„Sulingen Projekt“: Szene zu Hollandgängern

Die stinkenden Torfstecher

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Filmszene zu „Hollandgänger“

Sulingen - Die Hollandgänger – das ist ein wichtiges Thema in der Sulinger Geschichte. Tatsächlich umfasst es gleich mehrere Jahrhunderte. Nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, etwa ab dem Jahr 1680, bis um 1900 hat es ungezählte Sulinger Arbeiter nach Holland gezogen, berichtet Frank Wenker von der Gruppe „Das Sulingen Projekt“.

Natürlich sollen die Hollandgänger auch im Filmprojekt (Sulinger Geschichte aus zehn Jahrhunderten) verewigt werden. Dazu wurden jetzt in der Kirchdorfer Heide vier verschiedene Szenen gedreht – „die konnten wir ohne größere Probleme abarbeiten“, berichtet Regisseur Martin Herrmann. Im Blick immer die Landschaft – in der sich Hochspannungsleitungen, Sendemasten oder moderne Vehikel möglichst nicht befinden dürfen.

Etwa 40 Kilometer am Tag wanderten die Menschen einst gen Holland, in Holzschuhen. Alle Statisten in den gedrehten Szenen trugen daher auch „Holzken“.

Über 20 Komparsen zogen sich alte Kostüme und Holzschuhe an und schulterten betagte Sensen, für die Sulingen einst so bekannt war. „Etliche Blasen und wunde Füße waren am Ende des Tages zu verbuchen“, berichtet Frank Wenker. Aber es sollte sich lohnen: Als die letzte Klappe am Ende des Tages fiel, waren alle Mitwirkenden zufrieden.

Sulinger brachen aus Not auf ins Nachbarland

Deutlich werden sollte die Not, aus der heraus sich viele Sulinger Bürger auf den Weg machten ins benachbarte Land. Die Holländer hätten ihren Reichtum durch die Kolonien erhalten können. Die armen Bürger aus Sulingen schulterten hingegen die einst überregional berühmten Sulinger Sensen, viele zudem ihr Essen für die Zeit des Arbeitseinsatzes – und machten sich auf den beschwerlichen Weg.

Zurück blieben die Frauen und Kinder, die sich in der Abwesenheit der Männer um Haus und Vieh kümmerten. Während die Männer im Akkord Gras mähten oder zum Torf stechen tagelang bis zu den Knien im Wasser standen. „Und deshalb fürchterlich stanken“, erklärt Wenker. Als Torfstecher zu arbeiten sei seinerzeit einer der härtesten Jobs gewesen. 

Der Begriff „Mofs“ sei heute noch geläufig: So hätten die Holländer die deutschen Gastarbeiter genannt. Laut Wenker hätte mancher Hollandgänger in der Zeit die Jahrespacht für das Haus erarbeitet. Zur Ernte in Deutschland kehrten die Arbeiter meist wieder zurück. Im Gepäck den Lohn, Geschenke für die Familie – und damit Zielscheibe für Räuber, berichtet Wenker.

Projektteam sucht noch Statisten und Helfer

Das Team von „Das Sulingen Projekt“ umfasse zwar einen festen Kreis an Mitarbeitern und Helfern – weiterhin können sich jedoch Interessierte gerne anschließen. Gesucht werden für weitere Filmaufnahmen Statisten (Männer, Frauen, Jugendliche), aber ebenso Helfer, die Informationen recherchieren und helfen, die Geschichte der Stadt Sulingen visuell aufzuarbeiten.

Die jüngsten Dreharbeiten in der Kirchdorfer Heide wurden unterstützt durch Helga Aufderheide mit ihren Pferde, Sebastian Kuhn von der Ortsfeuerwehr Sulingen, der die Brandwache am Set übernahm, Uwe Kordes, der Luftaufnahmen gemacht hat, sowie die Mitarbeiter der Samtgemeinde Kirchdorf.

Das nächste Thema, das verfilmt wird, ist die Hinrichtung von Frau Susewind. Geplant sind die Aufnahmen für Anfang September. 

sis

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