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Sulingen bietet eine Krippe für aufmerksame Beobachter

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Von: Harald Bartels

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Noch sitzen die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef unter freiem Himmel.
Noch sitzen die hochschwangere Maria und ihr Mann Josef unter freiem Himmel. © Bartels

Eine Adventskrippe aus Südtirol schmückt die Sankt-Nicolai-Kirche in Sulingen. Gewöhnlich ist sie nicht.

Sulingen – Was gehört zu einer Krippe? Ein Stall, Ochse und Esel, ein paar Hirten – und natürlich Maria und Josef mit dem Jesuskind. So weit die gängige Vorstellung, die aber in der Sankt-Nicolai-Kirche in Sulingen nur zum Teil erfüllt wird.

Dem Nachschlagewerk Brockhaus zufolge leitet sich der Begriff Krippe vom althochdeutschen Wort „krippa“ her, das Flechtwerk bedeutet und eine Vorrichtung zum Füttern von Tieren bezeichnet. In der bildenden Kunst ist es die figürliche Darstellung der Geburt Christi. Gemeint sind damit in der Regel die sogenannten Weihnachtskrippen. Sie zeigen quasi eine Zusammenfassung der Weihnachtsgeschichte: Maria und Josef knien im Stall hinter der Krippe, in der das Jesuskind liegt, davor zeigt die Szenerie die Hirten vom Feld und die drei Weisen aus dem Morgenland, die das Neugeborene mit Geschenken bedenken. So ist es auch abgebildet als Motiv des diesjährigen Adventskalenders der Stiftung „Kirche für Sulingen“.

Das Foto zeigt jedoch nur einen Teil der Geschichte: Bei der Sulinger Krippe handelt es sich um eine sogenannte Adventskrippe, die auch die Vorgeschichte der Heiligen Nacht darstellt. Und genau das war in den vergangenen Tagen in der Kirche zu sehen.

Seit 1989 ist das Ensemble in Sulingen. Gefertigt wurde es vom Holzschnitzer Richard Salcher aus Sankt Ulrich in Südtirol in Abstimmung mit der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Möglich wurde diese Anschaffung dank einer Stiftung von Anna Marie Seidel zu Weihnachten 1988.

Zu Beginn der Adventszeit stellt Küsterin Marita Wallentowitz die Krippe auf. Sie ruht auf einem Untergestell, das dank der unten angebrachten Rollen fahrbar ist. Darauf steht der Stall in einer Landschaft, die sie in jedem Jahr neu aus Steinen, Zweigen und anderen Zutaten gestaltet, wobei die Küsterin jeweils von Konfirmanden unterstützt wird.

Im Stall sind Ochse und Esel untergebracht, ein Mann liegt neben ihnen mit aufgestützten Kopf, während die Hirten sich noch im Hintergrund um ihre Tiere kümmern. Im Vordergrund sitzt die hochschwangere Maria, die sich an ihren Josef lehnt. Erst zu Heiligabend wechselt das Szenario zum herkömmlichen Bild. Eine ausführliche Erläuterung der Krippe inklusive einer Beschreibung aller Figuren und ihrer Bedeutung liegt für Interessierte vor Ort bereit.

Viele Gottesdienstbesucher wüssten gar nicht, dass die Sulinger Krippe zwei Stationen hat, sagt Marita Wallentowitz. Denjenigen, die häufiger kämen, fiele das natürlich auf, aber „die, die nur Weihnachten kommen, kennen nur das eine Bild.“

Anfangs sei es auch schon einmal vorgekommen, dass Besucher die Figuren umgestellt hätten, verrät die Küsterin. Inzwischen würden die Figuren aber am Untergrund fixiert.

„Unsere Krippe ist schon etwas Besonderes“, findet Marita Wallentowitz. Mit den übrigen Küstern im Süden des Kirchenkreises gebe es regelmäßige Treffen, und man schicke sich auch gegenseitig Fotos von den Krippen in den jeweiligen Kirchen. Die Figuren in anderen Krippen seien vielleicht größer, aber das Sulinger Exemplar mit den Stationen der Weihnachtsgeschichte sei außergewöhnlich.

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