Sternstunde des musikalischen Kabaretts mit Tina Teubner und Ben Süverkrüp

„Pullover ohne Ärmel“

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Tina Teubner im Stadttheater. oto: mks

Von Martina Kurth-Schumacher -  Tina Teubner zahlenmäßig klar unterlegen. Die Künstlerin zollte ihnen besonderen Respekt: „Schön, dass ihr den Humor habt, mir unter die Augen zu treten.“

Die Herren amüsierten sich köstlich, eigentliche Zielgruppe von Tina Teubner, „alleinerziehende Ehefrau aus Köln – humorvoll, intelligent, geistreich und bescheiden“ waren die Damen der Schöpfung. „Männer brauchen Grenzen“, triumphierte sie in Wort und Musik. Ihrem „Erziehungsratgeber“ liegt praktische Erfahrung zugrunde: „Ich bin viele Jahre verheiratet und habe nur wenige davon bereut.“

Tina Teubner ist ein Phänomen. Sie braucht keine „Maschen“: Geradeheraus und mit trocken-intelligentem Humor erklärt sie die Welt mit dem Zwischenmenschlichen. Sie steht nicht nur auf der Bühne, sie ist präsent. Ihre Erkenntnisse vermittelt sie mit scharfem Wortwitz und hitverdächtigen Songs, bei denen Cole Porter, Friedrich Holländer und Kurt Weill Pate standen – eine ureigene Mischung.

„Ben ist von einem richtigen Mann gar nicht zu unterscheiden“, witzelt Tina Teubner. Ben Süverkrüp begleitet sie kongenial auf dem Flügel. Er spielt. Und lacht. Und schweigt. Darüber, dass Frauen Angst haben vor Kohlehydraten und vor Kontrollverlust und Männer nicht immer nur lieben können, sondern zwischendurch etwas anderes tun müssen. Mit der Aussage „Frauen mäkeln zu viel an uns rum“ gibt er ein Stichwort: „Die Mäkelei hat mit Visionen zu tun“, erklärt Teubner: „Du bist ein schöner Pullover. Sogar aus Kaschmir. Aber ohne Ärmel.“ Als zeitgenössische Trümmerfrau streiche sie Wände und stelle Blumen auf.

Ehepaare, die sich nach 30 Jahren nicht mehr streiten, immer das gleiche sagen und zu Weihnachten Rundbriefe verschicken, sind ihr ein Graus. Ihr Rat für die Pause: „Wenn sie ihren Mann lieben, küssen sie ihn durch, wenn nicht, entsorgen sie ihn am Getränkestand.“ Im zweiten Teil kommt sie zu den großen Lebensfragen: „Was will man? Was hat man zu wollen?“ Sie stellt fest: „Das gesellschaftliche Rahmenbild ist eng gesteckt.“

Sie möchte gern so inaktiv wie möglich alt werden, offenbart Teubner: „Ich will in meiner Lieblingsecke sitzen und in die Absichtslosigkeit starren. Mit 80 fange ich an zu kiffen, aber vorher habe ich noch zu tun...“ Alter habe überhaupt auch Vorteile: „Ich glaube nicht, dass sich die Macken verstärken: Man traut sich, sie zu leben.“ Hinreißend ihr Liebeslied „Liebst du mich noch, wenn ich alt und verschroben bin? Wenn ich den Champagner aus der Schnabeltasse trinke?“

Teubners Kernbotschaften: „Carpe diem“ heißt nicht „Verplemper den Tag“, Glück und Zufriedenheit sind nicht ohne Traurigkeit zu haben und Liebe nicht ohne Ambivalenz. Ihr genialer, fröhlich-schweigender Pianist nickt Einverständnis. Die beiden, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch im wirklichen Leben ein Paar sind, beenden die Sternstunde des musikalischen Kabaretts in der „schönen Sulinger Theaterstätte“ mit dem versöhnlichen Song „Frauen brauchen Männer und Männer brauchen Frauen“ und schicken die Zuhörer mit einer vom Publikum lautstark geforderten Zugabe in ein „klitzekleines Glücksdelirium“.

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