Stiftungsabend: Pantomime Carlos Martinez zieht das Publikum in seinen Bann

Geschichten in der Stille

Carlos Martinez „erzählte“ seine Geschichten humorvoll, ausdrucksvoll, detailliert und technisch präzise.
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Carlos Martinez „erzählte“ seine Geschichten humorvoll, ausdrucksvoll, detailliert und technisch präzise.

Sulingen - Von Martina Kurth-Schumacher. Normalerweise spreche er wenig, sagte Carlos Martinez am Ende seiner Vorstellung, er favorisiere seit 30 Jahren die Arbeit „mit der Stille“.

Eines seiner Lieblingsworte sei „danke“, so der Weltklasse-Pantomime, und das gebrauchte er mehrfach in extenso: für die Gastgeber von der Stiftung „Kirche für Sulingen“, für die Techniker und für das Publikum, das sich auf die Stille eingelassen hatte und mit „Händen, Hirn und Herz“ applaudierte – professionell und in den richtigen Momenten.

Kuratoriumsvorsitzender Dr. Ernst Funck hatte die rund 350 Gäste am Freitagabend im Sulinger Theater zum Stiftungsabend begrüßt. Bewusst habe man diesen auf den 31. Oktober, den Tag der reformatorischen Neuentdeckung des Evangeliums, gelegt. Bürgermeister Dirk Rauschkolb, Schirmherr der Veranstaltung, erinnerte ebenfalls an den Beginn der Reformation durch den Thesenanschlag Martin Luthers. Martinez’ Maskerade sei einzigartig, habe aber nichts mit Halloween zu tun. Dieser Brauch diene in Deutschland lediglich dazu, „die Wirtschaft anzukurbeln“.

Der Pantomime Carlos Martinez vermittelt seine Weltsicht ohne Worte. Im Nu hatte er die Zuschauer in seinen Bann gezogen. Sie lauschten der Stille. Und den Geschichten, die der Künstler aus Barcelona humorvoll, ausdrucksvoll, detailliert und technisch präzise mit Gestik und Mimik „erzählte“. Der 59-Jährige plagte sich mit einem imaginären Hund, mimte den phlegmatischen „Fernseh-Junkie“, der sich durch die Programme zappt, oder den nervösen Bräutigam, der mit dem Schleier seine Liebsten kämpft. Eine seiner Glanznummern war „Die Dusche“: Das Entkleiden, der Socken-Geruchstest, das Einstellen der Wassertemperatur: Seine wortlose Darstellung gelang so plastisch und ausdrucksvoll, dass der Zuschauer den wohligen Schauer fühlte und versucht war, die entglittene Seife aufzuheben. „Am Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde“: Martinez zeigte sich bibelfest. Zu Chopin-Klängen formte er eine Weltkugel und Figuren, die er „nach seinem Ebenbilde“ auf den unsichtbaren Planeten setzte und ermahnte, sich vom Baum der Erkenntnis fernzuhalten.

Martinez verabschiedete sich von seinem Publikum mit einem Pantomime-Schnellkurs: Unter seiner Regie übten die Zuschauer wechselweise das Winken, ohne den Arm zu bewegen und ohne die Hand zu bewegen. „Es ist schwierig, sich zu verabschieden – nicht nur für Pantomimen“, sagte der sympathische Weltklasse-Künstler.

Unter den Gästen des Abends waren zwölf Flüchtlinge aus Eritrea und eine Familie aus Somalia, die seit 14 beziehungsweise drei Monaten in Sulingen leben. Sie freuten sich über die Einladung der Stiftung „Kirche für Sulingen“ und verfolgten die Vorstellung mit Begeisterung – für Thekla Löchel und Karin Wutzke, die sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren, ein positives Signal im christlichen Sinn: „Sachspenden sind willkommen, wichtiger ist aber die persönliche Betreuung und die Menschen in die Mitte der Gesellschaft zu holen.“

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