Hospiz Zugvogel setzt auf Kooperationen / Zusammenarbeit mit „Zauberland“

„Sind Teil der Gesellschaft“

Mitarbeiter und Kinder der Sulinger Kindertagesstätte Zauberland zu Besuch im Hospiz Zugvogel. Sie überbrachten Einrichtungsleiterin Petra Brackmann (hinten kniend) ein mit 500 Euro gefülltes Spendenglas. Laut Gabi Wiegel (stehend rechts) stammt das Geld aus den Erlösen der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Kindertagesstätte. Foto: Schlotmann

Sulingen – „Wir sehen es als unsere Aufgabe, dem sterbenden Menschen in Würde zu begegnen“, sagt Petra Brackmann. Brackmann ist Einrichtungsleiterin des Hospizes Zugvogel in Sulingen. Beschränken wollen die Mitarbeiter ihr Engagement nicht nur auf die Räume am Wiesenweg. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, „unsere Arbeit auch außerhalb des Hospizes zu teilen.“ Dabei setzen Brackmann und Wegbegleiter auf Kooperationen. Eine erste vereinbarten sie jetzt mit den Mitarbeitern der Sulinger Kindertagesstätte „Zauberland“.

Bekannt geworden war die Kooperation bereits während der Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Kindertagesstätte Zauberland Anfang des Monats. Gabi Wiegel, die im Team mit Elke Dasenbrock das „Zauberland“ leitet: „Als Petra mit der Idee der Zusammenarbeit an uns herantrat, mussten wir nicht lange überlegen.“ Dasenbrock nickt: „Die Kollegen und das Gros der Eltern in Kindergarten und Krippe unterstützen das Vorhaben. Dass es auch Kritiker gibt, ist in solchen Dingen ganz normal.“

Konkret vereinbart sind unter anderem Besuche der Einrichtung am Wiesenweg durch Kinder und Erzieher des „Zauberlandes“, Gesprächsrunden unter Beteiligung von Mitarbeitern des Hospizes und der Kindertagesstätte; gegebenenfalls auch Treffen von Eltern der Kinder aus Kindergarten und Kinderkrippe in den Räumen des Hospizes. Gabi Wiegel: „Einzelvorhaben wollen wir individuell an etwaige Bedarfe anpassen.“

Einig sind sich Petra Brackmann, Gabi Wiegel und Elke Dasenbrock, dass es nach wie vor den meisten Menschen schwerfällt, sich mit dem Tod auseinanderzusetzen. „Viele sind mit den Gedanken an das Sterben überfordert“, erklärt Petra Brackmann. „Gerade Erwachsene versuchen, diese Gedanken zu verdrängen.“

Die Mitarbeiter des Hospizes und der städtischen Kindertagesstätte wollen gemeinsam Kindern frühzeitig vermitteln, dass der Tod Bestandteil des Lebenszyklus´ ist.

Vor gut einem Jahr öffnete das Hospiz Zugvogel am Wiesenweg. Petra Brackmann spricht von einer aktuellen Auslastung von um die 90 Prozent: „Nicht selten gehörten in den ersten zwölf Monaten junge Menschen zu unseren Bewohnern, die Kinder hatten. Kinder müssen wissen, dass der Tod zum Alltag gehört. Das Thema zu verdrängen, wäre der falsche Weg.“

Kooperationen zwischen Hospizen und Kindertagesstätten sind laut Petra Brackmann selten. „Wir sind nach wie vor auch in anderen Einrichtungen unterwegs und überlegen, was wir noch optimieren können.“ Dabei sei die Idee entwickelt worden, das Miteinander mit anderen Einrichtungen zu forcieren. In Vorbereitung sei unter anderem eine Kooperation mit der Senioreneinrichtung Haus am Suletal. Denkbar seien auch welche mit Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen oder Schulen. „Kinder nehmen solche Themen mit nach Hause und tragen sie in die Familien“, weiß die Einrichtungsleiterin. Das Hospiz sei in Sulingen längst als Teil der Gesellschaft akzeptiert. „Unsere Aufgabe ist jetzt, uns und unsere Arbeit auch der Gesellschaft zugänglich zu machen. Ein Hospiz ist etwas, in dem auch Leben stattfindet.“

Petra Brackmann blickt auf viele denkwürdige Ereignisse im ersten Hospiz-Jahr zurück; unter anderem auf eine Taufe und eine Trauerfeier. Sogar eine Hochzeit habe man bereits am Wiesenweg gefeiert. Das Zugvogel-Team habe sich auf die Fahnen geschrieben, der Krankheit nicht mehr Platz als nötig einzuräumen. Feste mit Angehörigen seien wichtiger Bestandteil des Angebots, Lesungen in der Wohnküche für Bewohner und Angehörige, Nachbarn und Sponsoren waren, wie kleinere Konzerte, bisher weitere Höhepunkte.

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