Spielmannszüge pflegen Zusammenhalt

„Die Geselligkeit steht mittlerweile an erster Stelle“

Ein Mann hält einen Tambourstab.
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Den Spielmannszug Stadt-Herelse führte Frank Klinge 18 Jahre lang an.

Sulingen – Wenn marschiert wird, dann gehört für viele Vereine ein Spielmannszug für den richtigen Takt dazu. Doch was machen die Spielmannszüge, wenn wegen einer Pandemie die Auftrittsmöglichkeiten rar werden?

Antwort auf diese Frage weiß Frank Klinge: Er führte 18 Jahre lang den Spielmannszug Stadt-Herelse, bis er kürzlich das Amt des 1. Vorsitzenden an Marek Ahrens abgab. Das Wegfallen der Auftrittsmöglichkeiten bedeute für die Spielmannszüge vor allem den Verlust von Einnahmen, erklärt er: „Wir leben jetzt von der Hand in den Mund.“ Das Anschaffen von neuen Instrumenten oder Noten sei so schwieriger, und auch interne Veranstaltungen wie Weihnachtsfeiern könnten nicht mehr zum Teil aus der Kasse finanziert werden.

Andererseits habe der Spielmannszug Stadt-Herelse ohnehin nur noch sechs, sieben feste Termine pro Jahr wahrgenommen. „Wir haben den Luxuszustand, dass wir uns unsere Auftritte aussuchen können.“ Der Bedarf an Spielmannszügen sei jedoch immens: Er habe Anfragen ohne Ende aus ganz Niedersachsen gehabt: „Geld spielt keine Rolle, und wir wären sogar mit dem Bus abgeholt worden.“

Es fehlt an Nachwuchs bei den Spielmannszügen

Das eigentliche Problem sei jedoch, dass es den Spielmannszügen an Nachwuchs mangele: „Es haben alle Personalprobleme“, weiß Frank Klinge. Große Spielmannszüge aus der Nachbarschaft seien früher mit 30, 40 Mitglieder aufgetreten, und heute seien sie froh, wenn sie zehn Mitwirkende zusammenbekämen. Jedes Instrument müsse wenigstens einfach besetzt sein, und von den Flöten als Hauptinstrument brauche man mehrere. Daher könne man auch nicht alle Auftrittsmöglichkeiten annehmen, damit die Mitglieder nicht jedes Wochenende unterwegs seien.

Nachwuchs zu finden, sei jedoch schwierig: Als er 1985 in den Spielmannszug eingetreten war, habe er noch nur die Wahl gehabt zwischen Sportverein und Spielmannszug, doch heute sei die Auswahl für Kinder viel größer. Außerdem gehöre, um spielen zu können, das regelmäßige Üben dazu, aber diese Verpflichtung scheuten viele.

Wertschätzung für die Gruppen ist gewachsen

Ein Mischen der Spielmannszüge, ähnlich wie die Spielgemeinschaften im Sport, sei schwierig, denn „jeder Spielmannszug fährt seine eigene Linie“ – etwa, ob mit B- oder mit Ces-Flöten gespielt oder ob nach Noten oder nach Griffzahlen musiziert werde. Eine Ausnahme seien die „Scholener Taktgeber“, ein zwangloser Zusammenschluss von ehemaligen Mitgliedern der Spielmannszüge Schwaförden und Affinghausen, bei denen er zusammen mit Frau und Tochter auch mitspiele: „Das ist eine tolle Sache und macht riesen Spaß.“ Diese Gruppierung hätte beim kürzlich verschobenen Wintertreffen der Spielmannszüge in Varrel zum ersten Mal dabei sein sollen, einem ganz wichtigen Termin für die Gruppen, denn „die Geselligkeit steht mittlerweile an erster Stelle.“ Das Treffen sei ein „Highlight“, aber in diesem Jahr habe der Spielmannszug Stadt-Herelse erstmals bei einem privat organisierten „Mini-Festival“ in Siedenburg gespielt – und das länger, als geplant gewesen sei, „weil die Stimmung so geil war“, und anschließend seien die Mitglieder noch zum Schießstand gefahren, um dort zu grillen und zu singen.

Er persönlich finde aber ganz toll, dass viele Menschen die Spielmannszüge schätzten, nicht mehr nur im eigenen Schützenverein, sondern auch darüber hinaus sei das Ansehen immer besser geworden. Geholfen habe, zum Wintertreffen 2019 auch andere Vereine einzuladen: „Das war eine tolle Party, und wir konnten zeigen, was wir leisten können.“ Zu den Treffen sei es nämlich üblich auch neue Stücke einzustudieren oder alte aus dem Repertoire wieder „auszugraben“: „Der Drang ist noch da“, lacht Frank Klinge.

Für ihn selbst werde es nun etwas ruhiger: „Ich genieße die freie Zeit und weiß, ich habe einen super Nachfolger.“ Dem stehe er auch weiter beratend zur Seite. Die Zeit an der Spitze habe ihm viel Spaß gemacht, und die Mitglieder hätten hundertprozentig hinter ihm gestanden. Dafür sei er sehr dankbar, denn es funktioniere nicht nur mit dem Vorsitzenden alleine. „Solange ich noch weiter mitlaufen darf, fehlt mir nichts.“

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