Streikende Erzieherinnen aus Kindertagesstätten suchen in Sulinger Innenstadt vergeblich das Gespräch mit den Bürgern

Gewünschter Dialog kommt nicht in Gang

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Ein kurzes Konzert von Trillerpfeifen und Ratschen vor dem Sulinger Rathaus verhallte ohne Echo.

Sulingen - Von Andreas Behling. Gabi Wiegel greift zum Megaphon: „Wir wünschen uns eine Plattform für einen Austausch.“ Die Leiterin der Kita „Zauberland“ zählt am Mittwochvormittag zu etwa hundert Teilnehmern, die sich auf dem Neuen Markt in der Sulinger Innenstadt versammelt haben. Die streikenden Beschäftigten aus mehreren kommunalen Kindertagesstätten im Landkreis Diepholz wollen hier verdeutlichen, warum sie in den Ausstand getreten sind. „Sogar Eltern sind gekommen, darüber freuen wir uns sehr. Wir wissen, dass es für die Eltern eine total schwere Zeit ist“, betont Wiegel. „Unsere Arbeit braucht nicht nur monetär, sondern gesamtgesellschaftlich dringend mehr Anerkennung. Dann wird es auch einfacher, Personal zu finden – der Markt ist leergefegt.“

Das „Zauberland“-Team und das des Kinderhorts „Plumpaquatsch“ streiken unbefristet, für den Aktionstag schließen sich auch die Mitarbeiter der Kita „Villa Kunterbunt“ an. Zu den Sulingern gesellen sich Kräfte aus Einrichtungen in Weyhe, Twistringen, Syke, Lavesloh und Bruchhausen-Vilsen. Und eine kleine Delegation des Kneipp Vereins Sulinger Land – der Kooperationspartner des „Zauberlands“ signalisiert Unterstützung für die Anliegen der Erzieherinnen. Sonst wären fast ausschließlich Frauen da: „Mit dem Gehalt kann man eine Familie nicht ernähren, deswegen werden kaum Männer Erzieher“, stellt Hortleiterin Steffi Dlab fest. „Auch gibt es nur ganz wenige Vollzeitstellen – das sorgt für häufige Wechsel beim Personal, weil jeder versucht, eine Stelle mit ein paar Stunden mehr zu bekommen.“ Bei der Stadt Sulingen habe man das allerdings erkannt, setze auf Vollzeitbeschäftigung. Eine Forderung, die die Gewerkschaften in den Verhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (KVA) durchsetzen will: Die Berufserfahrung soll bei einem Jobwechsel anerkannt werden. „Ich müsste wieder bei null anfangen, obwohl ich das seit 30 Jahren mache“, verdeutlicht Dlab.

Sie ruft die Teilnehmer auf, Passanten anzuhalten, „um mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu erklären, warum wir streiken.“ Doch die Aktion hat kaum Publikum, der Dialog kommt nicht in Gang. Spontan entschließen sich die Streikenden zu einem Spaziergang durch die Innenstadt. Vor dem Rathaus wird kurz halt gemacht. „Akzeptables Angebot = Streik-Ende!“ und „Wir sorgen für unser Wertvollstes – nein! – nicht unser Geld, unsere Kinder“ ist auf Transparenten zu lesen. Das Megaphon schweigt, Trillerpfeifen und Ratschen erklingen. Und verhallen ohne Echo. Den Austausch pflegen die Teilnehmer, zurück auf dem Neuen Markt, untereinander, sprechen etwa über eine ähnliche Aktion, für die am Montag um 15 Uhr das Syker Rathaus Treffpunkt ist.

Steffi Dlab ist nicht der Meinung, dass der Streik lediglich die Eltern trifft, die Kommunen kaum: „Die Stadtverwaltung muss einen Notdienst einrichten, sich mit den Anfragen der Eltern auseinandersetzen, hat Mehrarbeit.“ Und sieht sich vielleicht veranlasst, ihren Einfluss bei der KVA geltend zu machen, so die Rechnung. Am Donnerstag fahren auch Streikende aus Sulingen mit einem von Verdi organisierten Bus zu einer Großveranstaltung nach Hamburg, „da werden 10000 Leute erwartet“, weiß Steffi Dlab. Vielleicht kommt es dort zum gewünschten Dialog.

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