Ministeriumsmitarbeiter übt Kritik

Drei neue Landesbuslinien ab Sulingen: Im Stundentakt durch den Landkreis

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Der Bus gibt die Richtung vor. Ab Mitte Dezember soll es komfortabel und barrierefrei von Sulingen nach Diepholz, Bassum und Nienburg gehen.

Sulingen - Die Sulinger sind Glückspilze. Ab dem 15. Dezember können sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln in beinahe alle Himmelsrichtungen fahren – und zwar im Stundentakt an sieben Tagen in der Woche.

Ein großer Bahnhof wird dafür allerdings nicht gebraucht. Vielmehr machen drei neue Landesbuslinien, die in Kürze an den Start gehen sollen, die neu gewonnene Mobilität möglich. Pünktlich, zuverlässig, klimatisiert, barrierefrei und mit WLAN-Hotspot sollen sie sein. Die Politik freut’s. Zum Eröffnungsakt gaben sich Kommunal-, Kreis- und Landespolitiker die Klinke in die Hand.

123, 137 und 138. So heißen die drei Express-Linien, die künftig Sulingen mit Bassum, Diepholz und Nienburg verbinden sollen. Weil letztere Städte davon natürlich ebenfalls profitieren, waren auch ihre Bürgermeister an diesem Mittwochnachmittag in die Alte Bürgermeisterei in Sulingen gekommen. Mit dem Strahlen von Dirk Rauschkolb konnten sie es allerdings nicht aufnehmen. „Es ist schön, wenn man als Knotenpunkt bezeichnet wird“, freute sich Sulingens Bürgermeister. „Das ist nicht selbstverständlich, dass das jetzt realisiert wurde.“

Auch Landrat Cord Bockhop freute sich über die drei Neuzugänge im Liniennetz. Sie würden die bisher einzige Landesbuslinie im Landkreis, Linie 150 von Syke nach Bruchhausen-Vilsen – auch bekannt als „Vilsa-Linie“–, gut ergänzen. Es gehe darum, im Landkreis die „Grundachsen zu versorgen“. Die drei Landesbuslinien seien dabei ein „guter Anfang“.

„Nicht leicht, sich für Mobilität einzusetzen“

Schließlich spannte Bockhop den Bogen zum nächsten Redner der Veranstaltung, der extra aus Hannover angereist war. Mit Stichworten wie „Wirtschaftlichkeit der Schiene“ oder „5G-Ausbau für autonomes Fahren“ führte Bockhop das Thema weg von den Landesbuslinien, Christoph Wilk nahm den Faden dankbar auf. Der Leiter der Abteilung Verkehr im niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung kam schnell auf die Probleme zu sprechen, vor denen er und seine Kollegen tagein tagaus stehen. „Es ist im Moment nicht leicht, sich für Mobilität einzusetzen“, so Wilk. Nicht nur Kritik an der Pünktlichkeit der Bahn, auch Ärger über Baustellen und Staus auf niedersächsischen Straßen laufe bei ihm im Ministerium auf. „Das macht irgendwann auch keinen Spaß mehr“, ärgerte er sich.

Auch für die aktuelle Klimaschutz-Debatte hatte Christoph Wilk Kritik übrig. Die werde nämlich hauptsächlich in Großstädten wie Berlin und Hannover geführt, blende aber die Realität im ländlichen Raum komplett aus.

Christoph Wilk sprach sich dafür aus, effektiv in Straßen und Infrastruktur zu investieren, denn das Auto werde vor allem abseits der Städte auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Ein Punkt, den unter anderem der Landtagsabgeordnete Volker Meyer im Publikum mit zustimmendem Applaus bedachte.

„Wir reden nur über Krach und Stau und Dreck“

„Wir reden nicht über Landesbuslinien. Wir reden nur über Krach und Stau und Dreck“, kritisierte Wilk lautstark die städtisch geprägte Debatte in der Tagespolitik.

Eine klare Position hatte er auch beim Thema kostenloser Nahverkehr. Zum dieser Tage anlaufenden Test mit fahrscheinloser Beförderung in Hannover sagte er, dass er sich persönlich dafür stark gemacht habe, dass kein Euro des Landes in diesen Versuch fließe. Wilk betonte, dass der Nahverkehr auch durchaus ein Preisschild haben dürfe, wenn er denn „komfortabel und verlässlich“ sei.

Vielmehr Sorge bereite ihm, dass etwa die Züge am Anschlag seien, was die Auslastung betreffe. Dort sieht er ebenso Investitionsbedarf wie beim Güterverkehr auf der Schiene. Letzterer müsse sich aber wirtschaftlich lohnen. Eine Reaktivierung von alten Gleisen sei zwar schön, koste aber „irrsinnig viel Geld“.

Nach dem Ausflug in die allgemeine Verkehrspolitik, kam Wilk wieder auf die Landesbuslinien zurück, die sich mittlerweile gut etabliert hätten.

Der Landkreis Diepholz habe derzeit keine weiteren Förderanträge für Landesbuslinien gestellt, bestätigte Cord Bockhop auf Nachfrage. Gedankenspielereien gibt es dennoch. So könne sich Bockhop in Zukunft auch noch gut eine Verbindung von Bremen über Bruchhausen-Vilsen bis nach Nienburg entlang der B 6 vorstellen. Auch zu einem Ausbau der Busverbindung zwischen Diepholz und Vechta würden derzeit Gespräche laufen.

Die neuen Linien in der Übersicht

Während die Linie 150 von Syke nach Bruchhausen-Vilsen („Vilsa-Linie“) bereits seit Dezember 2018 verkehrt, starten die drei neuen Landesbuslinien nun schrittweise. Die 137 von Sulingen nach Diepholz ist bereits am 1. August gestartet, die 123 von Sulingen nach Bassum und die 138 von Sulingen nach Nienburg nehmen am 15. Dezember Fahrt auf.

Die qualitativ hochwertigen Busse werden von montags bis freitags jeweils von 5 bis 23 Uhr, samstags von 6 bis 22 Uhr und sonntags von 6 bis 20 Uhr stündlich verkehren. Neue Fahrpläne zu den Linien werden ab sofort verteilt, wie der zuständige Zweckverband Verkehrsbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) informiert.

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