Sprachcamp: 22 Kinder aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien machen mit

Spiel und Spaß statt Büffeln

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Die Turnhalle der Grundschule dient als Manege: Die Kinder üben sich in Akrobatik und Jonglage.

Sulingen - Die Kinder hören konzentriert zu, machen sich Notizen. Was am Donnerstagvormittag aussieht, als ob eine Klasse der Grundschule Sulingen die Sommerferien ignoriert, soll tatsächlich möglichst wenig mit „Büffeln“ zu tun haben: 22 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, aus Migranten- und aus Flüchtlingsfamilien, sind beim ersten Sprachcamp in Sulingen dabei. Und sie lauschen nicht den Worten eines Lehrers, sondern einem Fall der „Drei ??? Kids“.

Dazu gilt es Fragen zu beantworten, daher die Notizen. Nach dem Mittagessen gibt es ein Kontrastprogramm: In der Turnhalle der Grundschule üben sich die Kinder im Jonglieren von Bällen und von Tellern auf Stäben, im Seilspringen mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad – über zwei Seile gleichzeitig, die über Kreuz geschwungen werden – und in Akrobatik.

Sieht nur so aus wie Unterricht: Die Camp-Teilnehmer lauschen einem Fall der „Drei ??? Kids“ und beantworten Fragen dazu.

Seit sieben Jahren gibt es die zweiwöchigen Sprachcamps im Landkreis Diepholz, die vom „Welthaus Barnstorf“ koordiniert und betreut werden, Träger ist der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB). Unterstützung kommt aus Fördertöpfen und von Sponsoren, für die Familien der Kinder entstehen keine Kosten. Dass jetzt erstmals ein Sprachcamp in Sulingen ausgerichtet wird, geht auf die Initiative von Margarethe Dünckmann zurück, die sich hier seit Jahren in der Arbeit mit und für Migrantenfamilien engagiert. „Sie hat auch in den Familien ordentlich Werbung für das Camp gemacht“, weiß Manuela Wiese, Grund- und Hauptschullehrerin vom „Welthaus“-Team. Das nahm Kontakt zu den Schulen auf, wo Lehrer und Schulsozialarbeiterinnen das Angebot bekannt machten, ebenso wie die Stadt und ehrenamtlich in der Flüchtlingsbetreuung Tätige.

Die 22 Kinder kommen aus Sulingen, der Samtgemeinde Schwaförden – und Diepholz, „weil die Nachfrage beim Sprachcamp in Barnstorf so groß ist und es in Sulingen, wo sich das Angebot erst herumsprechen muss, noch freie Plätze gab, sind sie hier dabei.“ Alle Kinder (bis auf die, die in Nähe der Grundschule wohnen) werden morgens mit Kleinbussen abgeholt und um 17 Uhr wieder nach Hause gebracht.

Die Sprachkenntnisse der Kinder sind sehr unterschiedlich: „Einige sind in der zweiten oder dritten Klasse, kommen im Unterricht zurecht, machen sich notfalls mit Händen und Füßen verständlich. Bei ihnen fehlt es an der Grammatik und im Schriftlichen“, erläutert Manuela Wiese. „Einige der Kinder aus Flüchtlingsfamilien sprechen noch fast gar kein Deutsch, da geht es darum, Vokabeln zu vermitteln.“ Es sind also differenzierte Angebote nötig, „wichtig ist aber, dass es dennoch eine Gruppe ist, in der die Kinder auch spielerisch Sozialkompetenzen erwerben.“ Zum Team in Sulingen gehören neben Manuela Wiese Eva Manzke und Timo Staaks, die Deutsch als Zweitsprache studiert haben, Sozialpädagogin Wiebke Koopmann, die lange im Kinder- und Jugendzirkus „Barbarella“ mitgearbeitet hat, sowie einige Jugendgruppenleiter.

Das Sprachcamp folgt der Erkenntnis, dass Freude und Bewegung das Lernen unterstützen. Es wird gemeinsam gesungen, gespielt – und Detektivarbeit ist von den Kindern gefragt: Ein Unhold namens Kater Karlo treibt im Camp sein Unwesen, hinterlässt seinen Tatzenabdruck als Zeichen und Aufgaben, die die Kinder zu lösen haben. Manuela Wiese hofft, dass die Kinder ihren Eltern beim Abschlussfest neben einer Zirkusvorstellung auch den gefassten Übeltäter präsentieren können. Sie kündigt an: „Wenn alles gut geht, gibt es in den Herbstferien ein weiteres Sprachcamp in Sulingen.“

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