Ratsmehrheit für neuen Standort „Kreisel“

Skulptur Mensch zieht um

Der Rat der Stadt Sulingen entschied am Donnerstagabend in öffentlicher Sitzung, die Skulptur Mensch in die Mitte des Kreisels am Kaufhaus Ranck zu verlegen. - Fotomontage: Koop

Sulingen - Der „Vater“ der Skulptur Mensch im städtischen Sportpark, Werner Sünkenberg aus Bremen, sprach am Freitagmorgen von einer „großartigen Nachricht“: Der Rat der Stadt Sulingen hatte am Vorabend in öffentlicher Sitzung entschieden, die Skulptur in die Mitte des Kreisverkehrs am Kaufhaus Ranck zu verlegen. 15 der 24 an der Sitzung teilnehmenden Ratsmitglieder votierten für einen Umzug. Sünkenberg: „Ich beglückwünsche den Rat dazu, das Werk mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.“

Die Idee der Verlagerung stammt aus der Ideenschmiede der Arbeitsgruppe „Tapetenwechsel“ des Bürgerbeteiligungsprozesses „Wir sind Sulingen 2.029“. Die Mitglieder der Gruppe sehen in der Verlagerung einen Beitrag zur gestalterischen Aufwertung des östlichen Einfahrttors zur Langen Straße (wir berichteten).

Eine Ansicht, der sich der Rat nicht in Gänze anschließt. Henry Siemering (CDU) sieht in dem Vorschlag ein Alibi. Es sei kein Geheimnis, dass sich die Unions-Fraktion gegen einen Beteiligungsprozess in der derzeitigen Form ausgesprochen habe. Die Anregung diene der Gruppe „Tapetenwechsel“, sich selbst zu rechtfertigen. „Der Vorschlag ist sinnlos.“

Walter Legler (Gruppe FDP / Bürger erreichen) sprach von einer „Schande, ein derart wertvolles Kunstwerk zum Aufmerksamkeitsfänger“ zu degradieren. „Da hätte es auch eine grün-weiße Giraffe getan, wenn die denn verfügbar wäre.“ Die Notwendigkeit, das Werk Mensch an einen neuen Standort zu verlegen, sei in der Gruppe unstrittig. „Vielleicht in den Garten des Bürgerhauses. Da hätte man die Chance, sich aus nächster Nähe mit der Botschaft auseinanderzusetzen. Da läuft man nicht Gefahr, aus Versehen dagegen zu fahren.“

„Die Skulptur findet dort die Aufmerksamkeit, die sie verdient.“

Claus Freye (SPD) bestätigte dem Arbeitskreis „Tapetenwechsel“ konstruktive Arbeit. „Das kann ein Start zu einem Maßnahmenpaket sein.“ Freye zum Kunstwerk selbst: „Ich finde dessen Aussage super, die Intention des Künstlers gehört in die Öffentlichkeit. Und genau an dieser Stelle.“ Unterstützend sprang Uwe Overhoff (Freie Wähler) Freye zur Seite. „Die Skulptur findet dort die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Der Kreisel wird aufgewertet.“

Angefacht worden waren die Diskussionen durch eine Stellungnahme des Kommunalen Schadensausgleiches. Dessen Mitarbeiter hatten auf eine EU-Richtlinie verwiesen, nach der „Hindernisse auf Verkehrsinseln, die bei einem Anprall durch ein Kraftfahrzeug zu schweren Unfallfolgen führen können“ untersagt werden sollen. Eine aktuelle Rechtsprechung, wie bei Eintritt eines Schadenfalls Gerichte entsprechende Sachverhalte beurteilen, sei nicht bekannt. Die Mitarbeiter raten demnach, auch im Hinblick auf etwaige strafrechtliche Konsequenzen, zu einer kritischen Prüfung des Vorhabens.

Claus Freye: „Die Stellungnahme ist nicht viel mehr wert als das Papier, auf dem sie steht. Die waren überrascht, dass wir sie überhaupt fragen.“ Und: „Wenn ich einen Versicherer frage, ob er ausschließen kann, dass es irgendein Risiko gibt, dann möchte ich den Anbieter sehen, der sagt: Ich kann es absolut ausschließen.“

Uwe Overhoff: „Zukünftig müssen wir auch bei Baumpflanzungen darauf achten, dass jegliche Möglichkeit einer allergischen Reaktion ausgeschlossen wird.“ 

 oti

Die Skulptur Mensch

1992 war Werner Sünkenbergs über fünf Meter hohes und über vier Tonnen schweres Werk im Sportpark enthüllt worden; als Mahnmal, dass Menschen aller Rassen und Farben auf der Erdkugel friedlich zusammenleben sollten. Ein schemenhaft stilisierter Mensch hält in der linken Hand ein auf dem Kopf stehendes Haus. Ein Fünfeck symbolisiert die fünf Kontinente. In der Hausfläche ist in 21 Sprachen der Welt das Wort „Mensch“ geschnitten. Der Standort im Sportpark der Stadt Sulingen war ursprünglich als Übergang gedacht; bis zum Abschluss der Stadtkernsanierung.

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