Silvia Twedorf aus Sulingen wird mit dem„Pflegecompass“ ausgezeichnet

„Unglaublich beeindruckend“

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Silvia Twedorf mit den Vertretern der „Compass Private Pflegeberatung“ und ihrer Familie, von links: Doris Aumann, Kai Walter, Wilfried Twedorf, Silvia Twedorf mit Insa, Marcel Twedorf, Anni Kleiner, Sven Twedorf, Ewald Kleiner, Christian Twedorf.

Sulingen - Die enormen Leistungen, die pflegende Angehörige für Mitmenschen erbringen, bleiben fast immer unbesungene Heldentaten. Anders im Fall von Silvia Twedorf aus Sulingen: Die 56-Jährige wurde am Freitag mit dem „Pflegecompass 2015“ in der Kategorie „Angehörige des Jahres“ ausgezeichnet, nahm den mit 3000 Euro dotierten Preis im Rahmen eines Mittag-essens im Kreise ihrer Angehörigen im Restaurant Dahlskamp entgegen.

„‚Unglaublich beeindruckend‘, dass ist das Erste, was einem einfällt, wenn man sie kennenlernt, liebe Frau Twedorf.“ Kai Walter, Leiter des Teams für den Raum Weser-Ems der bundesweit agierenden „Compass Private Pflegeberatung“, hielt die Laudatio, wurde von der für den Landkreis Diepholz zuständigen Pflegeberaterin Doris Aumann begleitet. Das Unternehmen rief den Preis 2010 ins Leben, mit dem innovative kommunale Projekte in der Pflege und pflegende Angehörige ausgezeichnet werden. Die Jury besteht aus unabhängigen Experten der Selbsthilfe, renommierten Wissenschaftlern aus der Pflegeforschung, Vertretern der Presse und von „Compass“. Walter weiter: „Umringt von ihrer Familie sind sie der Fels in der Brandung – sie sind Ehefrau, Mutter, Krankenschwester, Pflegerin, Freundin, Vertrauensperson, Seelentröster.“

1983 nahmen Silvia Twedorf und ihr Mann Wilfried die damals neunjährige Insa als Pflegekind auf: Sie kam schwerbehindert zur Welt, wuchs bei ihrer Oma und in einer Pflegeinrichtung auf, bis sie zu Familie Twedorf kam. Insa versteht einfache Zusammenhänge und verständigt sich über Ja-/Nein-Buttons. Sie benötigt rund um die Uhr Unterstützung. „Ich habe als Kinderkrankenschwester in dem Heim gearbeitet, in dem Insa gelebt hat“, berichtet Silvia Twedorf. „Wir hatten sie öfter am Wochenende mit zu uns nach Hause genommen. Dann haben wir uns entschieden, sie als Pflegekind aufzunehmen – es war schwierig, das bei den Behörden durchzusetzen, denn damals waren wir noch nicht verheiratet.“

2002 erlitt Wilfried Twedorf einen Schlaganfall – seither pflegt Silvia Twedorf Insa und ihren Mann, schafft es dennoch, halbtags in ihrem Beruf zu arbeiten. Die drei leiblichen Söhne des Ehepaares, Marcel, Sven und Christian, waren bei der Auszeichnung ihrer Mutter am Freitag dabei, ebenso Silvia Twedorfs Eltern, Anni und Ewald Kleiner – und selbstverständlich auch Insa.

Viele Nominierungen habe es für die Auszeichnung gegeben, berichtete Kai Walter. Die Jury sagt über Silvia Twedorf: „Das Schicksal eines fremden Kindes, das auch noch schwerbehindert ist, zu seinem eigenen zu machen, ist bemerkenswert. Wenn dann auch noch der Ehemann schwer erkrankt und eines der leiblichen Kinder, sind Durchhaltevermögen, Geduld und Zuversicht gefragt. Silvia Twedorf hat sicher auch gehadert, sich aber immer wieder, auch in den schwersten Zeiten, für ihre Familie entschieden. Das verdient unseren größten Respekt.“ Es sei für einen Außenstehenden schwer nachzuvollziehen, woher Silvia Twedorf die Kraft und Zuversicht nimmt, „mit der sie ihren Alltag immer wieder aufs Neue meistert“, so Kai Walter. „Ihr aufopferungsvolles Engagement ist beispielhaft.“

Silvia Twedorf bedankte sich für die Auszeichnung – „auch im Namen von allen, die geholfen haben, dass ich das überhaupt geschafft habe.“ Es sei ein positives, aber auch ein merkwürdiges Gefühl, so gewürdigt zu werden, denn: „Es sind so viele, die man auch kennt, die genauso viel Arbeit leisten.“

ab

www.pflegecompass.de

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