Kinderstube mit klasse Ausblick

Auf Gelände des „Wichtelgartens“ in Sulingen entsteht ein Storchennest

In das verzinkte Stahlgerüst flechten Karl-Heinz Jantzon und Hartmut Jung Weidenruten ein.
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In das verzinkte Stahlgerüst flechten Karl-Heinz Jantzon und Hartmut Jung Weidenruten ein.

Sulingen – „Eine Anzeige habe ich schon in der ,Storchenpost‘ aufgegeben, dass wir ein Zimmer frei haben.“ Eigentlich ist es sogar ein offen gestaltetes Einfamilienhaus, von dem Claudia Ehlers da mit breitem Lächeln spricht und an dem sie und Karl-Heinz Jantzon vom Vorstand des „Wichtelgartens“ sowie Hartmut Jung, engagiertes Vereinsmitglied, am Dienstagnachmittag bauen:

Auf dem Gelände der Kinderbetreuungseinrichtung an der Friedrich-Tietjen-Straße soll ab Donnerstagmorgen ein Storchennest bezugsfertig sein.

Das metallene Grundgerüst hat Karl-Heinz Jantzon bei einer Stahlbaufirma in Bassum bestellt – er ist quasi „Architekt“ der Maßanfertigung, die auf einem alten Stromleitungsmast montiert werden soll, „gestern haben wir das Nest aus der Verzinkerei abgeholt.“ Der Boden ist gitterartig gestaltet, denn die Recherche ergab, dass Störche bei der Wohnungsbesichtigung als Erstes mit dem Schnabel darauf einpicken – um sicherzustellen, dass Fäkalien und Regenwasser abfließen können. Die Wände ziehen Jantzon und Jung gerade ein: Sie flechten Weidenruten in die Seitenstreben. Farbe kommt auch noch drauf, kündigt Jantzon an. Wandfarbe für mehr Wohnlichkeit? „Spritzer weißer Kalkfarbe.“ Das sieht dann nach Hinterlassenschaften von Vormietern aus und signalisiert Meister Adebar, dass man sich hier ruhig niederlassen kann. „Den Tipp habe ich von Nils Ruröde aus Siedenburg, bei seiner Familie nisten ja regelmäßig Störche.“ Hartmut Jung hat in einer Naturdoku gesehen, wie ein Storch im Schnabel eine riesige Portion Heu zum Nest transportiert hat – entsprechend ist der Plan, schon mal etwas „vorzupolstern“, den Hauptteil der Inneneinrichtung kann das Storchenpaar dann nach eigenem Gusto gestalten.

Wer rastet, der rostet: Der Metalstorch, der seit 13 Jahren über den Wichtelgarten wacht, geht in Rente, sobald 50 Meter weiter ein etwas vitalerer Artgenosse einzieht.

Zuerst kommen die Männchen an und gehen auf Wohnungssuche, weiß das Trio. Diverse Störche wurden im Februar schon im Sulinger Land gesehen, „der erste in der Region ist in Lembruch schon vor der Frostperiode gesichtet worden“, berichtet Jantzon, „der hat mir richtig leidgetan.“ Es wird also langsam Zeit, die Nisthilfe einsatzbereit zu machen, stellt Claudia Ehlers fest – aber, wie gesagt, „die Anzeige steht schon in der Storchenpost.“

Ehlers, Jantzon und Jung sind optimistisch, dass ihr Angebot auf Interesse stoßen wird, der „Markt“ ist da, habe man ihnen auch seitens des Nabu-Ortsvereins Sulingen versichert. Es gibt ja schon einige genutzte Nester in der Umgebung, zum Beispiel auf dem Hof Nuttelmann in Nordsulingen. Da ereignete sich im vergangenen Jahr eine Rangelei von zwei Storchengenerationen um die Chance, hier ihre Jungen aufzuziehen, hat Karl-Heinz Jantzon erfahren. Und: Auf dem Werbeturm der Raststätte am „Westpoint“, in Sichtweite des Wichtelgartens, hätten im vergangenen Sommer über Stunden Störche gesessen.

Am Donnerstag wird das Nest, das dann laut Jantzon ein geschätztes Gesamtgewicht um die 100 Kilogramm hat, mit einem Teleskoplader auf den Mast gehievt, montiert – und steht zur Besichtigung offen.

Die Wohnungsnachfrage steigt: Diverse Störche wurden im Februar schon im Sulinger Land gesichtet, diesen hat Ursula Dreickucker im Sulinger Ortsteil Stadt fotografiert.

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