Kühe bewerten

Landwirtschafts-Azubis auf der Suche nach dem perfekten Bein

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Fundament, Euter, Körper und Milchcharakter: Das sind die Kriterien, nach denen die Schüler die Kühe beurteilen müssen.

Kirchdorf - „Eine Kuh mit einem schlechten Fundament möchte ich nicht im Stall haben.“ Das sagt Jonas Helmerking ganz deutlich und da kennt er auch kein Pardon. Gründe hierfür hat der Landwirt aus dem Jungzüchterclub Sulinger Land auch genug. Denn Kühe, die nicht gut stehen, also ein schlechtes Fundament haben, geben weniger Milch. Eine Lektion, die junge Landwirte schon in ihrer Ausbildung lernen sollten. Daher trafen sich jetzt 84 Landwirtschaftsschüler auf einem Milchviehbetrieb bei Kirchdorf zu einer besonderen Art der Leibesvisitation: einem Tierbeurteilungswettbewerb.

Wie gerade ist das Hinterbein der Kuh auf einer Skala von eins bis neun? Während Jonas Helmerking und die anderen Mitglieder des Jungzüchterclubs sich schon früh morgens um die Vorbereitung der Tiere für den Wettbewerb gekümmert haben, blickt Laura Beyer konzentriert auf den Zettel mit den kleinen Bildchen in ihrer Hand. Wie das Bein der Kuh optimalerweise aussieht, haben sie und ihrer Mitschüler am Vormittag in einer theoretischen Schulung erfahren: nicht zu steil und nicht zu krumm. Jetzt geht es darum, das auch in der Praxis zu erkennen.

Die Auszubildende aus Eystrup ist sich noch unsicher. Was sie aber schon weiß: Die erste der drei Kühe, die beurteilt werden müssen, war besser. „Und das bleibt auch so“, sagt Beyer und lacht, als sie auf ihre bisherigen Einstufungen blickt.

Geruchsprobe: Azubis riechen an der Silage.

Einmal im Jahr veranstaltet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen einen Tierbeurteilungswettbewerb, bei dem junge Auszubildende des zweiten und dritten Lehrjahrs Milchkühe bezüglich ihrer Qualität und Eignung zur Züchtung bewerten sollen. Wer mit seiner Einschätzung am besten liegt, kommt in den Landesentscheid und später vielleicht sogar in den Bundesentscheid. Der Bezirksentscheid für die Kreise Diepholz und Nienburg wird bereits seit vielen Jahren auf dem Hof Plenge in Heerde bei Kirchdorf abgehalten. Dort gibt es neben vielen Kühen auch einen großen Saal für Gäste – optimale Voraussetzungen für den Wettbewerb.

Weil die Gruppe der Landwirtschaftsschüler so groß ist, hat sie sich an diesem Tag aufgeteilt. Während Beyer ihre Kuh noch von allen Seiten mustert, stecken die anderen Azubis ein paar Meter weiter ihre Nase in eine Handvoll Silage und atmen tief ein. Nach Milchsäure muss das Futter riechen, erklärt der Experte der Landwirtschaftskammer, nicht nach Essigsäure und schon gar nicht nach Buttersäure. Dann würden die Kühe nämlich krank. Aufmerksames Nicken, einige Kichern.

Die Sieger des Melkwettbewerbs mit Betriebsleiter Reiner Plenge (l.) und Berufsschul-Lehrerin und Jury-Mitglied Karen Backhaus (vorne in rot)

Egal, ob sie gerade auf einem Schweinebetrieb, einem Milchviehbetrieb oder einem Kartoffelbetrieb arbeiten: Die Teilnahme an der Veranstaltung ist für die Azubis verpflichtend, erläutert Ruth Beatrix Hainke von der Landwirtschaftskammer, die den Wettbewerb organisiert hat. Die Wichtigkeit unterstreicht auch Nico Thielker. Er arbeitet beim Rinder-Vermarkter Masterrind und ist mit seinen Kollegen für die Tierbeurteilung zuständig. „Es ist eine sehr wichtige Aufgabe, das den jungen Leuten beizubringen“, unterstreicht Thielker.

Die Frage, ob die Bewertung der Tiere nicht am Ende auch ein bisschen Ermessenssache sei, verneint der Experte klar. Man könne schon sehr deutlich eine konkrete Zahl benennen. Thielker räumt jedoch ein, dass man sich am Ende um eine einzelne Zahl Unterschied durchaus noch streiten könne.

Ein Gefühl, dass Niklas Venske aus Engeln teilt. Die Tierbeurteilung sei eher „eine Einschätzungssache“ findet der Azubi, der derzeit auf einem Milchviehbetrieb arbeitet. Auch er knobelt noch mit den Zahlen, bevor er den Zettel zur Auswertung abgibt.

Und während drinnen die fleißigen Helfer die Zahlen der Azubis mit den Referenzwerten des Masterrind-Experten Oliver Lauschke vergleichen und am Ende die Gewinner präsentieren (siehe oben), verliert Niklas Venske schließlich noch sehr deutliche Worte. Er findet die Tierbeurteilung „ein bisschen realitätsfern“. „Welche Kuh ist schon perfekt?“, fragt er. Nur weil ein Merkmal nicht stimme, sei ja nicht gleich die ganze Kuh schlecht.

Die Sieger des Tierbeurteilungswettbewerbs mit Organisatorin Ruth Beatrix Hainke (LWK Niedersachsen, links), Betriebsleiter Reiner Plenge (2. v.l.), Berufsschul-Lehrerin und Jury-Mitglied Karen Backhaus (vorne in rot) und Nico Thielker (Masterrind, rechts)

Gewinner Beurteilungs- und Melkwettbewerb

Die Sieger des Tierbeurteilungswettbewerbs und damit im Landesentscheid:

...im zweiten Lehrjahr:

1. Platz: Hauke Bode

2. Platz: Max Husmann

3. - 5. Platz: Sören Klinker, Jonas Greulich, Clawes Heins

...im dritten Lehrjahr:

1. Platz: Moritz Kuck

2. Platz: Tim August Löhers

3. - 5. Platz: Tjard Scharrelmann, Fabian Jung, Claas Coorßen

Außerdem wurden die Gewinner des Melkwettbewerbs in Ströhen (wir berichteten) bekanntgegeben:

1. Platz: Dave Hippe, Lea Krispin, Pius Rasche

2. Platz: Laurens Fangmann, Theresa-Verona Schmidt, Merle Spannhake

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