habe gezeigt, dass ein Bedarf an Mobilität ohne eigene vier Räder durchaus vorhanden ist. Aber: „Nicht Bremen ist der Schlüsselbahnhof, sondern Hannover.“ Und auch die Optimierung der Anbindung Sulingens an Diepholz habe ihren Charme: „Vor allem, wenn man in Richtung Osnabrück oder Münster will. Das geht auch heute schon über Bassum, kostet aber wesentlich mehr Zeit. Ich glaube, dass wäre gut investiertes Geld.“

Ähnliche argumentieren mit Matthias Wendland und Gunter Koop die Spitzen von CDU und SPD im Rat der Stadt Sulingen. Matthias Wendland: „Wir kämpfen schon seit längerem für einen Ausbau der Taktzeiten; insofern spielen uns die Planungen des Wirtschaftsministeriums tatsächlich in die Karten. Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Das müssen wir jetzt weiter vorantreiben.“ Wendland weiß um Befürchtungen, dass mit einem angedachten Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs auf der Straße die Bemühungen auf Reaktivierung des Schienenverkehrs noch weiter zurückgeschraubt werden würden: „Wenn die Bahn sagt, wir wollen euch wieder anbinden, sind wir nicht die letzten, die Freudensprünge machen. Realistisch gesehen, ist der Bus derzeit die einzige Chancen, Berufspendler nach Hannover oder Osnabrück zu bringen.“

Gunter Koop: „Mit einer Anbindung an die Oberzentren würden wir gerade für jüngere Leute die Attraktivität des Mittelzentrums wesentlich erhöhen.“ Probleme sieht der Sozialdemokrat in der tatsächlichen Auslastung möglicher Linien in Richtung Diepholz und Nienburg. „Die Leute haben sich daran gewöhnt, ins Auto steigen zu müssen. Wenn in den Bussen dann aber nur zwei oder drei Leute sitzen, werden die Linien dann schnell wieder infrage gestellt. Sie mit Leben zu füllen, das wird neben der Finanzierung eine zweite Gemeinschaftsaufgabe.“ 

oti

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