Sulingen: „Bauer Willi“ fordert Landwirte auf zu Öffentlichkeitsarbeit

Sachliche Infos, mit Emotionen

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Dr. Willi Kremer-Schillings.

Sulingen - Einen vergnüglichen Vortrag mit neuen Sicht- und Denkweisen hatte der Vorstand des Landwirtschaftlichen Vereins Sulingen den Teilnehmern der Jahreshauptversammlung am Donnerstag Abend (wir berichteten) versprochen, als Referent war „Bauer Willi“ eingeladen.

Mit bürgerlichem Namen Dr. Willi Kremer-Schillings, befindet er sich in der passiven Phase der Altersteilzeit und bewirtschaftet in Kooperation mit seinem Nachbarn einen 40 Hektar Ackerbaubetrieb. In den letzten Jahren habe er sich mehrfach über den Unverstand neu zugezogener Dorfbewohner ärgern müssen. Unverständnis darüber, dass zur Düngung genutzte Champignon-Erde riecht, dass man Weizen nicht zu Metallsuchzwecken niedertrampeln darf und dass der Landwirt manchmal auch abends Weizen mähen muss, wenn das Wetter es erlaubt. Um seinem Ärger Luft zu machen, veröffentlichte „Bauer Willi“ im Internet einen offenen Brief, der nach vier Tagen bereits 60 000 Zugriffe hatte. Als bald darauf sein Nachbar die Kartoffelernte für einen einzigen Cent pro Kilogramm verkaufen musste, wurde Bauer Willi richtig zornig, und er verfasste einen „Wutbrief“ an die „lieben Verbraucher“, der bald darauf etwa acht Millionen Mal gelesen wurde. Das Fernsehen wurde auf ihn aufmerksam, ein Verlag überredete ihn, ein Buch zu schreiben.

„Bauer Willi“ war in der Öffentlichkeitsarbeit angekommen, die notwendig sei, denn sich selbst sähen die Bauern als Lebensmittelproduzenten, die als Unternehmer sorgfältig und hart arbeiten. In den Augen der Verbraucher seien sie indes für viele „Sauereien“ verantwortlich, beispielsweise für Glyphosat im Bier, Gentechnik, Monokulturen, Bienensterben, Grundwasserverseuchung, BSE, EHEC und vieles mehr. Wie die Landwirte mit einer besseren Informationspolitik gegenhalten können, darauf stimmte „Bauer Willi“ die Landwirte in Sulingen mit seinem Vortrag „Öffentlichkeitsarbeit für Landwirte – ja, aber wie?“ ein. Wie können die Bauern auf sich und ihre Wirklichkeit aufmerksam machen? Jammern und lamentieren nütze gar nichts. Wenn man die Menschen erreichen wolle, müsse man, so Kremer-Schillings, moderne Medien benutzen. Unerlässlich sei es, bei der Wahrheit zu bleiben. Die Idylle eines Bauernhofes wie vor 500 Jahren gebe es nicht mehr, „heile Welt“ und billige Lebensmittel gleichzeitig haben zu wollen sei schizophren. Öffentlichkeitsarbeit sei gefragt, neben sachlicher Information dürfe man auch emotional argumentieren. Verbandsvertreter seien meist suspekt, glaubwürdig sei der Landwirt in seinem Umfeld. Er müsse Präsenz zeigen und die Verbraucher auffordern, regional einzukaufen.

gk

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