Stylianos Eleftherakis und Peter Dahm: Hommage an Robert Gernhardt

Poetisch-musikalischer Abend vor dem Kaminfeuer

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Stylianos Eleftherakis und Peter Dahm entfachten Gefühlsstimmung am Kamin.

Bockhorn - Knapp 30 Gäste machten es sich im Flett der 300 Jahre alten Hofstelle Bockhorn 2b gemütlich. „Nach den wenigen Anmeldungen sind das mehr, als wir erwartet haben“, sagten Bernd Neumann und Anne Heinz, die am Freitagabend auf den KunstHof zu einer Lesung mit Musik eingeladen hatten.

Im Rahmen der Literatur-Reihe „Capriccioso“ der Bremer Kulturwerkstatt „westend“ präsentierten der Kabarettist, Schauspieler und Rezitator Stylianos Eleftherakis und der Musiker Peter Dahm literarische Schätze des Wortspielers Robert Gernhardt (1937 bis 2006). Dieser war beim Publikum stets beliebter als bei den Kritikern, die seine Nonsens-Poesie lange mit Nichtachtung straften.

„Robert Gernhardt war staatlich geprüfter Kunstlehrer mit Deutsch als Beifach“, erklärte Eleftherakis: „Es hat sich aber schnell herausgestellt, dass der Schuldienst nichts für Künstler ist“. Gernhardt, Meister des geschliffenen Worts, habe sich weniger als Schriftsteller, sondern mehr als Zeichner und Maler gesehen. Eleftherakis: „Er mochte die leisen Künste, und die Malerei war die leistete...“

Gernhardt war Redakteur der Satirezeitschrift Pardon („Die unabhängige Zeitung für eine bessere Welt“) und 1964 einer der Mitbegründer der Nonsens-Beilage „Welt im Spiegel“. Seine Texte waren in der deutschen Lyrik Mitte der 60er Jahre alles andere als „Mainstream“. Gernhardt bediente sich tradierter Formate, die er mit humoristischen Inhalten und zeitgemäßen Themen füllte. Seine Maxime: „Das perfekte Gedicht ist gut gefühlt, gut gefügt, gut gedacht und gut gemacht.“

Stylianos Eleftherakis zeichnete ein liebevolles Bild des Künstlers, aus dessen Feder teils naiv anmutende, aber stets kluge Verse flossen. Peter Dahm (Saxophon, Gitarre und Lautmalerei) setzte die jeweiligen Stimmungen musikalisch um. Ein Highlight war etwa das Gedicht „Mein Feind“, das Eleftherakis als „Rap“ rezitierte – begleitet von Peter Dahms Gitarren-Percussion („Auch ich hab einen Feind – nein, du bist nicht gemeint. Bist schlicht zu unwichtig für jemanden wie mich“). Oder der Klagegesang „In meinem Kopf herrscht Ebbe, in meinem Herzen Flut“), der Eleftherakis selbst so berührt, dass er, wie er sagt „den Rest der Nacht nicht schlafen kann“.

Eleftherakis ließ das Publikum teilhaben an Gernhardts Weg: von seinen ersten Jugendgedichten, Nonsense-Poesie der 60er und politische Dichtung über „mit Liebe nachempfundene Verse“ im Stil von Brentano, Trakl oder Hölderlin bis zu seinen Zyklen „Herz-in-Not“ und „Diagnose Krebs oder Alles wird gut“, mit denen sich Gernhardt einen Reim auf seine Sterbensangst machte.

„Wer schreibt, der bleibt, wer spricht, der nicht“: Mit diesen Worten von Gernhardt, die einige Zuhörer im Chor mitsprachen, verabschiedete sich Stylianos Eleftherakis von seinem Publikum, das die Künstler nur ungern, aber mit einem Lächeln auf den Lippen entließ.

Und mit dem guten Gefühl, dass es sich gelohnt hat, das heimische Sofa mit einem Platz vor dem Kaminfeuer in Bockhorn zu tauschen.

mks

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