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Sulingen braucht dringend mehr Kita-Plätze

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Von: Harald Bartels

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Blick über die freie Fläche auf die Diepholzer Straße.
Hier könnte im Gewerbegebiet an der Diepholzer Straße, in der Nähe des Stadtsees, ein neuer Kindergarten entstehen. © Bartels

Sulingen – Mit der Zahl der Kindergartenplätze in Sulingen befasste sich am Montag der Ausschuss für Soziales, Schulen und Jugend des Stadtrats. Und signalisierte Einvernehmen mit dem Vorschlag der Stadtverwaltung, den Bau einer zusätzlichen Kindertagesstätte sowie den Anbau eines Gruppenraums an die Einrichtung „Sule-Racker“ zu planen.

Hatte sich der Ausschuss 2021 im April mit dem Thema befasst, legte Birgit Dullin, Leiterin des Fachbereichs Allgemeines und Soziales, die Bedarfsanalyse bereits jetzt vor, obwohl die Anmeldefrist für das kommende Kindergartenjahr erst am 1. Februar endet: „Wir haben seit Beginn des aktuellen Kita-Jahres Kinder auf der Warteliste, das ist nicht weniger geworden.“

Derzeit gibt es in den Einrichtungen vor Ort 10,5 Krippengruppen mit 155 bis 175 Plätzen für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren und 19,5 Kitagruppen mit 390 Plätzen. Hinter den beiden „halben Gruppen“ verbirgt sich die „Trollgruppe“ im „Wichtelgarten“, eine altersgemischte Gruppe als Außenstelle der Kita „Zauberland“. Die Zahl der Krippenplätze schwanke, weil es sich dabei teilweise um Sharing-Plätze handele, erläuterte Dullin, außerdem sei in zwei Einrichtungen die Gruppenkapazität abhängig vom Alter der aufgenommenen Kinder. Nicht in den Zahlen enthalten sind die Sprachheilgruppen und heilpädagogischen Gruppen der Kita „Am Nordsee“ der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz: Von den 41 dort betreuten Kindern kommen zurzeit 21 aus Sulingen.

Ein weiterer Gruppenraum soll bei den „Sule-Rackern“ angebaut werden.
Ein weiterer Gruppenraum soll bei den „Sule-Rackern“ in Richtung des „Parks der Generationen“ angebaut werden. © Bartels

Momentan umfasst die Warteliste für das laufende Kindergartenjahr 17 Kinder für die Krippen (davon fünf aus anderen Kommunen) und 17 für die Kitas (inklusive zwei Kindern von außerhalb). Verschärft wurde die Lage durch Zuzüge, erläuterte Birgit Dullin: Im vergangenen Jahr standen bei den Krippen 18 Zuzügen nur vier Wegzüge gegenüber, bei den Kitas waren es 40 Zu- und acht Wegzüge. Vor allem im Oktober und November habe es verstärkt Neuanmeldungen durch Zuzüge gegeben.

Zum neuen Kitajahr seien 23 freie Krippenplätze in Aussicht: 70 Kinder wechselten von der Krippe in die Kitas, zehn Kinder von der Warteliste und 37 Neuanmeldungen füllten die Gruppen wieder auf. Ganz anders sehe es bei den Kindergärten aus: Zwar würden 111 Kinder eingeschult, aber ihre Plätze seien bereits verplant für die 17 Kinder auf der Warteliste, 24 Neuanmeldungen und die 70 „Krippenwechsler“. „Die Situation ist im Kindergartenbereich bereits dramatisch“, stellte Dullin fest. Noch keine genauen Informationen habe man über die Zahl der sogenannten „Flexikinder“ (die schon eingeschult werden können, aber nicht müssen). Im Vorjahr seien von 32 Kindern 24 in den Kitas geblieben, in diesem gibt es 30 und „wir gehen davon aus, dass fast alle bleiben.“ In den Krippen blieben die Kinder aktuell relativ lange, weil es in den Kitas nicht genügend Plätze für sie gebe. Um diesen „Rückstau“ abzubauen, müsste nur die Kapazität der Kitas ausgebaut werden, denn „eigentlich haben wir genügend Krippenplätze.“

An der Diepholzer Straße könnte sofort gebaut werden

Um zu ermitteln, wie viele Plätze benötigt werden, nimmt die Verwaltung vor allem die „Krippenwechsler“ als Maßstab. Derzeit sind das die Kinder, die bis zum 31. Oktober drei Jahre alt werden. Im laufenden Jahr ergeben sich danach 411 Kita-Kinder plus die Kinder in den Sprachheilgruppen, auf der Warteliste und in Betreuung bei Tagesmüttern, bei weiterhin 390 Plätzen. Für die beiden kommenden Jahre sind es 418 beziehungsweise 416 Kinder. Daher sei zu überlegen, als Stichtag den 31. Dezember zu wählen, um genügend Spielraum in den Planungen zu haben. Danach wären es im laufenden Jahr 432 Kinder sowie 437 Kinder im Folgejahr. Würden in die Berechnung noch „Flexikinder“, Rückstellungen für noch nicht beschulbare Kinder, gemeindefremde Kinder und Zuzüge einbezogen, ergebe sich für das kommende Jahr ein geschätzter Bedarf von 437 Plätzen beim alten Stichtag und 455 Plätzen beim angestrebten Datum. „Dieser Stichtag muss das Ziel sein, um immer genug Plätze zu haben“, forderte Birgit Dullin.

Zur Deckung des Bedarfs müssten kurzfristig weitere Krippen- und Kitaplätze geschaffen werden, erklärte sie, weswegen auch die „Trollgruppe“ im „Wichtelgarten“ erhalten bleiben müsse. Perspektivisch solle an der Kita „Sule-Racker“ ein weiterer Gruppenraum angebaut werden, und es müsse eine neue Einrichtung für zwei Kita- und eine Krippengruppe gebaut werden, in der auch die „Trollgruppe“ untergebracht werden könne. Infrage komme dafür eine 3 600 Quadratmeter große Fläche im neuen Gewerbegebiet an der Diepholzer Straße: „Da könnten wir sofort anfangen zu bauen.“ Im geplanten Baugebiet „Windmühlenweg“ sei bereits eine Fläche vorgesehen für eine weitere Einrichtung.

Wunsch: Auch eine Krippengruppe für „Villa Kunterbunt“

Aus dem Ausschuss regte Elisabeth Wamhoff (Gruppe SPD / Grüne / Die Partei / Ibrahim) an zu prüfen, ob nicht vom Bauverein Flächen zur Erweiterung des Kindergartens „Villa Kunterbunt“ erworben werden könnten, um auch dort eine Krippengruppe zu ermöglichen. Julian Mende, Vertreter des Stadtelternrates, schlug vor, die „Sule-Racker“ um eine Waldgruppe zu erweitern, außerdem könne die ganze Immobilie der „Weltentdecker“ in Klein Lessen, inklusive der Mietwohnung, genutzt werden. „Wir brauchen aber auch zusätzliches Personal“, mahnte er. Mario Pschunder (Gruppe Sulingen! / FDP / Bürger erreichen) brachte einen Aufruf an Eigentümer ins Gespräch, geeignete Flächen vorzuschlagen.

Mit dem Bauverein würden bereits Gespräche geführt, sagte Bürgermeister Patrick Bade, aber das gehe nicht von heute auf morgen. Auch Klein Lessen habe man im Blick, falls sich dort etwas tut mit dem Mieter oder der Ortsfeuerwehr.

Bedenken gegen einen Neubau an der Diepholzer Straße anstelle eines zentraleren Standortes räumten die Einrichtungsleitungen in einer Sitzungspause aus. Die Entfernung sei für viele Eltern wichtig, daher sei diese Fläche sinnvoll, sagte Christine Gromm („Ratz & Rübe“) – für eine weitere Waldgruppe gebe es keinen Bedarf. Der Sulinger Westen werde größer, stimmte Rabea Witte („Zauberland“) zu, viele Familien hätten kein Auto zur Verfügung, sondern müssten das Kind zu Fuß in die Einrichtung bringen.

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