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„eFuel“ bald an den Zapfsäulen der Region

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Von: Harald Bartels

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Eine Tankstelle mit Preisanzeige.
Möglicherweise schon im kommenden Jahr werden Tankstellen wie hier am „Westpoint“ in Sulingen auch Kraftstoff mit synthetischen Beimischungen anbieten. © Bartels

Das Sulinger Unternehmen Jantzon & Hocke KG zählt zu den Mitbegründern des Projekts.

Sulingen / Hoya – Die Jantzon & Hocke KG aus Sulingen gehört zu den zehn mittelständischen Unternehmen, die kürzlich die „eFuel GmbH“ mit Sitz in Hoya gegründet haben (wir berichteten). Das Ziel dieser Gesellschaft besteht laut einer Pressemitteilung darin, sich an Firmen und Initiativen zu beteiligen, die synthetische Kraftstoffe, sogenannte „eFuels“, entwickeln und auf den Markt bringen. Dafür stehe „ein höherer Millionenbetrag“ zur Verfügung.

„eFuel“ bald an den Zapfsäulen der Region

Auf Nachfrage erklärt Annika Beyer, Pressesprecherin der Neugründung, dass die GmbH wirtschaftliche Interessen verfolge: „Unsere Herausforderung liegt darin, aus der Vielzahl von Projekten diejenigen herauszufiltern, die für uns aus Sicht des Mittelstandes die größten Zukunftschancen haben.“ Ein Schwerpunkt auf der Forschung sei nicht mehr nötig: „Da das Produkt bereits Marktreife hat, geht es uns vor allem darum, innovative patentierte Verfahren in Produktionsanlagen umzusetzen und dann zügig auch E-Fuels zu produzieren.“

Unternehmen befassen sich seit Jahren mit dem Thema

Die Beschäftigung damit ist nicht neu: „Der Mittelstand engagiert sich schon länger für das Thema E-Fuels und hat in den vergangenen zwei Jahren verschiedene Initiativen rund um das Thema gegründet.“ Der Verein „UNITI Bundesverband mittelständischer Mineralölunternehmen“ sei mit verschiedenen Aktionen aktiv und unterstütze die „eFuel Alliance“, die sich schwerpunktmäßig an die deutsche und europäische Politik richte. Die Mittelständische Energiewirtschaft Deutschland (MEW) habe Anfang 2021 die Initiative „eFuel-Today“ gegründet, die wiederum sehr stark auf die Aufklärung der Öffentlichkeit ausgerichtet sei, erläutert Annika Beyer. Neben den beiden Verbandsinitiativen habe die Hoyaer Lühmann-Gruppe, die die Tankstellen unter der Marke „Classic“ betreibt, Mitte 2021 gemeinsam mit 21 anderen Mittelständlern und dem Technologiepartner Chemieanlagenbau Chemnitz (CAC) das „eFuels-Forum“ initiiert. „Die Gesellschafter der ,eFuel GmbH‘ sind fast alle bei diesen drei Initiativen aktiv.“

Das bestätigt auch Lars Jantzon, Geschäftsführer der Jantzon & Hocke KG. „Bei der ,eFuel Alliance‘ handelt es sich um einen Verein, der speziell mit hochkarätigen Köpfen die Lobby- und Marketingarbeit im Fokus hat. Hingegen bei der ,eFuels GmbH‘ geht es um die physische Verfügbarkeit des Produktes, also letztlich um das Thema Produktion – aber natürlich auch Marketing.“ Zudem gebe es noch das „eFuels-Forum“: „Hier wird Basisarbeit geleistet. Also Marketing an der Tankstelle, am Point of Sale. Der Verbraucher und Konsument, aber auch die Kommunalpolitik wird ,abgeholt‘.“

Möglicherweise 2023 erstmals an den Zapfsäulen

An den Tankstellen findet sich bislang allerdings noch kein „eFuel“ an den Zapfsäulen: „Synthetische Kraftstoffe sind marktreif, allerdings noch nicht in der notwendigen Menge verfügbar“, erklärt Annika Beyer. Damit der Markthochlauf gelingen kann, müsse die Politik erst die entsprechenden Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Anrechenbarkeit auf die Flottengrenzwerte, schaffen, um den Unternehmen Investitionssicherheit für den Bau der Produktionsanlagen zu bieten. „Natürlich ist es das Ziel der Gesellschafter, dass schnellstmöglich entsprechende Mengen an ihren Tankstellen verfügbar sind.“ Grob geschätzt verfügten die zehn Unternehmen in der „eFuel GmbH“ deutschlandweit über zusammen rund 600 Tankstellen.

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Was „schnellstmöglich“ konkret heißt, kann auch Lars Jantzon nicht sagen, aber: „Wir rechnen circa in 2023 mit ersten Mengen an ,eFuels‘, um sie den herkömmlichen Kraftstoffen beizumischen und anzubieten.“ Tatsächlich laufe es technisch auf eine Beimischung ähnlich wie beim E10-Kraftstoff hinaus, denn „man muss die DIN- beziehungsweise EN-Norm einhalten, und das ist ein längerer Prozess hin zu reinen ,eFuels‘.“

Politik muss noch überzeugt werden

Als eine Hürde auf dem Weg zur weiteren Verbreitung hat auch er die Politik ausgemacht: „Beim Bundesministerium für Digitales und Verkehr scheinen die ,eFuels‘ als echte Alternative angekommen zu sein. Die breite Politik, vor allem auf Bundesebene, muss noch überzeugt werden. Auf Landes- und Kommunalebene findet man für dieses Thema bereits viele offene Ohren.“

Bis dahin ist laut Annika Beyer das neue Gemeinschaftsunternehmen offen für weitere Unterstützer: „Die ,eFuels GmbH‘ ist ein Zusammenschluss von mittelständischen Unternehmen auf Augenhöhe. Zu uns passende Unternehmen sind grundsätzlich zukünftig willkommen.“

Was sind „eFuels“?

Der Begriff „eFuel“ ist eine Abkürzung des englischen Wortes „electrofuel“ und bezeichnet Kraftstoffe, die mithilfe elektrischer Energie aus Wasser und Kohlendioxid gewonnen werden. Dabei wird zunächst Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Im nächsten Schritt werden Wasserstoff und Kohlendioxid zu Kohlenwasserstoff vermischt. Dieses Produkt kann in Raffinerien zu bekannten Kraftstoffen wie Benzin, Diesel oder Kerosin aufgearbeitet werden; zur Unterscheidung von herkömmlichen, aus Erdöl gewonnenen, Treibstoffen spricht man jedoch von synthetischen, also künstlich hergestellten Kraftstoffen. Der Herstellungsprozess ist durchaus energieaufwendig. Daher verbessert die Verwendung von Strom aus erneuerbaren Quellen, wie Wind- oder Solarkraft, die Umweltbilanz der Herstellung. Aufgrund der ähnlichen chemischen Eigenschaften der „eFuels“ ist nach Aussagen der Hersteller weder an der Infrastruktur der Tankstellen noch an den Fahrzeugen eine Anpassung nötig.

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